vergrößernverkleinern
"Freue mich, etwas Neues zu machen" © APA (EXPA)

Den letzten Arbeitstag als Skirennläufer hat sich Michael Walchhofer ein bisschen anders vorgestellt, aber er hat ihn auch so

Den letzten Arbeitstag als Skirennläufer hat sich Michael Walchhofer ein bisschen anders vorgestellt, aber er hat ihn auch so genossen. Der Super-G in Lenzerheide war bereits in der Früh abgesagt worden, damit hatte der Feier-Marathon für den Salzburger begonnen.

Eigenhändig montierte er das Fan-Plakat im Zielstadion ab, wurde dann im VIP-Zelt von 1.100 Leuten bejubelt und fand sich am Donnerstagabend zum "Chill out" seiner Skifirma Atomic ein, wo ihm auch Markenkollegen und Kollegen die Ehre gaben. Dass ihm der Regen am Donnerstag um das letzte Rennen seiner Karriere gebracht hatte, nahm Walchhofer sportlich - wie so vieles in seiner Karriere.

"Es wäre noch einmal schön gewesen, denn die Chance war ja auch da, nochmals vorne mitzufahren. Aber so wie die Umstände waren, war es nicht so tragisch. Wenn es perfekte Verhältnisse gegeben hätte, wäre es aber nochmals ziemlich lässig gewesen", bekannte der Gewinner von 19 Weltcup-Bewerben und Abfahrts-Weltmeister von 2003.

So hatte Walchhofer den letzten Renn-Auftritt also mit der Abfahrt am Mittwoch. "Das passt perfekt. Das war schon sehr speziell. Ich habe im Ziel Standing Ovations bekommen. Das war absolut würdig für ein letztes Rennen", meinte der 35-Jährige, der sich am Donnerstag aber auch fragte, warum der Regen und der Schnee nicht schon am Mittwoch gekommen waren. Dann wäre er in der Abfahrt nicht noch von Didier Cuche abgefangen worden und hätte die vierte kleine Kristallkugel für sich beansprucht. "Hätte-Wäre-Wenn gibt es sehr viele in so einer Karriere. Noch schöner wäre natürlich, wenn ich die Kugel gestern selbst rausgefahren hätte."

Walchhofer blickt auf eine ausbalancierte Laufbahn zurück. Es habe immer wieder Entscheidungen gegeben, wo er ein paar Hundertstel vorne gewesen sei oder eben hinten. Wenn er die Erfolge anschaue, dann könne es nicht so schlecht gewesen sein. "Jetzt freue ich mich aber darauf, etwas Neues zu machen", sagte der Hotelier aus Zauchensee, der sein Sportmanagementstudium fortsetzen wird. "Ich werde künftig mehr zu Hause im Hotel sein. Aber ich werde mich auch noch anderweitig beschäftigen. Das lasse ich auf mich zukommen. Es wird aber sicher mit Skisport zu tun haben."

Walchhofer bedankte sich bei seiner Skifirma, bei seinem Testteam, bei Speed-Trainer Andreas Evers und all jenen, die ihn über all die Jahre unterstützten. "Für uns heißt das jetzt, dass wir einen großen Gegner weniger haben. Aber menschlich wird er uns fehlen. Er ist ein Supersportler, ein Supertyp", meinte der Schweizer Carlo Janka.

ÖSV-Rennsportleiter Mathias Berthold findet es ebenfalls "schade", dass Walchhofer aufhört. "Mit Michi geht uns ein wichtiger Mann verloren. Nicht nur aufgrund seiner Erfolge, sondern weil er als Mensch in der Mannschaft einen extrem hohen Stellenwert gehabt hat. Er hat extreme Anerkennung von den Mannschaftskollegen genossen. Junge Burschen konnten von ihm, was die professionelle Vorbereitung betrifft, viel lernen. Michi ist ein ganz starker Typ, ruhig und besonnen, er bringt keinen Wirbel rein. Ein sympathischer Mensch."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel