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Cuche holte diese Saison zwei Kugeln © APA (epa)

Die Super-G-Kugel zu gewinnen, sei um einiges leichter gewesen als jene in der Abfahrt, meinte Didier Cuche. Er bevorzuge es,

Die Super-G-Kugel zu gewinnen, sei um einiges leichter gewesen als jene in der Abfahrt, meinte Didier Cuche. Er bevorzuge es, Entscheidungen auf der Piste herbeizuführen, aber natürlich sei er glücklich. Und gönnte sich schon in den Morgenstunden einen Schluck Champagner. Der 36-Jährige Schweizer ist der beste Speedfahrer der Gegenwart.

Er fand schöne Worte zum Abschied für Michael Walchhofer und erntete lobende von ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold. Trotz aller Zwistigkeiten, die vergangene Woche in Norwegen passiert waren und zu Verstimmungen geführt hatten.

Cuche hält nun bei sechs kleinen Kristallkugeln, vier in der Abfahrt sowie je eine in Super-G und Riesentorlauf. Er setzt seine Karriere fort - im Gegensatz zu Walchhofer, den der Regen am Donnerstag mit der Super-G-Absage beim Ski-Weltcup-Finale in Lenzerheide um sein Abschiedsrennen gebracht hatte. "Er ist eine Figur in dem Zirkus. In sportlicher Hinsicht bin ich froh, dass er zurücktritt, das wird für viele einen Platz weiter vorne bedeuten. Von der menschlicher Seite her werde ich ihn sicherlich vermissen", gestand Cuche.

In den vergangenen Tagen hatte es aber kaum Kommunikation zwischen Cuche und Walchhofer gegeben, der Österreicher fragte sich auch, was eigentlich los sei. Das große Schweigen und Aus-dem-Weg-Gehen hing mit den Vorfällen in Kvitfjell zusammen. Cuche hatte einen Streit mit FIS-Renndirektor Günter Hujara wegen eines Sprunges, den er, wie er beteuerte, aus Sicherheitsgründen um ein paar Zentimeter abgetragen haben wollte. Und er hatte sich empört darüber geäußert, dass ihm die Österreicher unterstellt hätten, er würde dabei nur an seinen eigenen Vorteil denken. Cuche hatte Berthold "gratuliert", dass dieser ihn so unsportlich behandle.

"Das war sicherlich ein Nervenspiel in den vergangenen Tagen. Ich habe mich von einigen Athleten distanziert, ohne dass ich böse auf sie war. Gegen Walchhofer habe ich persönlich nie etwas gehabt", erklärte Cuche. Berthold versicherte, er stehe zu dem, was er gesagt habe. Er habe auch probiert, es Cuche zu erklären, was ihm nicht gelungen sei.

Wegen der - wie Hujara es genannt hatte - Drohung von Cuche, er würde den Renndirektor in die Verantwortung ziehen, wenn beim Sprung etwas passiere, sei sogar die Abfahrtsabsage im Raum gestanden. Alle Trainer seien aber hinter Hujara gestanden, sagte Berthold, der fand, dass das Thema auch mit der 5.000-Franken-Geldstrafe für Cuche zu sehr aufgebauscht worden war.

Persönlich habe er aber nichts gegen Cuche. "Er ist ein klasser Typ, es taugt mir voll, dass er weiterfährt. Er ist einer, der für mich als Vorbildfunktion für junge Athleten viel wertvoller ist wie ein Miller. Er verkörpert die Werte, die für Sportler gut sind. Er ist ein fleißiger Trainierer, ein sympathischer Kerl, der immer am Boden ist. Ein Vorbild für die Jugend", meinte Berthold.

Cuche spendete das in Lenzerheide gewonnene Preisgeld für die Japan-Opferhilfe http://skiershelpingjapan.com, die die US-Amerikanerin Julia Mancuso gestartet hatte. Er fühle sich sehr berührt, wenn er den Fernseher einschalte und sehe, dass eine Frau in einem Haufen Trümmern die Verwandten suche. "Ich habe auch über die ganze Geschichte in Kvitfjell nachgedacht: wo ist der Sinn, dass man da einen Streit macht wegen fünf Zentimetern und auf anderen Seite der Welt sind so viele Leute, die sterben", fragte sich Cuche.

In Lenzerheide erlebt man Cuche in vielen Stimmungen - von heiter bis wolkig. Er besitzt auch eine gute Portion Humor. Auf der Pressekonferenz nach dem Gewinn des Abfahrtsweltcups hatte er für große Lacher gesorgt, als er ein Zwiegespräch mit Hujara vortäuschte und beide Parts übernahm. Schlusssatz von Cuche als Hujara: "Didier, du musst wissen, es gibt nur eine Regel. I am the boss." Cuche meinte anschließend, dass er hoffe, Hujara sei ihm jetzt nicht böse, er habe nur einen kleinen Scherz gemacht.

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