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Windtner sieht die Bundesliga auf einem guten Weg © APA (Gindl)

Die von ÖFB-Präsident Leo Windtner geforderte kontinuierliche Weiterentwicklung der österreichischen

Die von ÖFB-Präsident Leo Windtner geforderte kontinuierliche Weiterentwicklung der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ist zuletzt ins Stocken geraten - und das trotz immer mehr Legionären, die in Top-Ligen einen Stammplatz haben.

Dennoch hob der 60-Jährige in Istanbul vor Österreichs 700. Länderspiel im Gespräch mit der APA die Bedeutung der "Gastarbeiter" für die ÖFB-Auswahl hervor, warnte aber auch davor, Talente zu früh ins Ausland zu transferieren.

APA: Beim Nationalteam ist es zuletzt nicht nach Wunsch gelaufen - wie schätzen Sie die Entwicklung der österreichischen Bundesliga ein?

Windtner: "Das kann man nur an internationalen Resultaten ablesen, und da hat es in der letzten Saison hervorragende Ergebnisse gegeben. In dieser Saison war das weniger der Fall, die Clubs hatten aber auch weniger Spielglück. Prinzipiell ist der österreichische Fußball dabei, in Europa näher heranzukommen. Auch wenn er noch nicht Champions-League-Niveau hat, so ist er doch im körperlichen, technischen und taktischen Bereich einen Schritt weiter gekommen."

APA: Aber bekommt man bei vielen Liga-Partien nicht den Eindruck, dass das Niveau gesunken sein könnte?

Windtner: "Der Qualitätsverlust trifft für manche Partien zu. Doch das Spiel Austria gegen Sturm vor einigen Wochen zum Beispiel war exzellent. Tatsache ist, dass manche Spitzenteams vorläufig zurückgefallen sind. Erfreulich ist, dass sich immer mehr Top-Talente in der Bundesliga in den Vordergrund spielen."

APA: Inwieweit ist die Qualität des Nationalteams von der Qualität der Liga abhängig?

Windtner: "Sie hängt schon auch davon ab, aber wir sind gut mit Legionären bestückt. Sie helfen uns sehr stark, so wie in den besten Zeiten des Nationalteams."

APA: Muss es dann das Ziel sein, dass die österreichische Nationalmannschaft einmal ausschließlich aus Legionären besteht?

Windtner: "Das wird es so schnell nicht geben. Eine Tendenz ist sicher da, aber es werden auch immer wieder Spieler aus der österreichischen Liga dabei sein, weil bei den Clubs gut gearbeitet wird und immer neue, junge Spieler rauskommen."

APA: Stimmen Sie der Ansicht zu, dass diese jungen Kicker so schnell wie möglich ins Ausland gehen sollten, um zu Klassespielern zu reifen?

Windtner: "Es ist klar, dass die Anforderungen zum Beispiel in Deutschland höher als in Österreich sind. Dennoch ist es immer wieder ein Wermutstropfen, wenn ein Junger früh ins Ausland wechselt. Es hat in der Vergangenheit viele österreichische Topspieler gegeben, die jahrelang in Österreich gespielt haben und dann erst den Schritt ins Ausland gemacht haben. Ich würde mir wünschen, dass die Spieler länger im Inland bleiben und erst dann wechseln, wenn sie arriviert sind. Es bringt nichts, wenn man nur ins Ausland wechselt, um dann ein nichtspielendes Dasein zu fristen."

APA: Sie lehnen also einen frühen Auslandstransfer entschieden ab?

Windtner: "Es gibt hier keine Grundregel, kein Patentrezept. Doch die Tendenz sollte sein, beim eigenen Club zu bleiben, weil dort die Gefahr zu stranden nicht so groß ist."

APA: Aber wäre zum Beispiel die Entwicklung von David Alaba nicht viel langsamer vorangegangen, wenn er als knapp 16-Jähriger nicht den Transfer zu den Bayern gemacht hätte?

Windtner: "Das ist hypothetisch. Er ist ein Top-Talent, ihm hat der Wechsel ins Ausland sicher geholfen."

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