vergrößernverkleinern
100-Jahr-Feier im kleinen Rahmen im Stadion © APA (Hochmuth)

Herbert "Schneckerl" Prohaska, Österreichs Fußballer des 20. Jahrhunderts, hat ein gutes Stück der Historie des FK Austria

Herbert "Schneckerl" Prohaska, Österreichs Fußballer des 20. Jahrhunderts, hat ein gutes Stück der Historie des FK Austria Wien mitgeschrieben. Anlässlich des 100. Geburtstages seiner Violetten, die das Jubiläum am Dienstagabend in den VIP-Räumen der Generali Arena in Favoriten feierten, sprach der 55-jährige, ehemalige ÖFB-Teamchef und -spieler im Interview mit der Austria Presse Agentur (APA).

APA: Ihre Austria feierte am Dienstag ihren 100. Geburtstag. Was wünschen Sie als violette Ikone Ihrem Stammverein?

Prohaska: "Kurzfristig den Meistertitel, dann bleibt die 100-Jahr-Feier auch jedem im Gedächtnis. Und langfristig wünsche ich ihr, dass sie diesen Weg, den sie seit zwei, drei Jahren eingeschlagen hat, weitergeht. Weil dann ist das wieder die Austria, die ich liebe."

APA: Sie waren Spieler und Trainer der Violetten. Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal zum Club Ihrer Liebe zurückzukehren?

Prohaska: "Weg war ich sowieso nie gewesen, weil ich bin jetzt großer Fan der Austria. Vorstellbar ist immer alles im Fußball, aber es nicht in meinen Planungen, in den Fußball in irgendeiner Funktion aktiv zurückzukehren. 18 Jahre meiner Karriere plus sieben Jahre mit der Nationalmannschaft waren so, dass sich meine Familie ausschließlich nach mir richten musste. Es ist elf Jahre her, dass ich bei der Austria weg bin, und ich kann meiner Familie jetzt etwas zurückgeben, nun richte ich mich nach ihr. Ich bin aber noch immer am Ball, verdiene mein Geld bei der Kronen Zeitung, beim ORF und bei der Bundesliga - das ist gesünder. "

APA: Was waren Ihre schönsten und bittersten Stunde als aktiver Spieler des Jubilars?

Prohaska: "Die emotionalste und wahrscheinlich schönste war am 12. April 1978 in Wien vor 72.000 Zuschauern gegen Dynamo Moskau im Semifinale mit Elfmeterschießen (5:4 nach 2:1 n.V.) und dem Einzug ins Endspiel. Paris war der größte Höhepunkt. Nach Abpfiff des Finales war es die größte Enttäuschung meiner Karriere, dort 0:4 (gegen RSC Anderlecht) zu verlieren."

APA: Sie sind ein Spieler der erfolgreichen 78er Generation, die bis ins Finale des Europacups der Cupsieger kam. Viele vergleichen die heutige Mannschaft schon mit der damaligen. Ist das übertrieben oder ist etwas dran?

Prohaska: "Durch den Einfluss von Trainer Karl Daxbacher und Vorstand Thomas Parits versucht die Austria so zu spielen und ist auf einem sehr guten Weg. Obwohl man über Jahrzehnte sowieso nie vergleichen kann, ist der Fußball heute viel schwerer geworden, man muss technisch noch besser sein. Damals war die Zeit anders. Es waren Spieler, die zehn Jahre bei der Austria waren, es ist eine Super-Mannschaft über viele Jahre gewachsen. Das ist heute nicht mehr möglich, eine Elf so reifen zu lassen wie damals. Würde es damals schon Bosman gegeben haben, hätten wir jede Saison drei, vier Spieler verloren. Trainer und Manager haben heute die Schwierigkeit, Jahr für Jahr eine Mannschaft zu präsentieren, die ganz vorne mitspielen kann."

APA: Die laufende Titeljagd ist nach dem 0:1 Austrias im Derby enorm spannend, die ersten Fünf sind nur durch fünf Punkte getrennt. Wer wird das Rennen machen?

Prohaska: "Natürlich wünsche ich mir und hoffe, dass Austria die Nase vorne haben wird. Wenn man sich jetzt die Tabelle anschaut, muss man sagen: Das hat es schon lange nicht mehr oder noch nie gegeben, dass fünf Mannschaften Titelchancen haben. In Österreich waren das bisher meistens zwei oder drei, fünf sind in einer Zehnerliga sensationell. Es ist unheimlich schwierig, jetzt etwas vorauszusagen, weil es jede Woche direkte Duelle gibt. Der am Ende vorne ist, hat den Titel auf alle Fälle verdient."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel