vergrößernverkleinern
Trainer Riedl als Weltenbummler © APA (Archiv/epa)

Weltenbummler Alfred Riedl hat bei seinen Trainerstationen in Palästina, Ägypten, Vietnam oder Laos schon die eine oder andere

Weltenbummler Alfred Riedl hat bei seinen Trainerstationen in Palästina, Ägypten, Vietnam oder Laos schon die eine oder andere bizarre Erfahrung gemacht. Doch was sich derzeit rund um den indonesischen Fußball abspielt, stellt sogar für den kosmopolitischen Teamchef des südostasiatischen Landes alles bisher Dagewesene in den Schatten. "So ein Chaos habe ich nirgends erlebt", so der 61-Jährige.

Der seit Monaten schwelende Machtkampf um die Führung des Verbandes (PSSI) führte zu mehreren Massendemonstrationen in Jakarta, zu einer Spaltung der Profi-Liga und zuletzt sogar zu einem Einschreiten der FIFA. Der Weltverband installierte am Montag anstelle der bisherigen Verantwortlichen ein "Normalisierungs-Komitee". Dieses Gremium soll die Verbands-Geschäfte interimistisch leiten und die Abhaltung der zuletzt nach tumultartigen Szenen abgebrochenen Neuwahl der Verbandsspitze organisieren.

Was das für seine persönliche Zukunft bedeuten könnte, wagte Riedl nicht zu prophezeien. "Ich halte mich da raus, das ist eine verbandsinterne Angelegenheit. Ich glaube aber nicht, dass meine Position betroffen ist", sagte der Ex-ÖFB-Teamchef, der einen Vertrag bis Mai 2012 besitzt. "So lange meine Kompetenzen gewahrt bleiben, ändert sich für mich nichts. Im Allgemeinen ist diese Situation aber sehr schlecht für Indonesiens Fußball."

Bei Fans und Medien gilt der nun wohl abgesetzte Verbandschef Nurdin Halid als Hauptschuldiger für das Chaos. Der 52-Jährige fungiert seit 2004 als PSSI-Chef und leitete den Verband auch 2007 während eines Gefängnisaufenthalts wegen Korruption. "Er hat massiven Gegenwind. Bei Demos werden immer wieder Bilder von ihm angezündet, auf Plakaten wird er sogar als Hitler dargestellt", erzählte Riedl, der sich im Moment in Österreich aufhält und in rund zwei Wochen wieder nach Indonesien fliegen will.

Dort wird Halid für die zahlreichen Skandale um bestechliche Schiedsrichter in der indonesischen Super League verantwortlich gemacht. Vor allem der Ärger über korrupte Referees führte dazu, dass die Halid-Opposition rund um Öl-Tycoon Arifin Panigoro die indonesische Premier League (LPI) als Konkurrenz-Meisterschaft ins Leben rief. "Sie wird von Medien und Fans gut angenommen, aber ihre Qualität ist nicht so hoch wie die der Super League", sagte Riedl.

Drei Vereine aus der Super League schlossen sich der neuen Liga an, die restlichen 15 Clubs kommen aus unteren Klassen. Nur drei Spieler der LPI kämen derzeit laut Riedl fürs Nationalteam infrage - sie einzuberufen, würde jedoch eine Konfrontation mit der "alten" Verbandspitze nach sich ziehen, die den Wiener im Mai des Vorjahres nach Indonesien holte.

Aber in näherer Zukunft steht für die indonesische Auswahl ohnehin kein Spiel an, erst Ende Juli geht es in der WM-Qualifikation gegen Turkmenistan weiter. Davor plant Riedl im Mai mit der U23-Auswahl, für die er ebenfalls zuständig ist, im Hinblick auf die südostasiatische Meisterschaft im November ein mehrwöchiges Trainingslager in Steinbrunn - sofern dies die chaotische Situation im Verband seiner Wahlheimat überhaupt zulässt.

Doch Riedls Enthusiasmus für seinen Job in dem 240 Millionen Einwohner zählenden Land hat weder durch die unübersichtliche Lage noch durch eine - erfolgreiche - Nierentransplantation im März 2007 gelitten. "Ich fühle mich topfit, treibe fast jeden Tag Sport und denke gar nicht mehr an die Operation", betonte der Coach.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel