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Kartnig beteuerte: "Ich sag' immer die Wahrheit" © APA (Leodolter)

Am Grazer Straflandesgericht ist am Montag der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben weitere Angeklagte aus dem Umfeld des SK

Am Grazer Straflandesgericht ist am Montag der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben weitere Angeklagte aus dem Umfeld des SK Sturm Graz fortgesetzt worden. Dem früheren Sturm-Präsidenten werden schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Das Zuschauerinteresse war auch nach fünf Prozesstagen ungebrochen.

Hannes Kartnig hatte bei seiner Einvernahme angegeben, dass Schwarzgeldzahlungen an die Spieler üblich waren und dass er das System mit Schwarzeinnahmen bei den Eintrittskarten nur übernommen, aber keineswegs eingeführt habe. Der ehemalige Sekretär, der als einziger geständig ist, schob seinerseits die Verantwortung auf den Ex-Präsidenten und will nur auf dessen Anweisung gehandelt haben.

Als fünfter wurde nun ein pensionierter Finanzbeamter befragt, der als Vorstandsmitglied für die Buchhaltung beim Verein verantwortlich gewesen ist. Wie seine bisher befragten Vorstandskollegen gab auch er an, weder von Schwarzeinnahmen bei den Eintrittskarten noch von Zahlungen unter der Hand an die Spieler etwas gewusst zu haben. "Auf die finanziellen Gebarungen hatte ich keinen Einfluss, das war Sache der Geschäftsführung", erklärte er.

Erst im August 2006 habe er mitbekommen, dass der Verein zahlungsunfähig sei. Darüber habe er sich bis dahin keine Gedanken gemacht: "Ich hätte nie gedacht, dass Sturm in Konkurs gehen kann, das ist eine Institution in der Steiermark", meinte der Angeklagte. Er selbst habe keinerlei wirtschaftliche Umstände verschwiegen: "Ich habe die Unterlagen nur weitergegeben, wie ein Briefträger", wies er jede Verantwortung von sich.

Heftig ins Geschehen mischte sich Hannes Kartnig, als es um angebliche Bordellbesuche mit Funktionären und Schiedsrichtern nach Spielen ging. "Wissen sie, was das heißt, dass wir mit Schiedsrichtern ins Bordell gehen? Wenn da ein Schiedsrichter mitgeht, der pfeift nie mehr ein Match", stellte er lautstark klar, um dann kopfschüttelnd hinzuzufügen: "Was ich da für G'schichteln hör". Dass das Land Steiermark Bankette, die er für andere Vereine wie Real Madrid gegeben hat, bezahlte, bestätige er dagegen sofort: "Ich sag' immer die Wahrheit, wenn ich was weiß", betonte er. Der Prozess wird am Dienstag um 9.00 Uhr mit der Befragung des ehemaligen Sturm-Sportdirektors Heinz Schilcher fortgesetzt.

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