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Ex-Finanzminister Grasser soll mehr gewusst haben © APA (Parigger)

In der Causa um eine außergewöhnliche staatliche Fördermillion, die der Bundesliga 2004 über den ÖFB zugekommen ist, scheint

In der Causa um eine außergewöhnliche staatliche Fördermillion, die der Bundesliga 2004 über den ÖFB zugekommen ist, scheint nun auch der damalige Finanzminister Grasser in Bedrängnis zu geraten. Dieser soll von der offenbar nicht widmungsgemäßen Verwendung der für den Nachwuchs vorgesehenen Million Euro, die stattdessen zur Tilgung einer Finanzschuld der Bundesliga verwendet wurde, gewusst haben.

Das geht aus Aufsichtsrats-Protokollen der Bundesliga hervor, die Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz am Montag nach Recherchen der Tageszeitung "Kurier" vorgelegt hat. Darin brüstet sich der damalige Bundesliga-Vorstand Westenthaler, mittlerweile stellvertretender Klubobmann des BZÖ, unter anderem damit, in "persönlichen Gesprächen" mit dem Finanzminister ein an Bedingungen geknüpftes Vergleichsangebot ausverhandelt zu haben.

Die Republik Österreich hatte die Bundesliga ursprünglich auf mehr als eine Million Euro Schadenersatz verklagt, weil Vorstand Nachbagauer nach dem Konkurs des FC Tirol 2002 trotz Pfändung TV-Gelder an die Tiroler ausbezahlt hatte. Das danach von der Bundesliga beantragte Fördergeld soll dann aber nicht für das vorgesehene Projekt "Challenge 08" vor der Heim-EM 2008 verwendet worden sein, sondern zur Tilgung der Finanzschuld.

"Das war eine glatte Täuschung des Nationalrates", betonte Pilz. "Westenthaler hat sich diese Million mit Hilfe einer weiteren Person erschlichen." Grasser müsse als Finanzminister laut dem Grünen Abgeordneten vom eigentlichen Verwendungszweck gewusst haben. Daher ortete Pilz durch die Gewährung der Förderung den Verdacht des Amtsmissbrauchs. "Das ist die erste Causa Grasser mit einer geschlossenen Beweiskette", meinte Pilz.

Grassers Anwalt Ainedter wies die Vorwürfe zurück. "Er konnte von der allfälligen, nicht widmungsgemäßen Verwendung gar nichts wissen", betonte Ainedter am Montag im Gespräch mit der APA. "Die Förderung fiel gar nicht in seine Zuständigkeit." Diese wurde über die im Bundeskanzleramt angesiedelte Sektion Sport via Ergänzungsvertrag zum Projekt "Challenge 08" an den ÖFB ausbezahlt. Das bestätigte auch ÖFB-Generaldirektor Ludwig in einem Brief an Pilz.

Die Förderung sei also auch über den Schreibtisch des damaligen Bundeskanzlers Schüssel gegangen, den Pilz als den "Kopf" eines Systems mit Grasser und Jörg Haider bezeichnete. "Diese Republik ist sechs Jahre (2000-2006/Anm.) von schwarz-blauen Plünderern ausgenommen worden", erklärte der Oppositions-Politiker, der wegen der Bundesliga-Million bereits eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Pröll gestellt hat.

"Ich verlange von Bundesminister Pröll, dass er sich diese Million an Steuergeld zurückholt", betonte Pilz. Das könne über die Nichtigmachung des Vertrages wegen Kollusion (wissentliche Schädigung des vertretenen Vertragspartners durch dessen Vertreter/Anm.) vom ÖFB erfolgen. Der Fußball-Bund müsste sich dann auf zivilrechtlichem Weg an den verursachenden Personen - in diesem Fall Ex-Bundesliga-Vorstand Westenthaler - schadlos halten.

Gegen Westenthaler ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdachts der Untreue. Bei ÖFB und Bundesliga waren daher vergangene Woche Hausdurchsuchungen durchgeführt worden. Westenthaler betonte am Sonntag einmal mehr seine Unschuld. Das zuständige Bundeskanzleramt habe die widmungsgemäße Verwendung der Million bereits im Jänner 2005 schriftlich bestätigt, betonte der BZÖ-Politiker. Das bestätigte Ludwig ebenfalls in seinem Brief an Pilz.

Westenthaler forderte "Kurier" und Grüne in einer Stellungnahme auf, ihre "Kampagne" einzustellen. "Es ist inakzeptabel, dass eine völlig korrekt gelaufene, einmalige Fußballförderung aus dem Jahre 2004 in den Schmutz gezogen wird", meinte der aktuelle Vorsitzende des parlamentarischen Sportausschusses.

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