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Martin Harnik stürmt für Stuttgart © APA (Archiv/dpa)

Martin Harnik zählt zu jenen acht Spielern im aktuellen Kader des österreichischen Fußball-Nationalteams, die ihr Geld in

Martin Harnik zählt zu jenen acht Spielern im aktuellen Kader des österreichischen Fußball-Nationalteams, die ihr Geld in Deutschland verdienen. Im Interview mit der APA sprach der Stuttgart-Legionär über das Image der "Ösis" im Nachbarland, die Vorfreude auf dieses Duell in der EM-Quali und die Kritik an Teamchef Constantini im Zusammenhang mit der taktischen Vorbereitung auf Länderspiele.

APA: In der deutschen Bundesliga sind so viele Österreicher wie noch nie engagiert, dazu kommen österreichische Leistungsträger bei Top-Clubs aus der zweiten Liga. Sind die Zeiten vorbei, in denen ÖFB-Spieler in Deutschland belächelt wurden?

Harnik: "Absolut, wir sind ja mit den Japanern zusammen fast ein Importschlager geworden. Die Österreicher werden auf keinen Fall mehr belächelt, das sieht man daran, dass immer mehr nach Deutschland geholt werden, auch im Jugendbereich. Die Qualität war schon immer da, jetzt ist es Zeit geworden, dass mehr Spieler den Sprung nach Deutschland wagen."

APA: Wird das ÖFB-Team in Deutschland als größter Konkurrent in der EM-Qualifikation gesehen?

Harnik: "Die Türkei wird sicher als stärker eingeschätzt, und das sehe ich genauso, denn die wirklich entscheidenden Spiele kommen erst. Wenn wir aber weiter punkten, wird der Respekt vor uns in Deutschland und ganz Europa zunehmen."

APA: Sprechen Sie mit Ihren Clubkollegen in Stuttgart schon oft über das EM-Quali-Spiel gegen Deutschland im Juni?

Harnik: "Nein, weil unsere Situation im Moment zu brenzlig ist. Wir beschäftigen uns nur mit dem Abstiegskampf. Aber im Juni haben wir hoffentlich den Abstieg verhindert, und dann können wir uns auf das Nationalteam freuen."

APA: Möglicherweise wird vor diesem Match wieder Ihre von der "Bild"-Zeitung ausgeschlachtete Aussage aufgewärmt, als Sie vor dem EM-2008-Duell vermuteten, die Deutschen würden sich in die Hosen machen. Wie stehen Sie heute zu dieser Wortmeldung?

Harnik: "Das war nie so gemeint. Aber die Schlagzeile war geschrieben, und damit war die Sache abgehakt. Ich würde es auf keinen Fall noch einmal so machen, weil es nicht meinem Image entspricht. Ich bin nicht der Freund von großen Sprüchen vor dem Spiel, ich will es den Leuten lieber auf dem Platz zeigen. Intern spreche ich Dinge schon an, aber das muss eben intern geklärt werden."

APA: Inwieweit muss man derzeit im Nationalteam Missstände intern ansprechen?

Harnik: "Wir sind selbstkritischer und ehrlicher zueinander geworden, deshalb gibt es da meiner Meinung nach keinen Bedarf. Wir verstecken uns nicht hinter irgendwelchen Phrasen, sondern gestehen Fehler ein. Es gab einmal Zeiten, da wurden die Fehler bei anderen gesucht. Diese Zeiten sind vorbei."

APA: In Ihren dreieinhalb Jahren in der ÖFB-Auswahl arbeiten Sie bereits mit dem dritten Teamchef zusammen. Was unterscheidet Dietmar Constantini von Josef Hickersberger oder Karel Brückner?

Harnik: "Bei ihm ist klar zu erkennen, dass er auf junge Spieler setzt und das Leistungsprinzip weit oben steht. Man sieht, dass man sich die Einladung zum Nationalteam erarbeiten kann und nicht ein Stamm immer einberufen wird, egal wie gut oder schlecht gerade die Form ist. Außerdem spricht der Teamchef viel mit uns und lässt den Spaß nicht zu kurz kommen. Er dreht zur Zeit an den richtigen Schrauben."

APA: Was halten Sie von der Kritik an Constantini, die taktische Vorbereitung auf ein Spiel sei mangelhaft?

Harnik: "Die Nationalspieler sind die Besten des Landes, da muss der Anspruch da sein, dass Constantini taktisch nicht mehr viel erklären muss. Er bereitet uns gut auf den Gegner vor und gibt uns Vorgaben, die wir erfüllen müssen, und das tun wir auch. Wir müssen aber nicht drei Stunden zusammensitzen und über Taktik reden. Das würde für zu viel Chaos sorgen."

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