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Felix Gottwald will wieder zuschlagen © APA (epa)

Die Medaillensammlung von Felix Gottwald sucht ihresgleichen. Bei fünf Olympischen Spielen und sieben Weltmeisterschaften hat

Die Medaillensammlung von Felix Gottwald sucht ihresgleichen. Bei fünf Olympischen Spielen und sieben Weltmeisterschaften hat der 35-Jährige Salzburger insgesamt fünfmal Gold, dreimal Silber und neunmal Bronze erobert. Die 17 Stück Edelmetall hängen aber nicht etwa in einer Vitrine im neuen Haus in Ramsau, sondern lagern versteckt in Ledersäckchen.

"Es sind zwei, weil in einem hätten sie nicht Platz", scherzte Gottwald nach dem Gewinn von Team-Gold. Am Mittwoch (11.00/16.00 Uhr) nimmt er bei den Titelkämpfen in Oslo seinen letzten Anlauf auf Einzel-WM-Gold.

Dass er seine Medaillen nicht daheim aufhänge, habe nichts mit mangelnder Wertschätzung zu tun, sagte der dreifache Olympiasieger. "Die Medaillen beweisen, dass man sich weiterentwickelt hat. Man arbeitet darauf hin", erklärte Gottwald. Wenn man sie aber habe, sei das nur das äußere Zeichen für den Erfolg, den "Genuss" habe er schon vorher verspürt.

Am Tag nach dem Team-Triumph ("Da war das Kribbeln noch intensiver als im Einzel") war schon um dreiviertel sechs Uhr Tagwache, um neun begann das Training. Gottwald war mit seinen Sprüngen (größte Weite 119,5 m) zufrieden. "Nur der Wettkampfsprung zählt", sagte er. "Das Ziel ist ein klasses Feeling auf der Schanze und ein beherztes Rennen." Gottwald sprach es nicht aus, doch das noch fehlende Einzel-WM-Gold bedeutet ihm viel. Bisher hat kein ÖSV-Athlet einen Einzel-Titel geholt.

Die ÖSV-Trainer nominierten nach dem einzigen Training am Dienstagvormittag neben Gottwald, Mario Stecher und David Kreiner wie von der Normalschanze den Tiroler Wilhelm Denifl als vierten Einzel-Starter. Denifl kam auf Anhieb mit dem großen Holmenkollenbakken optimal zurecht, flog auf 131,5, 134 und 134,5 Meter und erhielt den Vorzug vor Bernhard Gruber, der Mitglied des Gold-Teams gewesen war. "Wenn er sein Potenzial abrufen kann, ist eine Medaille möglich", erklärte Cheftrainer Baard Jörgen Elden. Denifl war optimistisch für das Springen. "Ich habe Fliegerqualitäten, man muss sich nur trauen, vorne rauszuspringen."

Mario Stecher begnügte sich mit einem Trainingssprung, der mit 132,5 Meter ganz nach Wunsch gelang. Danach spürte der 33-Jährige sein verletzt gewesenes Knie, gab aber Entwarnung. Es gebe kein Problem für den Wettkampf. Das Gefühl des Siegens auf dem Holmenkollen hat er schon als 16-Jähriger kennengelernt. "Es gibt nichts Schöneres, als hier zu gewinnen", betonte Stecher. Wohl wissend, dass der Wind auf der Großschanze einen noch größeren Einfluss haben könne.

Kreiner tastete sich am Dienstag heran, maß den geringeren Weiten (maximal 117 m) aber keine Bedeutung bei. "Ich brauche öfter etwas länger, im Wettkampf klappt es sicher besser", sagte der 29-Jährige.

Die Deutschen zählen nach dem Normalschanzen-Doppelsieg durch Eric Frenzel und Tino Edelmann erneut zu den Favoriten. Allerdings hat die FIS am Dienstag die Bindung Edelmanns verboten, um die es am Vortag Aufregung gegeben hatte. Der DSV erhielt diesbezüglich eine SMS-Mitteilung, der Ärger bei Bundestrainer Hermann Weinbuch war groß. "Edelmann fehlt nun die Feinabstimmung", sagte er. Bei der FIS hatte es über Nacht einen Meinungsumschwung gegeben, denn während der Team-Konkurrenz war ein Protest der Österreicher gegen die Bindung noch abgelehnt worden.

Als Topfavorit gilt trotz der bisher mäßigen WM-Ergebnisse der Franzose Jason Lamy Chappuis. Der Weltcupsieger hat drei Saisonbewerbe gewonnen, will er nach Olympia-Gold von der Normalschanze auch am Holmenkollen den Titel, muss er allerdings schnellere Ski haben als in den zwei Rennen zuvor.

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