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Walchhofer wurde erst spät zum Abfahrer © APA (epa)

Nach 2006 hat er seine Karriere eigentlich schon beenden wollen. Aber Michael Walchhofer kämpfte sich durch die Zeit des

Nach 2006 hat er seine Karriere eigentlich schon beenden wollen. Aber Michael Walchhofer kämpfte sich durch die Zeit des Zweifelns, fand wieder neue Motivation und verlängerte seine Laufbahn als alpiner Skirennläufer bis März 2011. Nun ist endgültig Schluss. In der finalen Saison hat der 35-jährige Salzburger sein Erfolgskonto noch einmal um vier Weltcup-Siege aufgestockt, nach der Absage des Super-G am Donnerstag ist die Abfahrt am Mittwoch sein letztes Karriere-Rennen gewesen (Platz elf).

Nach WM-Gold in der Abfahrt 2003 in St. Moritz hatte Michael Walchhofer 2005 in Bormio im Super-G und Teambewerb Silber sowie in der Abfahrt Bronze geholt, 2007 aus Aare, 2009 aus Val d'Isere und 2011 aus Garmisch-Partenkirchen war der Hotelbesitzer in Zauchensee ohne Übergepäck heimgereist. Bei Olympia reichte es 2006 in Turin für Abfahrts-Silber.

19 Siege in drei Disziplinen (14 Abfahrt, 3 Super-G, 2 Kombi) sowie drei kleine Kristallkugeln (2005, 2006, 2009 jeweils in der Abfahrt) stehen im Weltcup zu Buche und zeugen von Konstanz und Jahren in der absoluten Weltspitze. Dass es in der Schweiz knapp nicht mehr zu einer Kugel gereicht hatte, kann die Erfolgsbilanz nicht trüben.

Als Slalomfahrer hat Walchhofer seine Laufbahn begonnen. Mit der ersten Abfahrt ließ sich der Sportler vom USC Altenmarkt/Zauchensee Zeit. Erst mit 25 Jahren feierte der 1,92 m große und 100 kg schwere Athlet am 20. Jänner 2001 in Kitzbühel sein Debüt - es war mit Platz neun erfolgreich und vielversprechend. "Das war mein Ticket in die Abfahrtsmannschaft. Seit diesem Tag bin ich Abfahrer", erinnerte sich Walchhofer an den Schlüsselmoment.

Dass Walchhofer nicht nur aufgrund seiner körperlichen Vorzüge für die Abfahrtsstrecken dieser Welt prädestiniert sein müsste, hatte vor allem ÖSV-Trainer Andreas Evers erkannt. Heute darf Walchhofer von sich behaupten, alle Klassiker gewonnen zu haben.

Prinzipiell ist der gebürtige Radstädter kein Mann lauter Worte, er blieb in schwierigen Situationen immer gelassen und stets ein fairer Sportsmann. Bei Misserfolgen suchte er die Schuld zuerst immer bei sich. Wenn er einmal abgeschwungen hat, dann war es das oftmals schon mit der Unterhaltungskunst. "Ich bin in erster Linie Skifahrer, nicht Showman", machte Walchhofer das, worauf es ankam. Die Skifirma Atomic verabschiedete den Sportler Donnerstagabend in Lenzerheide im Rahmen eines "Chill out".

Der Rückhalt im Leben von Michael Walchhofer ist seine Ehefrau Barbara, die sich zu Hause um die Geschäfte kümmert, um Tochter Hannah sowie die Zwillings-Söhne Patrick und Mathias. "Klar trainiere ich das ganze Jahr, um Topleistungen im Skisport zu erbringen. Aber an allererster Stelle steht die Familie. Wenn man nach Hause kommt und geborgen ist, dann ist das ein gewaltiger Rückhalt." Neben Skifahren und Familie gibt es noch andere Leidenschaften, Wein und Essen zum Beispiel, er hat auch bereits ein Kochbuch herausgebracht.

Walchhofer ist als jüngstes von sechs Kindern als Bauernbub aufgewachsen, sein Großvater war Liftpionier in Zauchensee, später hat sich die Familie auf die Gastronomie und Hotelszene konzentriert. Mit acht Jahren bestritt der Junior sein erstes Rennen, erst 2003, mit 27 Jahren, gelang ihm in der Kitzbühel-Kombination sein erster Weltcup-Sieg.

Er erinnert sich noch genau an seine Anfänge, als er teilweise mit dem Dorfbäcker nach Altenmarkt zum Skifahren pendelte. Bei Kinder-und Schülerrennen fuhr er seinen Kollegen meistens um die Ohren, in frühen Europacup-Jahren, als der große Wachstumsschub einsetzte, ging dann aber wenig bis nichts. "Dass man dann den Durchbruch schafft, ist auch Glückssache." Das Glück war auf seiner Seite gewesen.

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