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Fehlentscheidungen sollen minimiert werden © APA (Archiv/epa)

Der Fußball als eine der letzten technikfreien Sport-Bastionen droht zu fallen. Die FIFA spricht von einer "historischen

Der Fußball als eine der letzten technikfreien Sport-Bastionen droht zu fallen. Die FIFA spricht von einer "historischen Sitzung" wenn am Wochenende die Weichen für den Einzug von technischen Hilfsmitteln in der Welt des runden Leders gestellt werden könnten. Das für Regelfragen zuständige International Football Association Board (IFAB) will über die Hilfsmittel für Schiedsrichter entscheiden.

Vor allem die dramatischen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen bei der WM in Südafrika, als unter anderem dem Engländer Frank Lampard im Achtelfinale gegen Deutschland der reguläre 2:2-Ausgleichstreffer aberkannt worden war, ließen den Weltverband umdenken. FIFA-Präsident Joseph Blatter - lange ein Technik-Gegner - wies den IFAB an, das eigentlich abgehakte Thema wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Viele Unparteiische begrüßen den Schritt, sie wollen nicht länger als "Spielverderber" gelten.

Die Voraussetzung der FIFA ist einfach: Technische Hilfen müssen absolut sicher und blitzschnell sein. Innerhalb einer Sekunde muss der Schiedsrichter auf dem Platz informiert werden, ob der Ball im Tor war oder nicht. Unter diesen Voraussetzungen hat der Weltverband im Februar mehrere Technologien getestet. Über die Ergebnisse gibt man in Zürich keine Auskunft, selbst die beteiligten Unternehmen sind zum Stillschweigen verdonnert.

Medien-Berichte aus England, wonach alle zehn getesteten Torlinien-Systeme durchgefallen seien, kommentiert die FIFA nicht. "Die Resultate der Tests werden in Wales begutachtet werden und dann wird man entscheiden", meinte ein Sprecher. Erst nach der Sitzung des IFAB, in dem vier Vertreter der FIFA und je ein Mitglied der Verbände aus England, Schottland, Nordirland und Wales sitzen, soll Klarheit herrschen.

Alles läuft auf den Chip im Ball hinaus, auch wenn FIFA-Boss Blatter betonte, auch den Einsatz von zusätzlichen Referees zu besprechen. Das von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) präferierte Modell mit zwei Torrichtern wird unter anderem in der Champions League getestet. Es soll auch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine zum Einsatz kommen.

Neben dem Einsatz von Technik-Hilfen werden in der südwalisischen Hafenstadt Newport von Freitag bis Sonntag weitere Themen diskutiert. Die Farbe von Halswärmern oder Strumpfhosen von Spielern steht ebenso auf der Agenda wie der "Eulen-Vorfall" in Kolumbien zu Wochenbeginn. So werden Anweisungen für das Verhalten des Schiedsrichters, wenn ein zweiter Ball, ein anderer Gegenstand oder ein Tier auf das Spielfeld gelangt, debattiert.

Die Mitglieder des International Football Association Boards wachen seit 125 Jahren über die Regeln des Fußballs. Einmal im Jahr kommt das IFAB zu einem Treffen zusammen und berät sowie beschließt Regelfragen. Gegründet wurde das Gremium 1886 von den vier britischen Verbänden. Die FIFA erkannte es 18 Jahre später bei ihrer Gründung 1904 an. Seit 1913 stellt die FIFA 50 Prozent der Mitglieder. Regeländerungen können nur bei Zustimmung durch 75 Prozent erzielt werden. Die FIFA-Gesandten stimmen nach einem ungeschriebenen Gesetz einheitlich.

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