vergrößernverkleinern
Björndalen lebt und trainiert in Osttirol © APA (Archiv/dpa)

Vieles deutet darauf hin, dass die Herren-Bewerbe der Biathlon-WM in Chanty-Mansijsk wieder zu norwegischen Festspielen werden

Vieles deutet darauf hin, dass die Herren-Bewerbe der Biathlon-WM in Chanty-Mansijsk wieder zu norwegischen Festspielen werden könnten. Denn die Skandinavier haben das Weltcupgeschehen mit Jungstar Tarjei Bö, Emil Hegle Svendsen und Rekordweltmeister Ole Einar Björndalen, sowie mit Lars Berger auch heuer eindrucksvoll bestimmt. Insgesamt verbuchten sie bereits 11 Siege in 19 Einzelbewerben.

Die Österreicher um Massenstart-Titelverteidiger Dominik Landertinger gelten neben den gastgebenden Russen, den Deutschen, Franzosen und Schweden als aussichtsreiche Herausforderer der Norweger. In diesem Winter sind die erfolgsverwöhnten ÖSV-Herren allerdings von etlichen Krankheiten gehandicapt worden. Der einzige Saisonsieg gelang Daniel Mesotitsch im Dezember in Pokljuka, hinzu kamen lediglich drei weitere Podestplätze.

Dennoch hält ÖSV-Biathlon-Chef Markus Gandler WM-Medaillen nach einer problemlosen Vorbereitung für durchaus realistisch. "Wir sind breit aufgestellt. Jeder unserer vier Topleute will dort eine Medaille und die sind auch durchaus möglich", sagte Gandler zur APA - Austria Presse Agentur. Er und Cheftrainer Reinhard Gösweiner betonten aber auch, dass man sich diesmal mehr als sonst in der Außenseiterrolle befinde.

Bei der jüngsten WM 2009 war Österreich dank des besten Abschneidens der Geschichte mit drei Medaillen (Gold von Landertinger, zweimal Silber durch Sumann und die Staffel) die viertbeste Nation. Unangefochten an der Spitze stand damals Norwegen. Alleine Björndalen holte in Südkorea wie auch bereits 2005 in Hochfilzen drei Einzel-Goldene und vor Österreich auch noch den Sieg mit der Staffel, damit hält er bereits bei 14 WM-Goldenen.

Björndalen hat jedoch die jüngsten zwei Weltcupstopps in den USA nach zuvor schwachen Leistungen ausgelassen. Trotz seiner nicht überzeugenden Vorstellungen seit dem Jahreswechsel dürfe man den 92-fachen Weltcupsieger keinesfalls außer Acht lassen, bekräftigte Landertinger. "Björndalen ist diesmal der Favorit im Hintergrund, er hat sich sicher wieder perfekt vorbereitet."

Der 37-jährige Norweger bereitete sich zuletzt in bewährter Manier in seiner Osttiroler Wahlheimat vor und ist zuversichtlich. "Ich habe in Obertilliach sehr gut trainiert. Meine Trainingswerte und Tests sind sehr vielversprechend. Auch wenn ich gerne mehr Rennen gehabt hätte und die Wettkampfhärte sehr förderlich ist, bin ich mir sicher, es war der richtige Weg", erklärte Björndalen. Der sechsfache Olympiasieger hat sich diesmal besonders viel vorgenommen, weil die Olympischen Spiele 2010 (lediglich ein Einzel-Silber) und die laufenden Saison (1 Sieg) gar nicht nach Wunsch des Perfektionisten verlaufen sind.

In diesem Winter stellten ihn nämlich seine deutlich jüngeren Teamkollegen Svendsen (5 Siege) und Bö (4) deutlich in den Schatten. Zudem verhinderte eine Krankheit im Jänner sein geplantes Vorhaben, sich für die Langlauf-Staffel der Nordischen WM in Oslo zu empfehlen. Svendsen hingegen war für die WM-Staffel vorselektioniert worden und wäre deshalb sogar mit dem Privatjet von Norwegen nach Russland gebracht worden. Der Olympiasieger wurde am Ende aber doch nicht berücksichtigt und flog - laut norwegischen Medien tief enttäuscht - schon am Wochenbeginn zum Biathlon.

Bei den Damen ist aus dem norwegischen Lager einzig die fünfmalige Saisonsiegerin Tora Berger ein heißer Medaillentipp. Ihr werden wohl die Deutschen um die Weltcupführende Andrea Henkel und Magdalena Neuner sowie die Russinnen das Leben am schwersten machen. Die Österreicherinnen Ramona Düringer und Iris Waldhuber, die die WM mit Landertinger und einem noch zu bestimmenden weiteren Herren am Donnerstag in der Mixed-Staffel eröffnen, werden in den Kampf um Spitzenplätze hingegen nicht eingreifen können.

Die insgesamt achtköpfige ÖSV-Mannschaft absolvierte am Montag und Dienstag die ersten Trainingseinheiten auf den anspruchsvollen WM-Strecken. Die Temperaturen hielten sich dabei mit minus 12 Grad im erträglichen Rahmen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel