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Didier Drogba ist der prominenteste "Deserteur" © APA (Archiv/epa)

"Zurück zu den Wurzeln", heißt es zur Zeit für zahlreiche der besten französischen Fußballer mit ausländischen Vorfahren.

"Zurück zu den Wurzeln", heißt es zur Zeit für zahlreiche der besten französischen Fußballer mit ausländischen Vorfahren. Immer mehr Spieler mit Migrationshintergrund kehren dem französischen Nationalteam den Rücken und schnüren ihre Schuhe lieber für das Team ihrer Ahnen.

Betroffen sind vor allem Profis, die aus Afrika stammen, ihr fußballerische Ausbildung aber in Frankreich erhalten haben. Teamchef Laurent Blanc schlug daher vor dem EM-Qualifikationsspiel in Gruppe D am Freitag (21.00 Uhr) in Luxemburg Alarm. "Diese Entwicklung ist sehr schlimm", erklärte der Weltmeister von 1998.

Der Trainer trauert unter anderem Moussa Sow nach, dem mit 19 Toren Führenden der französischen Schützenliste. Neben Jungstar Eden Hazard, der mit Belgien am Freitag in Wien gastiert, ist der 25-Jährige der Hauptverantwortliche für den aktuellen Höhenflug von Tabellenführer OSC Lille. 2005 hatte Sow mit Frankreich noch die U19-EM gewonnen, seit 2009 geht er aber für den Senegal auf Torjagd.

Als erster Ausnahmespieler hatte Didier Drogba der "Equipe tricolore" einen Korb gegeben, obwohl er bereits mit fünf Jahren von der Elfenbeinküste nach Frankreich ausgewandert war. Der 33-jährige Stürmerstar von Chelsea war in der Bretagne ausgebildet worden, spielt aber lieber für sein Geburtsland.

Die Liste prominenter Fußball"-Deserteure" der vergangenen Jahre ließe sich beliebig fortsetzen. In Frankreich geborene Profis wie Frederic Kanoute (FC Sevilla/Mali), Marouane Chamakh (Arsenal/Marokko), Gonzalo Higuain (Real Madrid/Argentinien) oder Ludovic Obraniak (OSC Lille/Polen) könnte Blanc gut gebrauchen.

Zuletzt entschied sich Montpellier-Sturmtalent Karim Ait-Fana (22) nach 21 Spielen in französischen Jugendteams doch für Marokko. "Das kann so nicht weitergehen. Es gibt Spieler, die für uns in der U17, U19, U21 spielen, um sich dann für das Land ihrer Vorfahren zu entscheiden", klagte Blanc.

Die Medien befürchten negative Folgen für die seit der verpatzten WM 2010 ohnehin angeschlagene "Equipe tricolore". Aber auch die sozialen Integrationsbemühungen stehen auf dem Spiel. Der WM-Titel von 1998 mit einem Multikulti-Team hatte vor allem die "Banlieues", die gesellschaftlichen Spannungen ausgesetzten Vororte von Paris, Lyon und Marseille, mit Stolz erfüllt.

Frankreichs beste Fußballer sind traditionell Spieler mit Migrationshintergrund. Die Eltern von Michel Platini stammten aus Italien, jene von Zinedine Zidane wanderten aus Algerien ein. Der legendäre Fußball-"Napoleon" Raymond Kopa stammt aus Polen, und Just Fontaine, der mit 13 Toren 1958 immer noch den Rekord bei einer WM hält, kam in Marrakesch in Marokko zur Welt.

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