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Schalke wähnt sich aber noch nicht im Halbfinale © APA (epa)

Fußball spielt manchmal verrückt! Der Auftakt zu den Viertelfinal-Hinspielen in der Champions League am Dienstag war wieder so

Fußball spielt manchmal verrückt! Der Auftakt zu den Viertelfinal-Hinspielen in der Champions League am Dienstag war wieder so ein denkwürdiger Moment. Schalke zerlegte als Außenseiter Inter Mailand auswärts 5:2 und hat damit vor den Rückspielen ebenso die Türe zum Halbfinale angelweit aufgestoßen wie Rekordsieger Real Madrid, der CL-Debütant Tottenham Hotspur 4:0 aus dem Bernabeu-Stadion schoss.

14 Jahre nach dem UEFA-Cup-Triumph im Elferschießen an derselben Stelle gegen Inter rächte der ersatzgeschwächte deutsche Vizemeister den FC Bayern München, der kürzlich im Achtelfinale von den "Nerazzurri" eliminiert worden war. Nun stehen die Italiener, deren gesperrter Brasilianer Lucio in der diesmal desolaten Abwehr stark abging, selbst vor dem Aus. Seit Einführung der Champions League 1992/93 ist es noch keinem Titelverteidiger gelungen, den Triumph in der darauffolgenden Saison zu wiederholen. Bisher hat es noch jeden Sieger früher oder später erwischt. Inter scheint die Serie zu prolongieren.

Voreilige Gratulationen wiesen die "Königsblauen" aus Schalke jedoch zurück. Sie wissen, dass der Fußball manchmal eben verrückt spielen kann. Dem Wunder von Mailand müsste allerdings auch eines in Gelsenkirchen folgen, wo Inter einen 4:0-Sieg benötigt. "Solch einen Abend gibt es nur im Europacup", meinte Innenverteidiger Christoph Metzelder, der wegen eines Nasenbeinbruchs ausgefallen war. "Es war eine außergewöhnliche Leistung meiner Mannschaft. Wir haben einen großen Schritt gemacht, aber noch nicht den endgültigen", meinte der überglückliche Ralf Rangnick nach dem "größten Erfolg meiner Trainerkarriere".

Hätte ihm einer gesagt, dass seine Elf hier mit drei Toren Unterschied gewinnen würde, er hätte ihn für verrückt erklärt, gab der Nachfolger von Felix Magath zu und attestierte, dass das Spiel auch 10:5 oder 8:4 für Schalke hätte enden können. Dabei hatte nach 26 Sekunden alles "programmgemäß" begonnen. Inter war durch ein Traumtor von Dejan Stankovic, der nach eine Hechtkopfball-Abwehr von Torhüter Manuel Neuer vor dem Straftraum den Ball volley aus 51 Metern in die Maschen schoss, 1:0 in Führung gegangen. Die Gäste steckten diesen Schock überraschend gut weg.

Wie auch das 1:2, denn noch vor der Pause gelang der neuerliche Ausgleich. Unmittelbar nach dem Wechsel spielten sich die vielleicht entscheidenden Szenen ab. Diego Milito, der Inter im Mai 2010 in Madrid gegen Bayern mit zwei Toren zum finalen Triumph verholfen hatte, verjuxte eine 100-prozentige Chance und Augenblicke später verhinderte Neuer mit einer Glanztat nach einem Schuss des sonst farblosen Samuel Eto'o das 2:3. Danach nahm die Partie ihren Lauf zum bitteren Ende in Schwarz-Blau samt der gelbroten Karte für Cristian Chivu.

Fünf Treffer hatte S04 zuvor auf italienischem Boden noch nie erzielt. Eine solchen "Wahnsinn" hatte selbst Raul, der mit Real Madrid immerhin dreimal die Champions League gewonnen hat, noch nie erlebt. "Wir haben besseren Fußball gespielt und waren physisch stärker. Es war ein wunderbarer Abend. Ich freue mich, meinen Betrag dazu geleistet zu haben. Das Wichtigste ist aber, dass wir gewonnen haben. Es war ein wichtiger Schritt, aber noch nicht die Entscheidung", sagte er spanische Torjäger nach seinem 70. Treffer in der "Königsklasse" zum 3:2 und seinem insgesamt 72. im Europacup.

Schalke jubelte, Inter trauerte nach der zweiten Ohrfeige innerhalb von drei Tagen (Samstag 0:3 im Derby gegen AC Milan). "Wir haben zwei wichtige Spiele verloren, müssen aber jetzt zusammenhalten, vergessen und ruhigbleiben. Wir benötigen die Kraft auf dem Rasen. Wir haben gegenüber Samstag einiges geändert, aber die Balance hat immer noch gefehlt. Wenn man das heutige Spiel nimmt, dann ist es unvorstellbar, auswärts vier Tore zu erzielen. Im Fußball ist aber nichts unmöglich", resümierte der brasilianische Inter-Coach Leonardo.

Der Clubboss hält an ihm in der schwarzen Stunde fest. "Mein Glaube an ihn hat sich nicht geändert. Ich weiß, wie grausam der Fußball sein kann", erklärte Massimo Moratti. Eine ähnlich hohe Niederlage im europäischen Meister-Bewerb hatte Inter mit dem 1:5 gegen Arsenal im November 2003 kassiert.

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