vergrößernverkleinern
Ekici (l.) sorgte für Unmut in Deutschland © APA (Archiv/epa)

Zumindest in einem Bereich nähert sich der Nationalteam-Fußball immer mehr dem Club-Fußball an. Um die talentiertesten Kicker

Zumindest in einem Bereich nähert sich der Nationalteam-Fußball immer mehr dem Club-Fußball an. Um die talentiertesten Kicker ist nicht nur zwischen Vereinen, sondern auch zwischen Landesverbänden ein Ringen entbrannt, das vor allem bei Youngsters mit türkischem Migrationshintergrund regelmäßig die Emotionen hochgehen lässt - so etwa in Deutschland.

Sportdirektor Matthias Sammer beschwerte sich erst im vergangenen November über die seiner Meinung nach aggressiven Abwerbungsversuche von DFB-Nachwuchsspieler durch Österreichs kommenden EM-Qualifikationsgegner Türkei. Im Oktober hatte sich Mehmet Ekici für eine Karriere in der türkischen Nationalelf entschieden. Zuvor durchlief der 21-jährige Nürnberg-Mittelfeldspieler, der auch im Kader für das Österreich-Match am Dienstag steht, alle Jugendmannschaften des DFB.

Auch der 21-jährige Freiburger Abwehrspieler Ömer Toprak und der deutsche U17-Kapitän Emre Can wurden zuletzt vom türkischen Verband umworben. "Es ist legitim, aber es stellt sich schon auch die Frage nach der Moral", schimpfte Sammer über dieses Vorgehen. Schließlich verlor Deutschland schon Kicker wie Nuri Sahin und Hamit Altintop an die Türkei, dafür entschied sich Mesut Özil für den DFB.

ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner kann Sammers Ärger nachvollziehen. "Manche Personen gehen stillos vor und versprechen Spielern falsche Sachen", betonte der Oberösterreicher. "Als Ausbildungsland investiert man viel in einen Spieler. Er profitiert wahnsinnig davon und entscheidet sich dann für einen anderen Verband - das ist ein Zustand, mit dem man nur schwer zurecht kommt."

Schwer traf Ruttensteiner die Entscheidung von Moritz Leitner, sein Glück beim DFB zu suchen. Der 18-Jährige - derzeit von Dortmund an Augsburg verliehen - wurde in München als Sohn einer Österreicherin und eines Deutschen geboren, ist im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft und war einmal im ÖFB-U17-Team im Einsatz. Im vergangenen September jedoch erhielt er auch einen deutschen Pass und ist seither fixer Bestandteil der DFB-U19-Auswahl. "Seine Entscheidung ist zu akzeptieren. Aber ich habe ihm auch klar gemacht, dass ihm beim ÖFB jederzeit die Tür offen steht, wenn er seine Meinung ändern sollte", so Ruttensteiner.

In die österreichische Nationalmannschaft kommt man leichter als in die deutsche, türkische, serbische oder kroatische Auswahl. Deshalb ist der ÖFB wohl von einer größeren Abwanderungswelle verschont geblieben, wie auch Ruttensteiner zugab. Mit Geld seien Kicker wie Marko Arnautovic, Veli Kavlak oder Ümit Korkmaz auf jeden Fall nicht überredet worden, für Österreich zu spielen.

Die FIFA-Statuten lassen prinzipiell einen Nationalteam-Wechsel zu, wenn der betreffende Spieler in seinem "alten" Verband in keinem A-Team-Pflichtspiel eingesetzt wurde. Sollte er eine Bewerbspartie im Nachwuchsbereich absolviert haben, muss er zu diesem Zeitpunkt schon im Besitz der Staatsbürgerschaft jenes Landes gewesen sein, für das er künftig spielen will.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel