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Rolle von Rapid im Nazi-Gefüge untersucht © APA (Neubauer)

"Deutscher Fußballmeister 1941", "Deutscher Cupsieger 1938" - bis heute schmückt sich Rapid (u.a. auf seiner Homepage) mit den

"Deutscher Fußballmeister 1941", "Deutscher Cupsieger 1938" - bis heute schmückt sich Rapid (u.a. auf seiner Homepage) mit den Titeln, die zwischen 1938 und 1945 zur Zeit der NS-Diktatur errungen wurden. Welche Rolle der Verein im sportlichen, sozialen und politischen Nazi-Gefüge wirklich gespielt hat, haben die Historiker Jakob Rosenberg und Georg Spitaler in einer Studie untersucht.

Spektakuläre Enthüllungen sind in "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus" nicht zu finden, Rapid scheint vielmehr ein Hort typischer "Durchschnitts-Ostmärker" gewesen sein. Die Vereinsgeschichte Rapids in jenen Jahren spiegelt nämlich "die gesamte Bandbreite menschlicher Schicksale in dieser Zeit" wider. Soll heißen: In den Reihen der Rapid-Spieler und -Funktionäre gab es ebenso Opfer wie Täter, Mitläufer und Opportunisten. Sie konnten sich - und manche wollten es auch nicht - dem politischen Umfeld nach dem "Anschluss" 1938 nicht entziehen. Der Ruf als eher "angepasster" Verein dürfte auch daher kommen, dass Rapid damals gute Pressearbeit leistete. So stieß die Beteiligung an nationalsozialistischen Kampagnen - wie der NS-Metallspende als "Geburtstagsgabe für den Führer" - auf ein positives Medienecho.

Allerdings weisen die Autoren in der mit Unterstützung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands (DÖW) angestellten Untersuchung auch darauf hin, dass Rapid damals zwar von der sportlich-kulturellen Codierung als "bodenständiger" Club und Rivale der als "jüdisch" geltenden Austria profitierte, diese einer wissenschaftlichen Prüfung aber nicht standhält. Immerhin konnte bei den in dieser Zeit aktiv gewesenen Spielern Rapids trotz intensiver Recherchen (auch in Berlin) keine einzige NSDAP-Mitgliedschaft gefunden werden, während etwa Austria-Wunderteamspieler Hans Mock sich als SA-Mann und Parteimitglied gerne zur "großdeutschen Idee" bekannte.

Im Gegensatz zu den Spielern der späten 1930er- und frühen 1940er-Jahre sah sich aber beispielsweise Josef Uridil, Rapid-Star der 1920er-Jahre, nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Entnazifizierungsverfahren konfrontiert, weil er der NSDAP angehört hatte. Urudil selbst gab 1948 an, von dieser Mitgliedschaft nichts gewusst zu haben. Er wurde - wie auch Wunderteam-Spieler Pepi Smistik - als "minderbelastet" eingestuft.

Anders sieht die Situation bei den Funktionären aus. "Rapid zeigte sich auch mit der Hauptversammlung im Jänner 1939 und der Wahl des NSDAP-Mitglieds Josef Kalenberg zum neuen 'Vereinsführer' an die neuen politischen Verhältnisse angepasst", schreiben Rosenberg und Spitaler. Und weiter: "Neben der personellen Kontinuität des überwiegenden Teils der Funktionäre, ist v. a. der hohe Anteil an NSDAP-Mitgliedern oder Parteianwärtern im Vorstand interessant."

Schlussfolgerung: "Auch wenn über die Motive der Parteieintritte wenig bekannt ist (bzw. in erster Linie nachträgliche Rechtfertigungen aus der Zeit nach der Befreiung existieren), ist weiters auffällig, dass sich der überwiegende Teil der Parteianwärter schon sehr früh nach dem 'Anschluss' um eine Mitgliedschaft in der NSDAP bewarb." Nach dem Krieg wurde nach kurzem Zögern ein Bruch gemacht. Noch 1946 stammten drei Viertel der Vorstandsmitglieder aus der Nazi-Zeit." Dann schieden, "bedingt durch die Entnazifizierungsgesetzgebung", alle NSDAP-Mitglieder aus dem Vorstand aus.

Die Autoren weisen aber auch auf eine bisher wenig bekannte Facette der Rapid-Geschichte hin, nämlich, dass es vor 1938 - "vor allem in der Frühzeit des Vereins" - eine "Reihe von jüdischen Spielern und Funktionären gab". Auch wurden jüdische Rapid-Mitglieder von den Nationalsozialisten ermordet. Anderen - wie dem späteren ÖFB-Funktionär und Buchautor Leo Schidrowitz - gelang die Flucht ins Exil. Auf der Gegenseite - jener der Täter - sticht der Rapid-Verteidiger Fritz Durlach hervor, der 1948 wegen Kriegsverbrechen ("Quälerei und Misshandlung") zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt wurde. Durlach war aber ein Einzelfall.

Somit kann Rapid-Präsident Rudolf Edlinger, der die Studie anlässlich des Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 (Gegner beim 4:3-Sieg im Meisterschaftsfinale 1941 von Berlin) zum 110-jährigen Vereinsjubiläum 2009 in Auftrag gegeben hatte, im Vorwort erleichtert bilanzieren: "So können wir jenen, die fragen, ob wir stolz sind auf den Titel eines deutschen Meisters, antworten: Die sportlichen Leistungen der beteiligten Spieler sind ohne Einschränkung zu würdigen. Wir sind stolz darauf, dass sich Rapid dem Zugriff der Nazis weitgehend entziehen konnte und viele anständig geblieben sind. Aber wir bedenken selbstverständlich, dass dieser Erfolg unter Bedingungen eines zu verurteilenden totalitären Regimes erzielt wurde, die auch den Sport beeinflussten." Endlinger kam zu dem Schluss: "Ich bin mit der Verhaltensweise des Vereins und vieler der damals Verantwortlichen zufrieden, sie nötigt mir sogar Respekt ab. Die Geschichtsdarstellung ist durchaus so, dass wir uns dafür nicht zu schämen brauchen."

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