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Hans Pum mit Benjamin Raich © APA (Archiv/Techt)

Nach sechs Bewerben hält der ÖSV bei der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen bei drei Goldmedaillen für die Damen in

Nach sechs Bewerben hält der ÖSV bei der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen bei drei Goldmedaillen für die Damen in Abfahrt und Super-G durch Elisabeth Görgl und Super-Kombination für Anna Fenninger sowie einer Silbernen für Hannes Reichelt im Super-G. Mit dem Nations Team Event, den zwei Riesentorläufen und Slaloms stehen diese Woche noch fünf Entscheidungen auf dem Programm.

Im Interview mit der APA zog Hans Pum, der Sportdirektor des Österreichischen Skiverbands für alle Sparten, eine Zwischenbilanz.

APA: Was müssen Sie im Moment öfter tun - im Damenlager auf die Euphoriebremse steigen, oder medialer Negativstimmung betreffend der Ergebnisse der Herren entgegenwirken?

Pum: "Negativstimmung wäre natürlich das Schlechteste. Euphorie ist mit drei Goldenen in drei Rennen okay, das verstehe ich, es ist ja auch was Sensationelles passiert. Noch dazu, da das nicht zu erwarten war wegen der Konkurrenz von Vonn, Riesch, Pärson. Laut Papierform wären die Goldenen alle vergeben gewesen."

APA: Und was denken Sie über die Herren?

Pum: "Man braucht jetzt nicht trübselig sein, weil man in Abfahrt und Super-Kombination keine Medaille geholt hat. In der Kombi war es sehr, sehr schade. Benni (Raich/Anm.) hat mir wirklich leidgetan. Da hat die Basis gefehlt, die Abfahrt war zu wenig und es war auch zu wenig Risiko im Slalom. In der Abfahrt war im Vorfeld der große Favorit der Cuche, wir hätten uns eine Medaille erhofft. Und so ist es nicht Gold, Silber oder Bronze geworden, sondern zwei vierte Plätze. Blech."

APA: Die Herren haben aber auch noch zwei Einzelrennen mit Medaillenchancen ...

Pum: " .. ich denke sowieso weiter. Diese Rennen sind schon abgehakt. Jetzt läuft die Vorbereitung auf die nächsten, das ist das Wichtigste."

APA: Wie kann man den Fall Elisabeth Görgl erklären? Einplanbar ist so etwas ja nicht, wie passiert so etwas?

Pum: "Sie ist eine Topathletin, sie hat ein Wahnsinnspotenzial - vom technischen und vom Einsatz her. Es gibt wenige, die den Sport so leben wie sie, die sich so einsetzen, so hart trainieren, so viel hintenanstellen. Sie ist sich oft selbst durch den großen Ehrgeiz im Weg gestanden. Ich glaube, dass ihr das Singen, der Auftritt sehr viel Lockerheit gegeben hat. Sie hat die Leute begeistert."

APA: Mit dem Slalom der Damen kommt der Bewerb noch, in dem der ÖSV vor WM-Beginn die größten Chancen auf Gold hatte. Wird der Druck auf Marlies Schild nun noch größer werden?

Pum: "Ja, das war der Bewerb mit der größten Goldchance. Marlies hat dadurch aber überhaupt keinen zusätzlichen Druck. Ich glaube, dass ihr das gut tut. Aber es kommt auch auf die Tagesverfassung an, da muss alles zusammenpassen. Schauen Sie Innerhofer an. Was hat er den ganzen Winter gemacht? Und nun hat er drei Medaillen. Und was hat Guay den ganzen Winter gemacht? Man sieht, dass die Leistungsdichte irrsinnig groß ist."

APA: Das deutsche Team hat bei seiner WM Verletzungs- und Krankheitspech. In zwei Jahren sind die Weltmeisterschaften in Schladming. Muss man Athleten vor Heim-Welttitelkämpfen speziell schützen, um so etwas zu vermeiden?

Pum: "Für uns ist das nichts Neues. Wir haben Kitzbühel oder Schladming, das sind für unsere Athleten immer so kleine Heim-Weltmeisterschaften. Kranke, Verletzte, so etwas passiert einfach. Das ist nichts Außergewöhnliches. Aber bei uns erwartet man trotzdem immer wieder die Erfolge, als wenn alle gesund wären. Eine andere Mannschaft verkraftet das nicht. Ich hoffe, dass sich alle die Kombination angeschaut haben. Mit wie viel Leuten die Franzosen, die Deutschen, Schweizer oder Kanadier gefahren sind. Mit keinem oder nur mit zwei. Und bei uns wird nur das Problem Kombination diskutiert."

APA: Weil in Österreich mit anderen Maßstäben gemessen wird.

Pum: "Freilich, das meine ich damit. Die Erwartungen bei den Deutschen waren natürlich sehr groß, vor allem bei den Damen, sie haben sehr viel gewonnen bei den Olympischen Spielen. Und dann werden zwei krank und zwei tun sich weh. Und da sieht man auch, welches Potenzial wir haben, sonst wäre das nicht zu verkraften, was wir gehabt haben. Die Ausfälle von Scheiber, der im Vorjahr in Garmisch in der Abfahrt Zweiter war. Von Grugger, der Fünfter war. Von Streitberger, der die Saison seines Lebens gefahren ist. Von einem Buder reden wir schon gar nicht mehr, der aufgehört hat. Das alles war im Jänner. Und dann kam noch der Hirscher dazu. Und trotzdem haben wir eine Medaille gemacht. Und waren zweimal Vierter."

(Das Gespräch führte Birgit Egarter/APA aus Garmisch-Partenkirchen)

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