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Herren-Chef Berthold ist mit der Saison zufrieden © APA (Archiv/Gindl)

Elf Weltcuprennen haben Österreichs Herren in der Alpin-Skisaison gewonnen, trotzdem hat es erstmals seit 1995/1996 zu keiner

Elf Weltcuprennen haben Österreichs Herren in der Alpin-Skisaison gewonnen, trotzdem hat es erstmals seit 1995/1996 zu keiner kleinen Kristallkugel gereicht. "Wenn manche Dinge ein bisserl anders gelaufen wären, wäre sie großartig. So ist es eine ganz gute, ordentliche Saison. Mit einigen Reserven nach oben hin", bilanzierte Herren-Rennsportleiter Mathias Berthold vor den letzten zwei Rennen.

Vor einem Jahr waren es bei acht Siegen zwei Kugeln geworden. "Es gibt viele Wenn's in dieser Saison", so Berthold. Bezeichnend dafür, wie knapp es hergeht, oder wie die Umstände oft spielen, war auch der Verlauf der ersten zwei Renntage beim Finale in der Schweiz gewesen. Michael Walchhofer war als Führender im Abfahrtsweltcup angereist und hatte im Rennen am Mittwoch gegenüber Didier Cuche das Nachsehen gehabt und musste die Kugel abgeben. Der Super-G am Donnerstag wurde jedoch wegen Schlechtwetters abgesagt und Walchhofer musste zusehen, wie auch diese Kugel an den Schweizer ging.

Das verpasste Abfahrtskristall nagte nicht nur an Walchhofer, sondern auch etwas an Berthold: "Ja, ich hätte eine Mordsgaudi für den Michi gehabt, wenn es in der Abfahrt geklappt hätte. Cuche ist einfach extrem gut gewesen. Und in der Mitte der Saison haben wir ein bisserl geschwächelt rund um die Kitzbühel-Zeit (Grugger-Sturz/Anm.). Aber da nehme ich meine Buben auch aus der Verantwortung raus, denn das war eine spezielle Situation und schwierige Zeit für uns alle", meinte Berthold, der dies aber nicht als Ausrede hernehmen wollte, denn das wäre zu billig, wie er meinte.

Zweiter in der Disziplinwertung Super-G wurde übrigens Georg Streitberger, der verletzungsbedingt seine Saison vorzeitig beenden hatte müssen. Der Salzburger kam für die Ehrung der Top-Drei am Freitag nach Lenzerheide und wird mit Krücken auf das Podest humpeln. Die Rehabilitation verläuft wie bei Benjamin Raich, Mario Scheiber und Marcel Hirscher nach Plan, Hans Grugger darf am Freitag das Spital verlassen. Berthold: "Das war einer der besten Momente, als ich Hans nach Garmisch besucht und gesehen habe, wie gut es ihm geht". Und es freue ihn auch, dass Scheiber seine Motivation wieder gefunden habe. Der Osttiroler hatte nach seiner Verletzung vom Karriere-Ende gesprochen.

Sein erstes Jahr als Chef der ÖSV-Herren habe ihm "brutal getaugt", erzählte Berthold. Es sei ein enormer Arbeitsaufwand, wenn man so eine Mannschaft habe, aber es mache Riesenspaß. "Ich bin volles Rohr reingehüpft in die Arbeit. Freizeit hat es keine gegeben, aber es war cool, weil mir das taugt. Skifahren, Skitechnik, mit Athleten arbeiten, beim Training dabei sein", schilderte der Vorarlberger, der in Europa mit dem Auto von Mai 2010 bis jetzt rund 85.000 Kilometer zurückgelegt hat. "Ich könnte das Fernfahrerpatent machen."

Es sei auch "wurscht", dass er von 1. Jänner bis jetzt nur drei Nächte daheim geschlafen habe, denn egal, wo er gewesen sei, auch im Europacup, bei der Junioren-WM, dem Nachwuchs, überall habe er das Gefühl, dass Athleten und Trainer mit Zug dahinter sind und wollen.

Angesprochen auf die in der Öffentlichkeit vermittelte Harmonie in der Nationalmannschaft meinte der 45-Jährige: "Ich hätte nicht gesehen, dass es eine Konfliktsituationen oder Neidsituation gegeben hat. Wir probieren, alle Athleten gleich zu behandeln. Ob jemand fünf Rennen gewinnt oder vom Weltcup in den Europacup zurückversetzt wird, weil er es nicht so ganz schafft. Letztendlich ist jeder gleich wichtig in dem ganzen Getriebe. Das haben wir heuer gesehen. Wenn drei Topleute ausfallen, was tust du dann, wenn du dich um die anderen vorher nicht gekümmert hast?" Natürlich hätten die Stars gewisse Privilegien, aber dies dürfe dem Mannschaftsgefüge nicht negativ im Wege stehen.

In Hinblick auf die nächste Weltcupsaison plant der frühere Slalom-Spezialist wieder ein Überseetraining in Chile, mit der Abfahrtsmannschaft von Andreas Evers soll auch die Weltcupgruppe Riesentorlauf und Kombination von Andreas Puelacher nach Südamerika reisen. Was das Sommer-Programm der Slalomläufer betrifft, müsse die Bestellung eines neuen Trainers abgewartet werden. Christian Höflehner hört mit Saisonende auf. Wie beispielsweise die Schweden oder Franzosen möchte Berthold auch in Zukunft Slalomspezialisten im Team haben. "Wenn du talentierte Leute hast, musst du sie gleich rausnehmen. Sie fahren Slalom und fertig."

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