vergrößernverkleinern
Der Spielmacher ist praktizierender Katholik © APA (epa)

Auch vor dem Länderspiel gegen Österreich am Mittwochabend wird sich Wesley Sneijder kurz in sein stilles Kämmerlein

Auch vor dem Länderspiel gegen Österreich am Mittwochabend wird sich Wesley Sneijder kurz in sein stilles Kämmerlein zurückziehen. Dort nimmt der niederländische Superstar seinen geweihten Rosenkranz zur Hand und betet für ein erfolgreiches Spiel gegen die ÖFB-Auswahl - so, wie er es vor jedem Match tut. "Dadurch kann ich all meine schlechten Gefühle ablegen", verriet der Mittelfeldspieler.

Den Rosenkranz bekam Sneijder von seiner Gattin Yolanthe Cabau geschenkt. Das niederländische TV-Starlet, eine praktizierende Katholikin, brachte ihren Mann dazu, sich im Trainingszentrum seines Clubs Inter Mailand taufen zu lassen. "An Gott habe ich immer geglaubt, aber jetzt bin ich gläubiger Katholik. Seither hat mein Leben eine neue Qualität gewonnen, alles ist viel einfacher geworden", beteuerte der Regisseur, der während der WM in Südafrika täglich mit seiner Frau am Telefon für den Weltfrieden betete.

Das Glamour-Paar sorgte in den Niederlanden aber nicht nur wegen seiner Frömmigkeit für Aufsehen. Bekannt wurde die Beziehung vor knapp zwei Jahren, als die Beiden von Überwachungskameras küssend in einem Parkhaus gefilmt worden waren. Familienvater Sneijder war zu dieser Zeit noch nicht von seiner Frau geschieden, Cabau lebte in einer Partnerschaft mit dem niederländischen Schlagersänger Jan Smit.

Die Liebes-Irrungen und -Wirrungen hielten wochenlang die Klatschpresse in Atem, wobei vor allem Sneijder die Rolle des Buhmanns zukam. Genüsslich wurde das Bild eines jähzornigen und arroganten Emporkömmlings gezeichnet, der sich über das "läppische" 300.000-Euro-Jahresgehalt des damaligen Team-Ersatzgoalies Piet Velthuizen lustig machte oder in seinem heruntergekommenen Utrechter Heimatbezirk mit seiner Luxuskarosse im Kreis fuhr.

Spätestens im vergangenen Sommer aber drehte sich die öffentliche Meinung. Sneijder hatte Inter Mailand zum Triple-Sieg in Meisterschaft, Cup und Champions League geführt und spielte danach auch bei der WM in Südafrika groß auf, wo er in sieben Turnierpartien gleich viermal zum "Man of the Match" erkoren wurde. Mit fünf Toren - darunter ein Doppelpack im Viertelfinale gegen Brasilien - schoss der 26-Jährige die "Elftal" bis ins Finale, erst gegen Spanien war Endstation. Als Trost blieb Sneijder immerhin die Wahl zum zweitbesten WM-Spieler hinter Diego Forlan und die Gewissheit, endgültig im Kreis der weltbesten Fußballer angekommen zu sein.

Dabei galt der aktuell auf einen Marktwert von 42 Millionen Euro geschätzte Niederländer noch im August 2009 fast schon als gescheitert, nachdem er von Real Madrid nach zwei relativ erfolglosen Jahren um 15 Millionen Euro an Inter Mailand abgeschoben worden war. Doch die Zweifler wurden eines Besseren belehrt: Angetrieben von unbändigem Ehrgeiz und Star-Trainer Jose Mourinho, mit dem Sneijder ein inniges Verhältnis verband, war der Absolvent der Jugendakademie von Ajax Amsterdam maßgeblich an den historischen Erfolgen von Inter in der vergangenen Saison beteiligt.

Dafür wurde der nur 1,70 Meter große Kicker im vergangenen Oktober mit einem neuen Vertrag bis 2015 belohnt. Dass Sneijder tatsächlich so lange in Mailand bleibt, scheint aber alles andere als fix, schließlich träumte er schon öffentlich von der Premier League. "Und wenn ich nach England gehe, würde nur Manchester United infrage kommen." Genau diesen Club hat auch Mourinho als nächsten Karriereschritt auf seiner Liste.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel