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Goldene Görgl sorgt für Jubelstimmung im ÖSV © APA (Gindl)

Als die Trainer des Österreichischen Skiverbandes am Sonntag im Zielraum bei Goldmedaillengewinnerin Elisabeth Görgl angekommen

Als die Trainer des Österreichischen Skiverbandes am Sonntag im Zielraum bei Goldmedaillengewinnerin Elisabeth Görgl angekommen waren, um ihr zu gratulieren, war die Flower Ceremony bereits vorbei. Während der WM-Abfahrt standen sie auf ihren Positionen an der Kandahar. Bei einem Rennen, das Speedtrainer Jürgen Kriechbaum etwas sprachlos gemacht hat.

"Ich glaube noch überhaupt nicht, dass das passiert ist. Drei Goldene, zwei für Lizz", meinte der Erfolgs-Coach, während Rennsportleiter Herbert Mandl von einem "Ausnahmezustand" sprach.

Gold bei der WM in Garmisch-Partenkirchen für Elisabeth Görgl in der Abfahrt und im Super-G. Gold für Anna Fenninger in der Super-Kombination. "Drei Goldene wären so ein illusorisches Ziel, so was steckt man sich nicht. Wir haben gesagt, wir haben in jeder Disziplin Chancen, eine Medaille zu machen. Das ist immer auch ein bisserl vom Glück abhängig, da muss am Tag X alles zusammenpassen. Dass wir jetzt mit dreimal Gold dastehen, ist sensationell", sagte Mandl, der der ganzen Mannschaft gratulierte. "Gerade in den schnellen Disziplinen ist es ein enormer Aufwand, enorme Arbeit, die dahinter steckt. Da braucht es ein super Teamwork, dass so was auch wirklich zustande kommt."

In seiner Ära als Damen-Cheftrainer (offizielle Bezeichnung im ÖSV ist sportlicher Leiter) war es das zweite Speed-Double bei Großereignissen nach Olympia in Turin 2006, als Michaela Dorfmeister zuschlug. Allerdings war Mandl Damen-Speedtrainer, als bei der WM 1999 in Vail Renate Götschl die Abfahrt, Alexandra Meissnitzer den Super-G und den Riesentorlauf gewann. "Wir hatten dort auch einen Ausnahmezustand. Wir waren in der Abfahrt auf den Plätzen eins bis vier, im Super-G auf eins bis drei und im Riesentorlauf auf eins und drei. Das war der absolute Wahnsinn", blickte Mandl zurück.

Der Österreichische Skiverband hält nun bei sechs alpinen Ski-Weltmeisterschaften, bei denen dreimal Gold für die rot-weiß-roten Damen für Riesenjubel gesorgt hatten. Zuvor passierte das 1933 in Innsbruck, 1950 in Aspen, 1962 in Chamonix, mit 1978 schon einmal in Garmisch-Partenkirchen sowie zuletzt eben 1999 in Vail. Bei Olympischen Spielen glückte diese Meisterleistung den weiblichen Rennläuferinnen noch nie.

"Ich kann es echt noch nicht fassen. Man ist froh, wenn man überhaupt unter die Fünf kommt, oder an einer Medaille ankratzt. Jetzt ist es dreimal Gold geworden in Disziplinen, wo wir wirklich nicht Favoriten waren. Da ist das umso schöner. Ich bin sehr, sehr stolz auf die Hasen, auf die Mädels, dass sie so engagiert fahren und angreifen. Da sieht man einfach, die wollen eine Medaille holen, das ist faszinierend", fand Kriechbaum nur lobende Worte.

Der Schlüssel zum Erfolg in der Abfahrt sei gewesen, dass Görgl oben ein super Rennen gefahren sei. "Da, wo sie es in der Kombiabfahrt eigentlich verhaut hat (trotzdem gewonnen/Anm.), war sie eine von den Schnellsten. Das hat ihr Gold gebracht."

Mandl erinnerte, dass Görgl schon in der Abfahrt in Lake Louise "absolut" mit Lindsey Vonn (Silber) und Maria Riesch (Bronze) mithalten habe können, doch dann sei eine Verletzung dazugekommen. "Dass sie bei der WM wieder so in Form ist, ist ihrer Konsequenz und harten Arbeit zuzuschreiben." Die gegenüber dem Super-G weicheren Verhältnisse hätten das Feld der Medaillenanwärterinnen geöffnet, meinte Mandl. "Lizz mag nassen Schnee sehr gerne, und gefrorenes Eis ist ja auch nasser Schnee. Sie hat sich mit den Verhältnissen von Anfang an sehr gut angefreundet", erläuterte Kriechbaum.

Am kommenden Donnerstag steht mit dem Riesentorlauf jener Bewerb auf dem Programm, in dem Görgl vor den Weltmeisterschaften die größten Medaillenchancen zugerechnet worden waren. "Da wird sie sicher nochmals Vollgas geben, das liegt ihr da herunter sicher sehr gut", weiß Mandl, der überzeugt davon ist, dass seine Athletin in der ganzen Euphorie auch den Fokus halten wird können. "Lizz ist alt genug, sie weiß, wie hart sie dafür gearbeitet hat. Sie weiß genau, dass das schnell wieder vorbei sein kann, wenn man liederlich umgeht, nachlässt in der Arbeit. Aber ich glaube, dass wird ihr nicht passieren, sie hat wirklich eine reife Entwicklung gemacht."

Sonntagnacht durfte gefeiert werden, aber schon in den nächsten Tagen wird Görgl Riesentorlauftraining absolvieren. Jürgen Kriechbaum sprach darüber, was nun zu tun ist: "Was gewesen ist abhaken und neu konzentrieren. Da ist ganz, ganz wichtig. Man darf sich auf Lorbeeren nicht ausruhen. Das hat man im Slalom der Super-Kombination gesehen. Du musst voll attackieren, mit Bremsen geht nichts. Das war sehr lehrreich." Görgl führte nach der Abfahrt, fiel nach dem Slalom aber auf Platz fünf zurück.

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