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Van Gaal wohl nicht mehr allzu lange im Sattel © APA (dpa)

Für Louis van Gaal scheint das Ende beim FC Bayern nur eine Frage der Zeit. Zwar kam der Niederländer am Sonntagmorgen wie

Für Louis van Gaal scheint das Ende beim FC Bayern nur eine Frage der Zeit. Zwar kam der Niederländer am Sonntagmorgen wie gewohnt zur Nachbereitung des Spiels zum Trainingsgelände an die Münchner Säbener Straße, aber nach der bitteren Pleite des Vortages und dem drohenden Aus im Kampf um die Champions-League-Qualifikation sprachen die Zeichen für eine rasche Trennung.

Einen Schnellschuss gab es nicht, aber der Satz von Präsident Uli Hoeneß nach dem 1:3 bei Hannover 96 war vielsagend. "Man muss handeln und nicht reden", sagte Hoeneß, der mit Van Gaal in den vergangenen Monaten heftig aneinandergeraten war. Selbst der Münchner Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, bisher der Fürsprecher des Coaches, verweigerte Van Gaal die Rückendeckung. "Ob wir über den Trainer diskutieren, weiß ich nicht", sagte er unmittelbar nach dem erneuten Tiefschlag.

Intensiv berieten die Bayern-Bosse die heikle Situation des Clubs. Offen schien wie am Vorabend nur, wann Van Gaal gehen muss. Die Frage ist vor allem die: Welcher Coach ist auf die Schnelle zu haben und kann eine Wende besser bewerkstelligen als Van Gaal es könnte? Wenn eine Trennung erfolgen sollte, dann wäre eine schnelle sinnvoll. Am Samstag geht es gegen den Hamburger SV, ehe im Champions-League-Achtelfinale Inter Mailand zu Gast ist.

Van Gaal wirkte nach der Vorführung durch die auf Abwehrchef Emanuel Pogatetz setzende Überraschungsmannschaft aus Hannover ebenso wenig kämpferisch wie zuvor seine Mannschaft und schien sich seinem Schicksal ergeben zu haben. Nicht er, sagte der Coach, die Vorstände müssten "eine Entscheidung treffen oder sie sprechen das Vertrauen aus. Sie entscheiden, ob sie mir noch die Rückendeckung geben oder nicht." Aber der erhoffte Zuspruch blieb demonstrativ aus.

Für Van Gaals bisherigen Unterstützer Rummenigge war das 1:3 "der absolute Tiefpunkt der Saison". Die Qualifikation für die Champions League ist für die Münchner aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen. Hannover liegt fünf Zähler vor dem Rekordmeister, Bayer Leverkusen schon sieben.

Van Gaal offenbarte trotz der Chancenlosigkeit eine sehr eigene Wahrnehmung. Er sprach vom "Löwenherz", mit dem sein Team gekämpft habe - doch diese Sichtweise hatte der Niederländer alleine für sich. Spätestens nach dem dritten 96-Treffer ergaben sich die Bayern ihrem Schicksal. Ein ordentlicher Patzer des durch Van Gaal beförderten Torhüters Thomas Kraft und die Rote Karte für Breno passten da ins Bild des dritten Tiefschlages nach den Niederlagen gegen Dortmund und Schalke.

Einen Rücktritt schloss Van Gaal selbstverständlich aus. "Sie haben ja gesehen, dass die Spieler sehr gut auf mich reagieren", sagte der Niederländer. Bayern-Kapitän Philipp Lahm setzte sich immerhin noch zaghaft für ihn ein. "Die Mannschaft steht zum Trainer", versicherte der zuvor schwach spielende Rechtsverteidiger: "Wir haben ein gutes Verhältnis."

Der Ablauf weckt zumindest Erinnerungen an die Trennung von Jürgen Klinsmann im April 2009. Damals hatten die Münchner am Samstag 0:1 gegen den FC Schalke verloren, am Montag darauf wurde Klinsmann entlassen. Seinerzeit konnten die Münchner mit Jupp Heynckes gleich einen Interims-Nachfolger präsentieren.

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