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Schilcher fühlt sich nicht schuldig © APA (Leodolter)

Am Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben weitere Angeklagte aus dem Umfeld des SK

Am Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben weitere Angeklagte aus dem Umfeld des SK Sturm Graz fortgesetzt worden. Am siebenten Verhandlungstag wurde der ehemalige Sportdirektor von Sturm Graz, Heinz Schilcher, befragt. Er gab an, zwar die Spielerverträge ausgehandelt, von Schwarzgeldzahlungen aber nichts gewusst zu haben.

Dem früheren Sturm-Präsidenten Hannes Kartnig wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie das Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung vorgeworfen. Nachdem er 1992 das Präsidentenamt übernommen hatte, holte er Heinz Schilcher zum Verein. "Ich war für den sportlichen Bereich verantwortlich", erklärte Schilcher, der sich nicht schuldig fühlt.

Zu seinen Aufgaben gehörte das Erstellen der Vertragsentwürfe für die Spieler. "Kartnig hat meistens noch etwas abgeändert, je nachdem, wie sympathisch ihm ein Spieler war und wie gerne er ihn haben wollte", erzählte Schilcher. Dabei wurde das Jahresgehalt von Kartnig vorgegeben. "Die Zusatzvereinbarungen sind als Zuckerl für die Spieler angeboten worden", beschrieb der frühere Sportdirektor. Dazu gehörten Wohnungs- und Autozuschüsse, später auch Prämien für Pensionsversicherungen.

"Wurden diese Zuschüsse versteuert?", wollte Richter Karl Buchgraber wissen. "Ich bin davon ausgegangen, sonst hätte ich das nicht niederschreiben müssen", so Schilcher. Mit den Spielern habe er nie über Schwarzgeldzahlungen gesprochen "nur über brutto- oder netto-Verträge, es gab auch gemischte". Entscheidungskompetenz in finanziellen Fragen habe er keine gehabt, betonte der Beschuldigte. Von Schwarzeinnahmen durch Eintrittskarten "habe ich erstmals bei meiner Einvernahme 2006 erfahren", zeigte sich Schilcher auch in diesem Punkt unwissend.

Erneut zur Sprache kam die Verpflichtung von Charles Amoah, der sich im Nachhinein als teuerster Fehlgriff der Vereinsgeschichte entpuppte. Das lag laut Schilcher aber nicht an der Knieabnützung, die bei einer Untersuchung erst nach Vertragsabschluss festgestellt wurde - "das ist so üblich, dafür gibt es eine Rücktrittsklausel" -, sondern eher daran, dass die anderen Spieler ihn "verhungern ließen". Um einen Platz im Ausländerkontingent für Amoah zu haben, wurde Ranko Popovic nicht weiterverpflichtet. "Seine Landsleute waren gegen Amoah, und er war auch eine Konkurrenz für Vastic", schilderte Schilcher.

Der Prozess wird am 5. April 2011 um 9.00 Uhr fortgesetzt. Auf dem Programm steht die Befragung der letzten beiden Angeklagten, möglicherweise werden auch schon erste Zeugen gehört werden.

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