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"Sich gemeinsam freuen ist viel schöner" © APA (Schlager)

Rückblickend hätte sich die 21-jährige Anna Fenninger vieles anders gewünscht. Sie hätte sich gewünscht, dass sie jemand

Rückblickend hätte sich die 21-jährige Anna Fenninger vieles anders gewünscht. Sie hätte sich gewünscht, dass sie jemand beim Einstieg in den Weltcup geführt und auf die äußeren Einflüsse wie Mediendruck und Erwartungshaltungen vorbereitet hätte. Das Supertalent war bereits im zarten Alter von 16 als kommender Superstar ausgerufen worden, vier Junioren-WM-Titel versprachen eine große Zukunft.

Doch bis zum Gold in der WM-Super-Kombination am Freitag in Garmisch-Partenkirchen musste die Salzburgern Rückschläge hinnehmen, viel lernen und sich eine dickere Haut zulegen. Frisch aus dem Europacup kommend hätte Fenninger vor viereinhalb Jahren eine Bezugsperson gebraucht, doch so jemanden fand sie im ÖSV nicht vor.

"Wenn man sieht, da kommt jemand daher, der alles gewinnt, dann muss man auf den schauen. Es war im Weltcup alles auf das Team bezogen, aber Skifahren ist eigentlich ein Einzelsport. Man muss auf einzelne Charaktere eingehen. Ich bin ein sehr sensibler Mensch, was das alles betrifft, mir geht gleich mal was nahe. Das ist unterschätzt worden. Man hat mich in den Weltcup reingeschmissen und dann waren die Leistungen gleich schlecht", erzählte Fenninger, die aber daraus gelernt hat. "Drum bin ich, wie ich bin."

Ja, heute ist Fenninger so weit und reif, dass sie sagt, was sie sich denkt, und dass sie auch ihre Entscheidungen selbst trifft. Ihre klaren Aussagen sind erfrischend. "Ich spreche aus meinem Inneren raus. Die Wahrheit ist es, was die Leute hören wollen, und nicht irgendeine vorgespielte Geschichte." Wenn sie Interviews von anderen hört, dann denke sie sich oft, dass diese nicht sagen, was sie sich wirklich denken. "Wieso tun die das? Das ist nicht gut für einen selbst. Ich bin von Haus aus ehrlich und könnte mir selbst nichts vorlügen." Sie schätze es, wenn jemand immer die Wahrheit sage, wie ihr Servicemann zum Beispiel.

Geholfen hat Fenninger ihre Familie, aber auch ihre Konditionstrainerin Sandra Lahnsteiner, deren offene und ehrliche Gespräche ihr oft die richtige Sicht auf die Dinge ermöglich haben, weil man manches von außen leichter erkennt. "Letztes Jahr wäre ich noch unsicher gewesen, aber jetzt bin ich so weit, dass ich einschätzen kann, was ich brauche und was nicht. Jetzt weiß ich, was ich fühle und denke, und das ist das Richtige. Und nicht das, was die anderen denken." Es sei schwierig gewesen, aber nun sei sie stolz, die lange Durststrecke hinter sich gelassen zu haben. "Aber wenn dir keiner hilft, bist gleich mal verloren."

Verstanden habe sie nicht, dass sie, wenn sie als 17. der Abfahrt beste Österreicherin geworden war, die Kritik für das ganze Team abbekommen habe. "Ich war 20 und konnte nichts dafür. Und wenn ich zufrieden mit meiner Leistung war, hat das die Öffentlichkeit nicht akzeptiert. Das hat mich geärgert. Ich habe es auf mich genommen, weil ich es nicht ändern konnte, aber ich habe immer gesagt, wenn ich mal die Aufmerksamkeit habe, sage ich, was ich mir denke." Wie am Freitag in Garmisch-Partenkirchen mit Gold um den Hals.

Darum macht sie auch keinen Hehl daraus, was das ganz große Ziel ihrer Karriere ist: "Der Gesamtweltcup. Das war schon immer mein Traum. Ich weiß, dass ich es drauf habe, in allen Disziplinen in der Weltspitze mitzufahren. Man muss mir nur meine Zeit geben, die ich am Anfang nicht bekommen habe. Denn jetzt bestimme ich."

Anna Fenninger hat den Moment auf dem Podium bei der Medaillenvergabe ohne großen Gefühlsausbruch erlebt. "Ich hatte nur Freude in mir, ich bin nicht der Mensch, dem man das so ansieht. Ich hatte auch keine Gänsehaut, aber ein Gefühlschaos innerlich." Allein auf dem Podium zu stehen sei ein komisches Gefühl gewesen. "Aber es war mein Moment. Und ich habe ihn genossen." Anschließend, bei den Umarmungen mit Freund Manuel und den Eltern, waren die Emotionen augenscheinlicher. "Miteinander freuen ist sowieso viel schöner."

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