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Glasner ist eine Identifikationsfigur der SV Ried © APA (Archiv)

Am 5. Mai begeht der Fußball-Bundesligist SV Ried seinen 100. Geburtstag. Grund zum Feiern gibt es im Innviertel schon vorher.

Am 5. Mai begeht der Fußball-Bundesligist SV Ried seinen 100. Geburtstag. Grund zum Feiern gibt es im Innviertel schon vorher. Am Samstag (16.00 Uhr) in der 27. Runde daheim gegen SV Mattersburg wird Oliver Glasner als 31. Bundesliga-Spieler in den "400er Club" aufgenommen.

"Ich hätte mir nicht träumen lassen, einmal so viele Spiele zu machen. Es macht mich stolz, weil ich die meisten davon auch durchgespielt habe", freute sich der Abwehrchef im Gespräch mit der APA über sein Jubiläum in der höchsten Spielklasse.

Der ebenso verlässliche wie sympathische Kapitän, der seine Fußball-Jugend in den Reihen von SV Riedau verbrachte, hat mit einer kurzer Unterbrechung (2003/04 LASK) den "Wikingern" seit 1992 stets die Treue gehalten. Er fühlt sich im Innviertel "irrsinnig wohl", ist mit dem Verein praktisch aufgewachsen. "Es ist ein Privileg, wenn man Familie, Freunde und Arbeitsplatz in der Nähe und das Hobby zum Beruf hat", sagte der Innenverteidiger, der sich mit meiner Frau Bettina und seinen drei Kindern in Riedau nahe von Ried niedergelassen und ein Haus gebaut hat.

"Oliver verkörpert die SV Ried. Er hat bei uns alles mitgemacht, den Abstieg, den Wiederaufstieg. Er ist nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb davon von seiner Persönlichkeit und seinem Intellekt ein Vorbild", lobt Clubmanager Stefan Reiter den Routinier. Glasner, der als 18-Jähriger nach der Matura von Klaus Roitinger nach Ried geholt wurde, ist ehrgeizig und ein grader Michel, der nicht verhehlt, nie so lukrative Angebote erhalten zu haben, um die Rieder zu verlassen.

Inzwischen danken es ihm der Verein und die Fans. Glasner ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft - trotz seines Alters von 36 Jahren bringt er Runde für Runde stets seine Leistung, ist ein Beispiel für die anderen. "Ich gebe im Spiel und im Training immer 100 Prozent." Er lässt sich durch nichts und niemanden von seinem sportlichen Weg abbringen. Blessuren wie Kreuzbandriss, Knöchel-, Jochbeinbruch, Bandscheibenvorfall oder Adduktorenverletzung warfen ihn zurück, aber nie aus der Bahn.

Neben den körperlichen Rückschlägen steckte der Routinier auch sportliche Schmerzen weg und stand immer wieder auf, auch das machte ihn stark. "Der bitterste Augenblick war im Mai 2003 das 0:3 daheim gegen Admira und der damit verbundene Abstieg", erinnerte sich Glasner, dem sein erster Einsatz in der Bundesliga im August 1995 als etwas ganz Besonderes in Erinnerung blieb. "Es war ein wunderbarer 2:1-Heimsieg über Rekordmeister Rapid."

Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählte natürlich auch der Cup-Triumph 1998 (3:1 gegen Sturm Graz im Hanappi-Stadion). Mit dem inoffiziellen Titel des Herbstmeisters bzw. Winterkönigs 2010/11 kann der Vizemeister von 2007 hingegen nicht so viel anfangen. "Das ist nur ein Zwischenergebnis, im Slalom zählt es ja auch nichts, wenn man nach dem ersten Durchgang Erster ist. Am Ende muss man als Erster durchs Ziel fahren", begründete das Rieder "Urgestein" den Unterschied anhand des alpinen Skisports.

Dass die Innviertler im Frühjahr mit vier Punkten Rückstand auf den vierten Tabellenstand abgestürzt und zuletzt vier Runden sieglos sind, dafür fühlt sich Glasner mitverantwortlich. "Wir haben sieben von zehn Tore nach Standards kassiert. Die Leistungen sind zwar jetzt auch nicht so schlecht, aber alles, was im Herbst knapp für uns lief, läuft jetzt eben gegen uns." Da er - wenn es nicht gut läuft - seine Meinung mal auch Trainer Paul Gludovatz kundtut, wird derzeit in der Rieder Kabine viel geredet und diskutiert.

Glasner sagt es eben heraus, wenn es einmal notwendig ist. Der Trainer will auch seinen Standpunkt hören und umgekehrt funktioniert es ebenfalls so. "Und manchmal ist es auch gescheiter, sich nicht so viel mit dem Warum und dem Gegner zu beschäftigen. Manche machen sich schon wieder verrückt, im Hinblick auf die großen Mattersburger und die Standards", meinte der Kapitän, der sich nicht so sehr zu seinem Jubiläum, sondern für die Anhänger einen Sieg wünscht: "Nach zwei Heimremis wollen wir den Fans drei Punkte schenken."

Der Leithammel hat seinen Vertrag in der Winterpause um ein Jahr bis Sommer 2012 verlängert. Was er nach dem Ende seiner Profikarriere machen wird, ist noch nicht entschieden. "Die Trainerlaufbahn würde mich schon reizen. Ich mache heuer meine Prüfung zur A-Lizenz", erzählte der Innenverteidiger, der das Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen hat. Neben Familie und Fußball engagiert sich Glasner auch für den "Round Table Club", für den er seit zehn Jahren Events organisiert. Der Reinerlös kommt sozial Benachteiligten in der Region zugute.

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