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Veli Kavlak blieb dem ÖFB treu © APA (Archiv/Hochmuth)

Das Europa-Büro des türkischen Fußball-Verbandes spielt bei der Rekrutierung von Spielern für die Nationalmannschaft eine

Das Europa-Büro des türkischen Fußball-Verbandes spielt bei der Rekrutierung von Spielern für die Nationalmannschaft eine besondere Rolle. Die in Köln beheimatete Zweigstelle sucht in ganz Europa nach talentierten Kindern türkischer Auswanderer. Den besten wird ein Wechsel zum türkischen Verband schmackhaft gemacht - so auch den ÖFB-Spielern Veli Kavlak, Ümit Korkmaz, Yasin Pehlivan und Ekrem Dag.

Das Quartett mit türkischen Wurzeln könnte durchaus dem Kader des Dienstag-Gegners in der EM-Qualifikation angehören, denn alle Vier wurden im Laufe ihrer Karriere vom türkischen Verband kontaktiert. "Vor Jahren gab es einmal eine Anfrage an mich, für die türkische U21 zu spielen", erzählte Ümit Korkmaz. "Aber da kamen viele Anrufe, das hat alles ein bisschen komisch und konfus gewirkt. Es ist für mich nie etwas anderes infrage gekommen, als für Österreich zu spielen."

Gleiches gilt für Pehlivan. "Ich bin in Österreich aufgewachsen und hier zum Profi geworden, daher ist ein Verbandswechsel nicht zur Debatte gestanden", sagte der Rapid-Mittelfeldspieler, der vor einigen Monaten ebenfalls eine Einladung für ein Spiel der türkischen U21-Auswahl bekam.

Besonders aggressiv warb der türkische Verband um den im Moment verletzten Kavlak. "Bei mir hat sich das lange hingezogen, weil ich am Anfang nur Freundschaftsspiele für Österreich gemacht habe und deswegen noch für die Türkei spielberechtigt gewesen wäre", sagte der 22-Jährige.

Erst mit dem Einsatz beim 2:1 in der WM-Qualifikation gegen Litauen im Oktober 2009 war die Diskussion beendet. "Die Tage davor haben sie im Trainingslager in Seefeld oft angerufen, gestichelt und gesagt, ich soll nach Hause fahren und nicht spielen. Aber für mich war das nie ein Thema", erklärte Kavlak.

Etwas anders gestaltete sich der Kontakt von Dag zum türkischen Verband. Der 30-Jährige machte erst vor wenigen Jahren mit starken Leistungen bei Besiktas den türkischen und österreichischen Verband auf sich aufmerksam. Der ÖFB war schneller und berief den Rechtsverteidiger erstmals im Mai 2009 ein. "Ich bin in Österreich aufgewachsen und habe hier meine Freunde. Es wäre unfair gewesen, wenn ich nicht für Österreich gespielt hätte", sagte Dag, der als Achtjähriger in die Alpenrepublik kam.

Auch Turgay Bahadir, so wie Kavlak, Korkmaz und Pehlivan gebürtiger Wiener, hatte sich ursprünglich für Österreich und gegen die Türkei entschieden. 2003 erhielt der 27-Jährige von beiden Verbänden eine U21-Nominierung, schlug sich auf die Seite des ÖFB und spielte eine Partie in der EM-Qualifikation.

Genau an diesem Einsatz scheiterte fünf Jahre danach eine Nominierung für die türkische A-Auswahl. Durch eine FIFA-Statutenänderung brachte er es aber doch noch auf ein Länderspiel für die Türkei - Bahadir durfte am 22. Mai 2010 in den USA im Testspiel gegen Tschechien Teamluft schnuppern.

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