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Hannes Reichelt mit der ersten Herren-Medaille © APA (Schlager)

Mit Gold und Silber an den ersten beiden Tagen ist Österreichs alpines Ski-Team stark in die WM in Garmisch-Partenkirchen

Mit Gold und Silber an den ersten beiden Tagen ist Österreichs alpines Ski-Team stark in die WM in Garmisch-Partenkirchen gestartet. "Das war wichtig für die gesamte Mannschaft. Wir haben das Potenzial, in jeder Disziplin aufs Stockerl zu fahren", meinte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum nach den Super-G-Medaillen für Elisabeth Görgl und Hannes Reichelt.

Die Gefahr, dass dem Herren-Team ein medaillenloses Debakel wie vor einem Jahr bei Olympia in Kanada drohen könnte, wurde bereits zum Auftakt abgewendet. Mit Reichelt ausgerechnet durch jenen Mann, der als Letzter auf den WM-Zug aufgesprungen war. "Erfolg ist die beste Motivation und Medizin", sagte Pum über den nach dem Sieg am vergangenen Wochenende in Hinterstoder vor Selbstvertrauen strotzenden Reichelt.

Der Salzburger präsentierte sich auch in den Stunden seiner ersten Medaille bei einem Großereignis mit Bodenhaftung. Vor allem aufgrund der zahlreichen jüngsten Verletzungen im ÖSV-Team. "Ich weiß zu schätzen, dass ich gesund bist. Das ist sehr viel wert." Beinahe hätte sich Reichelt aber wenige Stunden vor seiner Silber-Fahrt selbst zum Lazarett gesellt.

"Beim Hangbefahren hatte ich eine echte Schrecksekunde", berichtete Reichelt, der in einer Kompression einen heftigen Schlag kassierte und eine harte Belastungsprobe für sein einst verletzt gewesenes linkes Knie zu überstehen hatte. "Aber ich hatte Glück - so wie den gesamten Tag", sagte Reichelt, für den der Gewinn der Super-G-Kristallkugel 2008 nicht mit der Medaille vergleichbar ist. "Beim Gewinn der Kugel war ich über eine gesamte Saison der Stärkste. Heute war ich an einem Tag X der Zweitstärkste."

Vor ziemlich genau einem Jahr war Reichelt noch am Tiefpunkt der Durststrecke angekommen gewesen. Der Radstädter reiste zwar mit nach Kanada zu Olympia, aufgrund seiner zu schwachen Ergebnisse im Vorfeld und einer Ellbogenverletzung kam er dann aber bei den Winterspielen trotz ansteigender Form nicht zum Einsatz. "Das wollte ich heuer nicht mehr. Deshalb hab ich mir gedacht, die WM kann mich am Arsch lecken. Denn wenn man sich zu sehr hineinsteigert, geht es sowieso schief." Die Lockerheit hat sich bezahlt gemacht.

Auch für Mathias Berthold hätte das erste Rennen bei einem Großereignis als Herren-Chefcoach kaum besser laufen können. Für Reichelt hatte Berthold einen entscheidenden Anteil an der Silbernen. "Dass ich so locker ins Rennen gegangen bin, geht auf die Kappe vom Mathias. Er hat gesagt, dass er uns cool und lässig skifahren sehen will und wir nicht an Medaillen denken sollen. Das sagt sich zwar leicht, aber er hat das wirklich gut rübergebracht", berichtete Reichelt von der Mannschaftssitzung am Vorabend des Rennens.

Die WM 2013 in Schladming hat Reichelt ganz besonders im Visier, schließlich findet sie nur 20 Autominuten von seiner Heimat entfernt statt. "Das wird sicher voll cool, da werden ein Haufen Leute von zu Hause dabei sein. Hoffentlich stehe ich dann wieder mit einer Medaille da." Bis dahin wünscht sich Reichelt vor allem eines: "Gesundbleiben."

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