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Raich würde große Lücke im Team hinterlassen © APA (Hechenberger)

Die schwere Knieverletzung von Aushängeschild Benjamin Raich hat im Lager der österreichischen Ski-Herren für Betroffenheit

Die schwere Knieverletzung von Aushängeschild Benjamin Raich hat im Lager der österreichischen Ski-Herren für Betroffenheit gesorgt. Seine Trainer sind aber davon überzeugt, dass der bald 33-jährige Tiroler ein Comeback geben wird. "So hört er nicht auf", meinte ÖSV-Trainer Rainer Gstrein, der zu den engsten Vertrauten von Raich gehört.

Gstrein kann sich aber vorstellen, dass sich Raich in Zukunft auf die technischen Disziplinen Slalom und Riesentorlauf konzentrieren würde. Schwer getroffen hat der Raich-Ausfall natürlich auch Mathias Berthold, den Chefcoach des mittlerweile vom Verletzungsteufel arg zerrupften Herrenteams. "Das ist schon brutal, weil der Benni als Mensch und Sportler ein super Typ ist. Aber mir tut es für alle anderen Verletzten genauso leid. Es ist bitter, wenn man so gute Leute verliert", sagte Berthold.

Auch der Vorarlberger ist zuversichtlich, dass Raich in den Rennsport zurückkehren wird. "Es wird sicher nicht einfach. Aber die WM 2013 in Schladming und Olympia 2014 in Sotschi sind gute Ziele. Benni ist ein genialer Skifahrer. Ich hoffe, er hat den Willen, kommt zurück und zeigt, was Sache ist." Der Zorn von Verbandspräsident Peter Schröcksnadel richtet sich gegen den internationalen Skiweltverband (FIS), den er zu sofortigen Änderungen in der Materialfrage auffordert. "Der Benni fährt weiter, aber nicht mit diesem Material", so Schröcksnadel.

Angesichts der Verletzungen von Raich, Hans Grugger, Mario Scheiber, Georg Streitberger und Marcel Hirscher betreibt das ÖSV-Team natürlich Ursachenforschung. "Aber ich kann keinerlei Gesetzmäßigkeiten finden. Und von einem Gerede über einen Fluch halte ich sowieso nicht viel", erklärte Berthold. Die Konditionswerte der Fahrer seien "der absolute Hammer", die Moral "topp". "Es ist wirklich schwierig, auf diese Frage eine Antwort zu finden."

Dass sich zahlreiche Top-Athleten wie Ivica Kostelic mit starken Rückenschmerzen durch die Winter quälen, ist natürlich kein Zufall. "Skifahren ist ein brutaler Sport. Ganz klar, das Material verschärft die Sache natürlich", stellte Berthold klar.

Dass Österreich trotz der unglaublichen Verletzungsserie nach wie vor ein schlagkräftiges Team ins Rennen schickt, ist für Berthold einmalig. "Jede andere Mannschaft der Welt würde nicht mehr existieren. Man sieht, dass die Mannschaft Potenzial und Charakter hat. Es ist wahnsinnig toll, was die Jungs machen." Im Riesentorlauf rutscht Stephan Görgl völlig unerwartet ins Aufgebot, im Slalom fahren nun plötzlich Christoph Dreier sowie Patrick Bechter oder Wolfgang Hörl.

Berthold will das Jammern über die Ausfälle keinesfalls in den Vordergrund stellen. "Wir müssen mit den anderen Burschen gut weiterarbeiten, das haben sie sich verdient."

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