vergrößernverkleinern
Die Norweger sorgen für eine einzigartige Stimmung © APA (epa)

Sie sitzen auf Lammfellen und Decken, haben ihre wärmenden Getränke mitgebracht und die Atmosphäre ist einzigartig.

Sie sitzen auf Lammfellen und Decken, haben ihre wärmenden Getränke mitgebracht und die Atmosphäre ist einzigartig. Norwegische Fans lassen sich ihr Volksfest bei den Nordischen Weltmeisterschaften durch nichts verderben. Selbst der seit Tagen anhaltende Nebel kann sie nicht stören. Ein Lokalaugenschein im Wald an den Loipen zeugt von einer Stimmung und Gelassenheit, die seinesgleichen sucht.

Eivind ist mit seiner Frau und Freunden hier. Sie haben eine Wohnung in der Stadt und sind selbst begeisterte Langläufer. Ob denn der dichte Nebel da gar nicht stört? "Das macht doch nichts. Es ist unsere Seele, wir sind Skiläufer", sagt Eivind. "Wir haben sechs Monate im Jahr Winter. Oslo ist die einzige große Stadt in Norwegen, und doch sind wir in nur 20, 30 Minuten im Wald und auf unseren Pisten - es ist unsere Seele!"

Selbst bei nur rund 20 Metern Sicht, man kann sich dennoch etwas abschauen von den Stars. Denn auch darum geht es den Zuschauern. "Wir sind selbst Skiläufer, und wenn wir auf diese Perfektionisten schauen können, ist es wundervoll", erklärt Eivind, der auch schon 1982 bei den Weltmeisterschaften hier war. "Auch damals waren es schon viele Leute, aber diesmal sind es sogar mehr. Und so viele verschiedene Nationalitäten, das ist sehr nett." Es ist also internationaler geworden. Das freut einen wahren Fan natürlich, wenn seine Sportart auch weltweit größeres Interesse erweckt.

Der Tagesablauf von Eivind und seinen Freunden ist ganz dem Sport und dem Erlebnis gewidmet. "Wir trinken und essen ein bisschen, gehen nach dem Langlauf zum Skispringen und am Abend zur Siegeszeremonie in der Stadt. Dann gehen wir heim und warten auf den nächsten Skitag", erklärt der Mittvierziger, der wie seine Frau extra Urlaub genommen hat.

Die Frage, ob denn in diesen Tagen überhaupt jemand in Norwegen arbeitet, gefällt ihm. "Auch in der Arbeit schauen sie fern. Und in den Schulklassen bekommen sie auch Tage frei, um hierherzukommen."

"You gotta fight for your right to party.." klingt es aus den Lautsprechern. Vom Kampf auf das Recht zum Feiern ist auf dem Holmenkollen keine Spur. Auch Alkohol wird zwar getrunken, doch Betrunkene sieht man kaum. Es würde den Blick auf die wegen des Nebels ohnehin schon verschwommene Langlauf-Idylle nur noch weiter trüben.

"Ach, wir müssen es so nehmen wie es kommt. Aber heute soll der Nebel vor dem Rennen weggehen", nimmt es Kyrre leicht. Von Gejammer wegen der schlechten Sicht hört man keinen Ton. "Langlauf ist unser Nationalsport und jeder liebt ihn." Und selbst wenn man gar nichts sieht, früher heimgehen ist ein Tabu. "Wir müssen bis zum Ende bleiben. Niemand kann gehen, bevor der Sieger feststeht."

Kyrre ist mit seiner Frau und seinen drei Söhnen aus der Finnmark in Nordnorwegen per Flugzeug angereist und wohnt bei seinem Schwager außerhalb Oslos. Dennoch ist es kein Pappenstiel für das Familienbudget. "Wir haben zum Glück billige Tickets bekommen, aber wir mussten ein bisschen Geld vom Sparbuch abheben. Das macht nichts. Es ist eine Gelegenheit, die man nur einmal im Leben hat."

Die Begeisterung ist freilich nicht nur auf Männer beschränkt. Catrina ist mit ihrer und einer befreundeten Familie aus Nordnorwegen angereist. Auch sie stört der Nebel nicht. "Ich kann es doch hören. Es ist genug, hier zu sein, anstatt es nur im Fernsehen zu sehen."

Beim Zurückgehen ruft Eivind noch einmal her: "Ihr Österreicher und wir sind uns doch sehr ähnlich. Auch ihr liebt den Wintersport." Ja, aber der Umgang mit schlechtem Wetter wird doch anders gehandhabt. Man muss dem Gegenüber aber nicht alles verraten.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel