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Gomez kamen sogar die Tränen © APA (dpa)

Borussia Dortmund kann den Champagner kaltstellen. Nach dem denkwürdigen 3:1-Auswärtssieg am Samstag gegen den FC Bayern nahmen

Borussia Dortmund kann den Champagner kaltstellen. Nach dem denkwürdigen 3:1-Auswärtssieg am Samstag gegen den FC Bayern nahmen die BVB-Kicker aber noch keine Glückwünsche zum deutschen Meistertitel an. "Das ist mir völlig wurscht", antwortete Trainer Jürgen Klopp auf die alles entscheidende Frage und blieb nach dem "großartigen und wichtigen Abend" seiner Rolle als Titel-Verweigerer treu.

Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wehrte voreilige Gratulationen ab, gab aber doch zu: "Wir befinden uns an einem Punkt, an dem wir sagen, wir können und wollen deutscher Meister werden." Trainer und Mannschaft genossen zunächst ihre eindrucksvolle Machtdemonstration, die mit dem elften Saison-Auswärtssieg auch zur Einstellung des Ligarekords von Werder Bremen und dem Hamburger SV führte.

"Wir haben auf dem Platz die richtige Antwort gegeben und bewiesen, dass wir mit die stärkste Mannschaft in Deutschland sind", sagte Innenverteidiger Mats Hummels mit einem Seitenhieb auf die nun 16 Punkte zurückliegenden Bayern, die dieses Prädikat vor dem Spiel für sich beansprucht hatten. Klopp konnte auch hinter der Ersatzbrille - die andere war bei Nuri Sahins Jubelsprung nach Spielende zu Bruch gegangen - den Glanz in seinen Augen nicht verbergen. "Es ist nicht selbstverständlich, in München zu gewinnen", sagte er stolz. "Wir haben es mit viel Leidenschaft getan."

Die Frage nach der aktuellen Nummer eins im deutschen Fußball war nach exakt 60 Spielminuten beantwortet. Ausgerechnet der in München ausgebildete Hummels versetzte per Kopf dem Rekordchampion mit dem dritten BVB-Treffer den K.o., nachdem zuvor Lucas Barrios (9.) und Sahin (18.) die Bayern angezählt hatten. "Ich denke, dass sie zu Recht Meister werden", sprach Bayerns-Sportdirektor Christian Nerlinger dem verdienten Sieger seine Glückwünsche aus und erklärte das Titel-Thema endgültig für beendet: "Die Meisterschaft ist für uns mit dem heutigen Abend begraben".

Bayerns letzter Versuch, Dortmund auf dem Weg zum Titel zu stoppen, war kläglich gescheitert. Von einer Demütigung wollte Trainer Louis van Gaal nach der höchsten Heimspielpleite unter seiner Regie nicht reden, "aber Dortmund hat verdient gewonnen. Wir waren nicht schlau genug". Das bisher jüngste BVB-Team um den 22-jährigen Ersatzkeeper Mitchell Langerak zerstörte mit aggressivem Pressing den Spielaufbau der uninspirierten und geistig behäbigen Bayern.

Für die Bayern geht es nun um Schadensbegrenzung. Rang zwei und die Champions-League-Qualifikation sind Pflicht, im DFB-Cup ist das Endspiel ein Muss. "Wir wollen nach Berlin. Wir müssen uns jetzt schütteln und zusehen, dass wir dieses Ziel am Mittwoch erreichen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge vor dem Halbfinale gegen Schalke.

Durch die bittere Niederlage rutschten die Bayern auf Platz vier zurück, weil Hannover 96 gegen St. Pauli einen 1:0-Auswärtssieg landete. Emanuel Pogatetz hofft nun auf eine Europacup-Teilnahme seines Clubs. "Wenn wir in den letzten zehn Meisterschaftsspielen fünf Siege holen, sind wir sicher in einem internationalen Bewerb. Und das wäre für Hannover nach dem schweren letzten Jahr wie ein Meistertitel", erklärte der Innenverteidiger, der eine Gelbe Karte vermied und deshalb in einer Woche gegen die Bayern spielberechtigt ist.

Ein Erfolgserlebnis gab es auch für Andreas Ivanschitz - der Burgenländer erzielte beim 2:1-Auswärtssieg gegen die Hoffenheimer, für die David Alaba den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte, seinen zweiten Saisontreffer. "Mein Tor war eine Bestätigung meiner harten Arbeit und ein Ausrufezeichen", freute sich der Mittelfeldspieler, der mit den fünftplatzierten Mainzern in dieser Saison noch große Ziele hat. "Wir wollen auch noch um einen Platz in der Champions League mitmischen."

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