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Die Kandahar wurde für ihn zur "Kanadahr" © APA (epa)

Bei den Winterspielen 2010 vermochten die Canadian Cowboys die Erwartungen nicht zu erfüllen. Medaillenlos waren die alpinen

Bei den Winterspielen 2010 vermochten die Canadian Cowboys die Erwartungen nicht zu erfüllen. Medaillenlos waren die alpinen Speed-Piloten bei ihrer Heimveranstaltung in Whistler geblieben. Für Erik Guay war das Ansporn genug, den Fokus neu zu setzen - in Blickpunkt nächstes Ski-Großereignis in Garmisch-Partenkirchen.

Die "Kanadahr" ist die Erfolgsstrecke des 29-jährigen, mit WM-Gold am Samstag wurde die Liebe gefestigt. Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl hatte vorhergesagt, dass die Nummer zehn das Rennen gewinnen werde, noch ehe der Kärntner wusste, wer sie tragen wird. Das ist ein Zufall gewesen. Schon eher darf man eine Vorahnung vermuten, wenn man hört, dass Guay vor drei Jahren nach dem Umbau die Kandahar zu Fuß abgegangen war und am Freien Fall gesagt hatte, dass dort das Rennen entschieden werden wird. So war es am Samstag. "Eine Herausforderung, weil es dort wirklich steil ist. Da muss man die Kurve in den Sprung erwischen und dann die Geschwindigkeit ins Ziel mitnehmen", wusste Guay.

Vielleicht hatten ihn manche nicht auf der Rechnung, aber Guay ist kein Überraschungs-Weltmeister. Auf der Kandahar hat er zwei seiner drei bisherigen Weltcuperfolge gefeiert. "Garmisch war von Beginn an immer gut zu mir. Ich habe ein gutes Gefühl auf dem Kurs und fühle mich im Ort wohl. Manchmal ist das einfach so, dass man wo hin kommt und reserviert ist. Und manchmal macht einen ein spezieller Platz schneller. Ich hatte eine gute Nummer, aber das musst du dann auch erst einmal ausnützen", meinte der Vater einer Tochter.

"Das wird den Kanadiern gut tun - auch finanziell. Und natürlich auch unserem Freund Gartner. Guay hatte einen Sensationslauf. Sein Glück war, dass er in dieser Saison noch nicht so stark war. Dadurch fiel er aus der ersten Gruppe und hatte jetzt eine super Startnummer. Das hat er beinhart ausgenutzt", sagte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. Der gebürtige Oberösterreicher und ehemalige österreichische Bundesliga-Fußballer Max Gartner ist seit vergangenem Jahr Präsident des kanadischen Skiverbandes. "Wir haben mit einer Medaille spekuliert, aber mit Gold auf keinem Fall", gestand Gartner.

Die kanadischen Abfahrer mussten für die WM Titelverteidiger John Kucera und Manuel Osborne-Paradis vorgeben. Und auch Guy ist nicht sorgenfrei durch den Winter gekommen, der Rücken plagte ihn. "In den Trainings hier habe ich mich besser gefühlt und dann ist die Zuversicht gekommen." Es sei das beste Gefühl gewesen, nach einer schnellen Fahrt auf einem herausfordernden Kurs im Zielraum zu stehen.

Dass er nach vielen knappen Entscheidungen (zwei vierte, zwei fünfte und drei sechste Plätze bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen) nun einmal das Glück auf seiner Seite hatte, mache diesen Erfolg speziell: "Manchmal sind die hundertstel Sekunden auf der richtigen, manchmal auf der falschen Seite. Dass ich bei Olympia in Kanada nicht auf dem Podium, sondern zweimal Fünfter war, hat mich inspiriert, härter zu arbeiten", sagte der Gewinner der Super-G-Kristallkugel im vergangenen Winter.

Diese Kugel hatte sich Guay fast logischerweise ebenfalls in Garmisch-Partenkirchen geholt, mit 15 Punkten Vorsprung auf Michael Walchhofer. Ob der Titel in der Heimat geschätzt werden wird, das konnte Guay aus der Ferne nicht beurteilen. "Es macht aber auch nichts, wenn es daheim keine große Sache ist. Ich bin stolz darauf, ich weiß, was er wert ist und wie viel ich rein gelegt habe", sagte der Atomic-Pilot. Die Skifirma hat übrigens seit 2003 ein Abonnement auf Abfahrts-WM-Gold bei den Herren.

Profitiert haben die Skiherren von Kanada auch von der Zusammenarbeit mit Norwegen, die seit drei Jahren besteht. Neben gemeinsamem Training sei es auch hilfreich, dass man mehr Leute an der Piste und bei Kursinspektionen habe. Da trifft es sich auch gut, dass Erik Guays Großmutter Norwegerin ist.

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