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Vonn hat ihren Frieden mit Garmisch gefunden © APA (Gindl)

Fast zwei Jahre lang hat man bei den alpinen Ski-Damen nur zwei verschiedene Gesichter auf dem obersten Abfahrts-Podest zu sehen

Fast zwei Jahre lang hat man bei den alpinen Ski-Damen nur zwei verschiedene Gesichter auf dem obersten Abfahrts-Podest zu sehen bekommen. Ausgerechnet in der WM-Abfahrt ist die Serie von Lindsey Vonn und Maria Riesch am Sonntag gerissen. Allerdings sind beide Top-Stars auch angeschlagen ins Medaillenrennen gegangen.

Elisabeth Görgl ist seit 28. Februar 2009 die erste siegreiche Abfahrerin, die nicht Vonn oder Riesch heißt. Damals in Bansko hatte mit Andrea Fischbacher ebenfalls eine Österreicherin gewonnen.

Für Vonn, die "Miss Downhill" der jüngeren Ski-Vergangenheit, war Silber dennoch ein Grund für ehrliche Freude. Vor allem weil die Ausgangslage nach der bei einem Trainingssturz in Hinterreit erlittenen Gehirnerschütterung alles andere als ideal war. "Für mich fühlt sich Silber wie Gold an. Ich habe in den vergangenen Tagen richtig gekämpft, dass ich fahren kann. Ich bin sehr stolz. Ich habe mich nicht perfekt gefühlt, aber das war heute fast schon wieder die richtige Lindsey", versicherte Vonn, der aber noch das letzte Selbstvertrauen abgegangen war.

Im Super-G am Dienstag (Platz sieben) hatte sich Vonn noch ganz miserabel gefühlt, die Super-Kombination am Freitag hatte sie dann nach der Abfahrt aufgebrochen. Die Ärzte rieten ihr, sich zu schonen und so viel Zeit wie möglich in abgedunkelten Räumen zu verbringen. Zudem absolvierte Vonn mehrmals täglich Tests, um den Grad der Gehirnerschütterung zu eruieren. Deshalb hatte sie auch die Startnummernauslosung am Samstagabend ausgelassen, die Abfahrt wollte sich die 26-Jährige aber keinesfalls entgehen lassen.

Die Mischung aus WM-Stress, Verletzung, ihrer Trainingsfahrt in Skitouristenkleidung und Kritik an der Pistenpräparierung hatte für zahlreiche Vonn-Schlagzeilen im Blätterwald gesorgt. "Die Leute waren nicht nett zu mir, das hat mich schon sehr enttäuscht." Vonn versicherte, dass ihre Äußerungen niemals gegen Garmisch-Partenkirchen oder die WM-Organisatoren gerichtet waren. "Ich habe nur die Pistenpräparierung der FIS (Weltverband, Anm.) angesprochen. Ich hoffe, dass die Leute das verstehen. Ich liebe Garmisch und ich liebe die Leute hier."

Ihr Auftritt im Training mit Kapuzenjacke sei kein Theater gewesen. "Ich wollte dadurch die Geschwindigkeit reduzieren". Vonn möchte alle weiteren WM-Rennen (auch den Teambewerb) fahren, ihre definitive Entscheidung wird sie aber erst nach Rücksprache mit den Ärzten und ihrem Mann Thomas bekanntgeben.

Eine ausschweifende Medaillenfeier kann sich Vonn angesichts ihres körperlichen Zustands nicht leisten, auf ein Gläschen mit ihrer Freundin Maria Riesch wollte sie aber auf jeden Fall noch gehen. "Es ist ein super Gefühl, mit Maria auf dem Podium zu stehen. Sie hat gekämpft und ich bin wirklich stolz auf sie", freute sich Vonn.

Stolz auf sich selbst war auch Riesch, die fast die identischen Worte wie Vonn fand: "Ich freue mich als wäre es Gold." Die ausgerechnet bei ihrer Heim-WM von einer Grippe geschwächte Riesch ließ nichts unversucht, um wieder fit zu werden. Deshalb schaute sie auch im Kirchenzelt im WM-Park vorbei, um sich göttlichen Beistand für eine schnelle Genesung zu sichern.

Einen Startverzicht wollte Riesch um jeden Preis vermeiden. "Das war ich den Fans schuldig, die viel Geld für Tickets bezahlt haben und mich sehen wollten. Wenn ich Fieber gehabt hätte, wäre es unverantwortlich gewesen. Aber ich war so fit, dass ich an den Start gehen konnte." Nach aktuellem Stand scheint ein Start von Riesch im Teambewerb eher unwahrscheinlich, die Deutsche wird sich wohl lieber gesund pflegen lassen und ihren Fokus auf Riesentorlauf und Slalom richten.

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