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Riesch und Schild sind Topfavoritinnen im Slalom © APA (epa)

Vom österreichischen Damen-Skiteam ist der Druck mit drei Goldmedaillen schon lange abgefallen. Für Marlies Schild gilt das

Vom österreichischen Damen-Skiteam ist der Druck mit drei Goldmedaillen schon lange abgefallen. Für Marlies Schild gilt das aber nicht. Sie geht am Samstag bei der alpinen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen als Topfavoritin in den Slalom. Um zu gewinnen, wird die fünffache Saisonsiegerin den Ansturm der Deutschen Maria Riesch standhalten müssen, die als Lokalmatadorin auf dem Gudiberg zu Hause ist.

Kathrin Zettel, Nicole Hosp und Michaela Kirchgasser vervollständigen das rot-weiß-rote Quartett, Kirchgasser hatte sich mit zwei starken Läufen in der internen Qualifikation am Freitag in Ehrwald gegen die jüngere Schild-Schwester Bernadette durchgesetzt. Gemeinsam wollen sie es besser machen als das Damenteam vor zwei Jahren. Der Blick zurück auf die WM 2009 in Val d'Isere schmerzt noch. Zettel und Kirchgasser waren ausgeschieden, Elisabeth Görgl und Anna Fenninger hatten sich nicht für den zweiten Durchgang qualifiziert. Dem ÖSV standen allerdings M. Schild und Hosp nicht zur Verfügung.

Im Slalom hat Schild bereits vier Medaillen bei Großereignissen gewonnen, bei Olympia war dies 2010 Silber und 2006 Bronze. Bei der WM stehen zwei Silberne 2007 und 2003 zu Buche. 2007 in Aare war Schild nach einer Traumsaison Topfavoritin gewesen, hatte sich im Showdown des Winters aber der Tschechin Sarka Zahrobska geschlagen geben und das Zerplatzen eines Traums zur Kenntnis nehmen müssen. Programmierte Siege gibt es eben nicht.

Über die Goldmedaillen durch Elisabeth Görgl und Anna Fenninger freute sich Schild, auf ihr Rennen hat das aber keine Auswirkungen: "Wenn ich morgen am Start stehe, wird das für mich nichts zur Sache tun. Ich muss mein Rennen fahren, ob schon Medaillen da sind oder nicht. Ich will immer gewinnen", sagte die Lebensgefährtin von Benjamin Raich, der sich im Teambewerb eine schwere Knieverletzungen zugezogen hat. Ein Krankenbesuch war sich nicht mehr ausgegangen. "Wenn ich am Start stehe, versuche nicht dran zu denken und mein Rennen zu fahren, dass ist Benni das Liebste."

Mit der Situation von Aare will Schild den WM-Slalom am Samstag nicht vergleichen, da sei sie nach einem Sturz im Riesentorlauf etwas angeschlagen gewesen. "Außerdem war es ein anderer Hang und es waren andere Bedingungen." Das Hangfahren am Freitag in Partenkirchen war abgesagt worden, weil die Piste weich war. Schild ist erst einmal auf dem Gudiberg gefahren, das war beim Weltcupfinale im März 2010, als sie vor Kathrin Zettel und Maria Riesch gewann. Ihr Motto: "Ich habe keine Angst vor dem Hang. Er ist schön, steil und lässt nicht aus bis zum Schluss. Du musst vom Start bis ins Ziel kämpfen."

Kontrahentin Maria Riesch, die der Österreicherin im Spezial-Weltcup ebenso wie die Finnin Tanja Poutiainen auf den Fersen ist, fuhr bei der WM volles Programm. "Ich hatte nur den Freitag zum Training für den Slalom, im Vergleich zu den Spezialisten ist das sehr wenig." Schilds Konter: "Das hat Vor- und Nachteile. Ich bin einmal auch alle Rennen gefahren und habe aber fast alle Slaloms gewonnen. Du hast einen Rhythmus, aber nicht so viel Zeit zu regenerieren. Aber jeder versucht sich bisserl den Druck zu nehmen."

Zettel "taugt" der Gudiberg, sie freut sich auf das Rennen, weil der Slalom in diesem Winter ihre bessere Disziplin ist. "Da fühle ich mich am wohlsten. Eine Medaille ist mein Ziel, auch Bronze würde mich sehr zufriedenstellen", sagte die Niederösterreicherin. Hosp sieht sich nur in der Außenseiterrolle. "Der Kombi-Slalom war schon sehr gut, wenn mir das am Samstag zwei Mal gelingt, schaut es sicher nicht so schlecht aus. Favoriten sind aber andere, doch auch ich habe meine Möglichkeiten, eine Medaille zu machen."

Völlig ohne Druck und locker kann Kirchgasser das Rennen angehen. "Ich habe nichts zu verlieren, ich kann Vollgas geben und überraschen. Ich weiß, dass mir der Gudiberg liegt und ich weiß, dass ich schnell Skifahren kann." Sie hat die Ausscheidung gegen die jüngere Schild-Schwester als fairste Lösung gefunden. "Für mich war es nicht schlecht, unter Druck zu fahren. Und es ist positiv, dass ich beide Läufe beendet habe."

Rennsportleiter Herbert Mandl wünscht sich, dass seine Damen es im Rennen genau so gut herunterbringen wie im Abschlusstraining. Zu Schild sagte er: "Marlies hat in diesem Winter fünf Rennen gewonnen, sie kann sich eigentlich nur selbst schlagen. Wenn sie ihre Performance ganz normal bringt, dann muss sie nicht hundert Prozent geben." Auch wenn es bei der WM bisher für Österreichs Damen gut gelaufen sei, wolle auch Marlies ihre Medaille machen, meinte er.

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