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Windtner: "Keine Schnellschüsse" © APA (Archiv/Jäger)

Österreichs Fußball-Teamchef Dietmar Constantini dürfte trotz einer in weite Ferne gerückten EM 2012 vorerst weiter fest im

Österreichs Fußball-Teamchef Dietmar Constantini dürfte trotz einer in weite Ferne gerückten EM 2012 vorerst weiter fest im Sattel sitzen. ÖFB-Präsident Leo Windtner sprach sich nach der vierten Länderspiel-Niederlage in Serie am Dienstag in der Türkei (0:2) gegen "Schnellschüsse" aus und ging davon aus, dass das Präsidium dem Tiroler weiterhin das Vertrauen schenkt.

Windtner meinte, dass sich die Mannschaft im Vergleich zum ernüchternden 0:2 gegen Belgien am Freitag in Wien klar verbessert präsentiert hatte. Vor den beiden Spielen gegen Deutschland liegt die ÖFB-Elf in Gruppe A zwar nur noch auf Platz vier, Windtner hat eine erfolgreiche Qualifikation aber immer noch nicht abgeschrieben. "Im Fußball kann viel passieren. Nach zwei solchen Spielen schaut es nicht so gut aus, aber im Wesentlichen stehen wir für Kontinuität und wollen nicht nach jedem Rückschlag eine Teamchef-Diskussion starten", betonte der Oberösterreicher.

Einen "Persilschein", wie er es zuletzt selbst bezeichnet hatte, wollte der ÖFB-Boss Constantini aber nicht ausstellen. "Ich gehe davon aus, dass wir keine Schnellschüsse machen. Wir werden das aber noch im Direktorium besprechen", erklärte Windtner. "Wir wollen keine Teamchef-Diskussion starten, sondern werden uns zusammensetzen und besprechen, was wir verbessern können. An ein kleines Wunder dürfen wir immer noch glauben."

Windtner hielt Constantini die kämpferische Leistung in Istanbul zugute. "Hätte sie das gegen Belgien getan, hätte es wahrscheinlich anders ausgesehen", sagte der ÖFB-Präsident. "Vielleicht kehrt irgendwann auch das Spielglück zurück." Jenes, das Constantini etwa beim ersten Spiel seiner Amtszeit vor zwei Jahren gegen Rumänien (2:1) hold gewesen war. Seither hat der Tiroler aber in der Öffentlichkeit einiges an Kredit verspielt.

Von seinen 18 Spielen hat Constantini, der seit Anfang März 2009 im Amt ist, zehn verloren. Dem 55-Jährigen war bereits vorgeworfen worden, zu wenig im taktischen Bereich zu trainieren. Dazu kam zuletzt eine sehr defensive Spielanlage. Schon bei der Heimpleite gegen Belgien hatte es Constantini verabsäumt, im Finish beim Stand von 0:2 einen seiner sechs Defensivspieler zu opfern. Der Teamchef begründete das mit einer gewissen Chancenlosigkeit.

In der Türkei hatte Constantini erfolglos auf eine massive Defensivtaktik mit drei zentralen Mittelfeldspielern vor der Abwehr gesetzt. Sein Team war von Beginn an unter Druck geraten, vermochte keine Entlastungsangriffe zu lancieren. "Es ist wichtig, dass wir kompakt stehen. Die erste Aufgabe ist es, die Türken aufzuhalten", hatte der Tiroler begründet. Das gelang gerade einmal drei Minuten, ehe Burak Yilmaz die Stange traf. Es folgten wie gegen Belgien Gegentore nach schweren Abwehrfehlern.

Der Elfmeter, den Stefan Maierhofer in der Schlussphase vergab, hätte laut Constantini vielleicht auch nur ergebniskosmetischen Charakter gehabt. "Wir sind nämlich nicht zu richtigen Chancen gekommen", gestand der Teamchef. Dabei hatte er nach der Pause im Gegensatz zum Belgien-Spiel mit Erwin Hoffer, Ümit Korkmaz und Marko Arnautovic drei Offensivkräfte gebracht.

Die Kritik an seiner Person ist Constantini mittlerweile gewöhnt. "Ruhe hat man als Trainer überhaupt nie", erklärte der einst erfolgreiche "Feuerwehrmann" bei Pasching und der Wiener Austria. "Alles kann man nicht beeinflussen." Etwa die anderen Ergebnisse in der Gruppe. "Wir haben jetzt auch unsere zwei Niederlagen - genauso wie die Türkei. Wir sind mitten in der Quali-Gruppe", erinnerte Constantini. "Was noch kommt, das weiß ich nicht."

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