vergrößernverkleinern
Riesenfreude über den Titel © APA (Schlager)

Zu große Erwartungshaltung, die auf einem lastet. Zu großer Druck, den man sich macht. Zu viel nachgedacht. Das gehört im

Zu große Erwartungshaltung, die auf einem lastet. Zu großer Druck, den man sich macht. Zu viel nachgedacht. Das gehört im sportlichen Leben der Elisabeth Görgl der Vergangenheit an. Das aktuelle Erfolgsrezept, das die 29-Jährige am Dienstag in Garmisch-Partenkirchen zu Super-G-WM-Gold führte, ist eine Mischung aus Ruhe und Lockerheit.

Nur den Dickschädel, verriet die Steirerin, hat sie sich behalten, weil sie auch in Zukunft mit voller Leidenschaft durchziehen wird, wozu ihr das Gespür rät. Ein Waldspaziergang mit Freund Manuel, der die Rennläuferin mit seinem Besuch im WM-Ort überraschte, für mehr private Zeit hat es am Tag des Goldmedaillengewinns zwischen all den Interviewterminen und Ehrungen nicht gereicht. "Wenn ich im Bett liege, werde ich richtig durchschnaufen können und realisieren", hoffte Görgl, die es spannend fand, wie ruhig sie an die Aufgabe herangegangen war. "Schritt für Schritt habe ich meine Sachen gemacht. So möchte ich es weiterführen."

Goldmedaillen könne man nicht planen, wenn es passiere, passiere es, dann solle man es auch genießen. Das Erlangen der inneren Ruhe sei harte Arbeit von Jahren gewesen, zu hundert Prozent rechnete sie den Erfolg ihrem Mentalbetreuer Helmut Zangerl zu, der mitbeteiligt am Reifeprozess gewesen sei. "Immer wenn ich was reiße, muss ich mich bei ihm bedanken, denn ohne ihm wäre das alles nicht gegangen", stellte Görgl klar.

Die WM vor zwei Jahren in Val d'Isere, als die Athletin der Kapfenberger Sportvereinigung Bronze in der Super-Kombination gewann, sei das erste Großereignis gewesen, das sie anders angegangen sei. "Da bin ich schön mittig gewesen, habe es richtig genossen, dass ich bei der WM bin und mitfahren darf. Das hat mir für Olympia geholfen. Und Olympia für jetzt." So viel habe sie im Laufe ihrer Karriere schon gekämpft, das Kämpfen habe müde gemacht, sei energieaufreibend.

Görgl meinte nicht den äußeren, sichtbaren Kampf auf der Piste, sondern den inneren, verborgenen Kampf mit sich selbst. Nach Platz zwei als 21-Jährige 2003 im Slalom in Bormio folgte eine schwierige Zeit. "Wenn du dich nicht verletzt, wirst du alles niederreißen, sagte man mir nach. Mit dieser Erwartungshaltung ist es nicht so leicht umzugehen, vor allem wenn man so jung ist. Und wenn man charakterlich so veranlagt ist, wie ich es bin. Da kann es ganz schön schwierig werden", erzählte sie.

Erwartungshaltung und der Druck, den sie sich selber gemacht hatte, hätten sie oft blockiert. "Das kam mir dabei in die Quere, wenn ich abrufen wollte, was ich eigentlich kann. Vielleicht bin ich zu viel mit dem Kopf und zu wenig aus dem Gespür heraus gefahren." Jeder Sportpsychologe könne einem sagen, dass Denken den Prozess, den man durchmache, wesentlich erschwere und hemme. Aber wie das Denken abstellen, fragte sie sich?

Am Dienstag ist es ihr gelungen. "Eine schöne Bestätigung. Ich denke, dass die Aufgabe jetzt besser wird. Wichtig ist, dass ich für die anderen Disziplinen eine gute Abstimmung finden muss. Es hat alles zusammen gepasst, Ski, Skischuh, der Kurs von Jürgen, die Pistenverhältnisse. Der Herbert war ganz ruhig", zählte Görgl auf.

Ihr Jürgen Kriechbaum hatte den Kurs gesetzt ("Trotz Tempokontrolle war der Kurs offensiv zu fahren und man konnte attackieren"), Rennsportleiter Herbert Mandl spürte scheinbar auch, dass es der Tag der Görgl werden könnte. "Lizz ist eine sehr harte Arbeiterin und oft mit zu viel Krampf dabei. Sie gibt alles für den Sport", sagte er über die neue Weltmeisterin.

Früher verbissen ehrgeizig, heute umgänglicher und lockerer - was andere von ihr sagen, daraus macht sich Görgl nicht so viel. "Wichtig ist, dass es mir gut geht, dass es in mir stimmt, dass ich meinen Frieden habe und mein Ding machen kann. Es gibt so viele Bewertungen, wie man gesehen wird, oder wie man nicht gesehen wird. Und manchmal ist es so, dass einen die anderen nicht ganz einschätzen können."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel