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Angespanntes Verhältnis zwischen Riesch und Vonn © APA (Archiv/epa)

Zugespitzt hat sich der Kampf um den Gesamtweltcup im alpinen Skirennsport bei den Damen zwischen der Deutschen Maria Riesch und

Zugespitzt hat sich der Kampf um den Gesamtweltcup im alpinen Skirennsport bei den Damen zwischen der Deutschen Maria Riesch und der US-Amerikanerin Lindsey Vonn. Auf der Piste scheint alles fair abzugehen, im Zielraum jedoch werden schiefe Blicke geworfen. Und Anschuldigungen öffentlich vorgebracht.

Die in Lenzerheide vier Rennen vor Schluss noch mit 23 Punkten voranliegende Riesch bezichtigt ihre Konkurrentin der Lüge und zeigte sich "persönlich enttäuscht". Was aktuell und vor dem Saison-Showdown auf die Stimmung der Langzeitfreundinnen drückt, ist ein Skischuh, den Vonn angeblich getragen haben soll. Laut Riesch handelt es sich nicht um einen ihres Ausrüsters (Head), sondern um ein altes Modell. Sie selbst habe davon schon vorher gehört und am Samstag in Spindleruv Mlyn selbst gesehen, dass Vonn im Zelt im Zielraum die Schuhe, mit denen sie gefahren sei, gleich in den Rucksack gepackt habe.

"Es geht mir nicht um die Schuhe, Lindsey kann fahren, welche sie will. Es geht auch nicht um die sportliche Leistung, die muss man so oder so bringen. Es geht um die persönliche Enttäuschung, weil sie mich einfach angelogen hat. Als ich sie direkt drauf angesprochen habe, hat sie es abgestritten, obwohl ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Ich habe sie zweimal drauf angesprochen", erzählte Riesch am Dienstag nach dem Training für die Abfahrt am Mittwoch in Lenzerheide, in dem sie als Elfte 1,98 Sekunden Rückstand hatte.

Von Journalisten auf die Vorwürfe der Kontrahentin angesprochen, regierte Vonn verwundert und leicht gereizt. "Ich weiß nicht, wovon sie spricht. Ich verstehe das alles nicht. Es ist nicht wahr, ich trage keinen alten Schuh", sagte die dreifache Gewinnerin des Gesamtweltcups, die den vierten Coup in Folge perfekt machen könnte, während Riesch den erstmaligen Gewinn der großen Kugel verwirklichen möchte.

Nach einem komplett verpatzten ersten Trainingslauf am Montag kam Vonn am Dienstag besser zurecht und landete mit 1,37 Sekunden Rückstand auf die Slowenien Tina Maze auf dem siebenten Rang. "Ich bin an den Stellen, wo ich gestern Fehler gemacht habe, noch etwas zurückhaltend gewesen, aber es war viel besser. Das gibt mir Zuversicht", sagte die 26-Jährige, die entspannt und mit einem guten Gefühl an die finalen Aufgaben herangeht und lockerer wirkte als Riesch.

"Ich weiß, was ich zu tun habe, wenn ich die Kugel gewinnen will. Ich muss jeden Tag meine Leistung bringen. Jetzt geht es hart auf hart, nun zählt jedes Rennen. Alles kann passieren. Ich kann nicht kontrollieren, was Maria macht. Aber ich kann kontrollieren, wie ich Ski fahre", lautete die Kampfansage von Vonn.

Und auch Riesch zeigte eine große Portion Angriffslust: "Es geht hier um alles. Was hier passiert, ist entscheidend. Aber es ist nicht nur das Rennen morgen, sondern es geht um die nächsten vier Tage. Es kommt in der Situation jetzt einfach drauf an, wer das Ganze nervlich aushält. Dass ich knapp vorne liege, darin sehe ich weder einen Vor- noch einen Nachteil."

Sie versuche es so locker wie möglich zu sehen, meinte Riesch, die sich aber scheinbar auch schon mit dem Fall des Scheitern auseinandergesetzt hat. "Ich meine, ich muss den Gesamtweltcup nicht gewinnen. Ich kann ihn gewinnen, es ist eine gute Chance da. Aber wenn es nicht passiert, dann habe ich trotzdem eine super Saison gehabt. Ich habe schon einiges erreicht in meiner Karriere. Sicher wäre das noch so die Krönung, aber wenn nicht, dann kommt nächstes Jahr wieder ein Chance. Und dann geht die Welt nicht unter."

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