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Der ehemalige FIFA-Boss Joseph S. Blatter fordert die Aufhebung seiner Sperre
Schweizer Machtmensch vor Wahlkampf mit Bin Hammam © APA (epa)

Für seine Kritiker ist er ein berechnender Machtmensch und gefühlskalter Funktionär. Er selbst sieht sich als großen

Für seine Kritiker ist er ein berechnender Machtmensch und gefühlskalter Funktionär. Er selbst sieht sich als großen Visionär und Weltverbesserer. Am Donnerstag wird Joseph Blatter 75 - es könnte sein letzter Geburtstag als FIFA-Präsident sein.

Am 1. Juni kandidiert der Schweizer für eine vierte Amtszeit. Und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird der zuletzt heftiger denn je kritisierten FIFA-Chef sich nicht wie vor fünf Jahren im Zürcher Hallenstadion per Akklamation im Amt bestätigen lassen können.

Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass mit dem mächtigen asiatischen Fußballverbands-Chef Mohammed Bin Hammam ein Gegenkandidat in den Wahlkampf gegen Blatter zieht. Der Funktionär aus Katar, einst Verbündeter und heute Gegenspieler von Blatter, hat sich noch immer nicht offiziell geäußert. Bin Hammam soll aber von verschiedenen Verbänden bereits zur Kandidatur gedrängt worden sein.

Vor allem englische Funktionäre sind verärgert, dass sie bei der von Korruptionsvorwürfen begleiteten Doppelvergabe der WM-Endrunden 2018 (Russland) und 2022 (Katar) eine schwere Schlappe erlitten haben. Der 61-jährige Bin Hammam erklärte vor wenigen Tagen vielsagend, Wettbewerb sei "der beste Weg, die Organisation dynamisch und lebhaft zu machen". Die Organisation ist das Unternehmen FIFA, das seit 1998 vom machtbewussten Blatter geführt und gemanagt wird. Im Weltverband hat sich Blatter mit geschicktem Politisieren einen breiten Rückhalt gesichert - vor allem bei den kleineren Mitgliedsverbänden.

Über Tätigkeiten als PR-Chef des Walliser Verkehrsverbandes, Generalsekretär des Schweizer Eishockey-Verbandes und selbstständiger Marketing-Fachmann kam der Selfmade-Mann 1975 zur FIFA und machte als Zögling des damaligen Präsidenten Joao Havelange Karriere. 1981 wurde Blatter von dem Brasilianer zum Generalsekretär ernannt, 17 Jahre später folgte er ihm auf den Präsidentensessel.

Bisher überstand Blatter noch jeden Skandal (nahezu) unbeschadet: die Pleite des langjährigen FIFA-Vermarkters ISL/ISMM, rechtliche Auseinandersetzungen um Verträge mit langjährigen Geschäftsfreunden oder speziell zu Beginn seiner Amtszeit kursierende Manipulations- und Korruptionsvorwürfe. Aus dem einst defizitären Dachverband hat er eine Geldmaschine geformt, deren Reserven sich auf 1,28 Milliarden Dollar (921 Mio. Euro) belaufen. Zwischen 2007 und 2010 hat die FIFA einen Überschuss von 631 Millionen US-Dollar erwirtschaftet.

Doch der am 10. März 1936 im schweizerischen Visp nahe des berühmten Matterhorns geborene Blatter hat zuletzt erneut schwere Zeiten hinter sich. Zwei suspendierte Exekutivkomitee-Mitglieder, die WM-Vergaben und die nicht enden wollende Diskussion um Sommer- oder Winter-WM in Katar setzten dem kleinen Mann aus dem Wallis merklich zu.

Für Donnerstag ist eine kleine Überraschung für Blatter geplant, verlautbarte die FIFA-Zentrale. Was bei einer Wahl-Niederlage im Juni passieren würde, beschrieb Blatter so: "Wenn ich gewinne, ist es okay, wenn ich verliere, sage ich 'Danke schön' und gehe."

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