vergrößernverkleinern
Schwere Zeiten für den türkischen Teamchef © APA (epa)

Wie selten zuvor in seiner erfolgreichen Trainerkarriere weht Guus Hiddink derzeit ein rauer Wind entgegen. Seit seinem

Wie selten zuvor in seiner erfolgreichen Trainerkarriere weht Guus Hiddink derzeit ein rauer Wind entgegen. Seit seinem Amtsantritt als türkischer Fußball-Teamchef im Sommer 2010 gelang es dem Niederländer bisher nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Aus den ersten vier Spielen in der EM-Qualifikationsgruppe A wurden nur sechs Punkte geholt, was Tabellenplatz vier ergibt.

Somit steht der 64-Jährige am Dienstag in Istanbul gegen Österreich gehörig unter Druck - ein Punkteverlust könnte den Abschied des hochdekorierten Betreuers einleiten. Hiddink hat sich gegen die ÖFB-Auswahl und danach am 3. Juni in Belgien sechs Punkte als Ziel gesetzt. "Wenn wir das nicht schaffen, werde ich meinen Rücktritt anbieten. Dann liegt es am türkischen Verband", erklärte der Coach vor wenigen Tagen und ließ damit gleich eine Reihe von europäischen Spitzenclubs aufhorchen. Laut britischen Medienberichten soll vor allem Chelsea Interesse an einem neuerlichen Engagement von Hiddink an der Stamford Bridge haben.

In der Türkei hingegen wird dem Niederländer derzeit nicht gerade der Rote Teppich ausgerollt. Hiddink krempelte die Mannschaft nach seinem Amtsantritt um, verzichtete auf einige gestandene Spieler und sorgte mit seiner Einberufungspolitik immer wieder für Verwunderung - zuletzt etwa, weil er gleich sechs Spieler vom kriselnden Spitzenclub Galatasaray in den Kader holte. Für Kritik sorgte auch die Tatsache, dass sich Hiddink nicht allzu oft am Bosporus aufhält und sich lieber in seiner Heimat über den türkischen Fußball informieren lässt.

Dabei vermochte der Mann aus Varsseveld, der bereits in der Saison 1990/91 als Fenerbahce-Trainer in der Türkei arbeitete, gerade als Nationaltrainer besonders zu brillieren. Mit all seinen Teams überstand er stets die Gruppenphase bei Großereignissen. In seiner Amtszeit als Bondscoach führte er die "Elftal" seines Heimatlandes zur EM 1996 in England, wo im Viertelfinale gegen Frankreich im Elfmeterschießen (4:5 - 0:0 n.V.) das Aus kam. 1998 bei der WM in Frankreich wurden die Niederländer erst im Halbfinale von Titelverteidiger Brasilien im Elfmeterschießen (2:4 - 1:1 n.V.) gestoppt und schließlich Vierter.

Diese WM-Platzierung wiederholte Hiddink 2002 mit Co-Gastgeber Südkorea (0:1 im Semifinale gegen Deutschland) und sorgte damit für eine der größten Sensationen der Fußball-Historie. Nach seinem Südostasien-Abstecher betätigte sich Hiddink zunächst wieder erfolgreich als Trainer beim PSV Eindhoven, den er bereits 1988 zum Meistercup-Sieger gemacht hatte und 2005 bis ins Champions-League-Halbfinale führte.

Nach dem insgesamt sechsten niederländischen Meistertitel mit PSV (1988, 1989, 1990, 2003, 2005, 2006) wurde der ehemalige Defensivspieler erneut als fußballerischer "Entwicklungshelfer" aktiv - diesmal in Australien, wo Hiddink wieder für einen historischen Erfolg gefeiert wurde. Unter seiner Führung zogen die "Socceroos", die zuvor erst einmal eine WM-Endrunde (1974) erreicht hatten, bei der WM 2006 in Deutschland als Gruppenzweiter hinter Titelverteidiger Brasilien erstmals in ein Achtelfinale ein. In diesem waren sie dem späteren Weltmeister Italien ein ebenbürtiger Gegner. Erst ein Elfergeschenk in letzter Minute an die "Squadra Azzurra" besiegelte das Aus der "Aussies", die Hiddink nach dem Turnier in Richtung Russland verließ.

Dort wurde er der erste ausländische Fußball-Teamchef und deshalb anfänglich noch kritischer als seine Vorgänger beäugt. Durch den Halbfinal-Einzug der "Sbornaja" bei der EURO 2008 wurden sämtliche Skeptiker eines Besseren belehrt. Die russischen Fans liebten ihren Teamchef, zu seinen Ehren wurde sogar im Dorf Maloretschensk nahe Aluschta am Schwarzen Meer ein lebensgroßes Hiddink-Denkmal errichtet.

Eine WM-Teilnahme mit Russland war dem Niederländer aber nicht vergönnt - im November 2009 scheiterte man im Play-off überraschend an Slowenien.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel