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Vier "Clasicos" in 18 Tagen © APA (Archiv/epa)

Dem Land des Welt- und Europameisters sowie den Fußball-Feinschmerkern außerhalb Spaniens winken in den nächsten Wochen

Dem Land des Welt- und Europameisters sowie den Fußball-Feinschmerkern außerhalb Spaniens winken in den nächsten Wochen innerhalb von 18 Tagen gleich vier "Clasicos" zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Denn nach den Duellen in der Primera Division und im nationalen Cup kündigen sich im Semifinale der Champions League zwei weitere Vergleiche (27.4. bzw. 3. Mai) dieser Starensembles an.

Nachdem Real am Dienstag mit dem 4:0 daheim gegen Tottenham Hotspur praktisch schon vor dem Rückspiel in London vor dem Aufstieg steht, wurden 24 Stunden später die Katalanen ihrer Favoritenrolle ebenfalls gerecht und fegten Schachtjor Donezk in einer flotten Partie 5:1 (2:0) aus dem Camp Nou. Trotz aller Aufstiegsvorzeichen ist es im Baca-Lager jedoch verboten, an das Semifinale und Real zu denken. "Wenn wir das machen, ist alles vorbei", warnte Andres Iniesta, der vor drei Tagen erstmals Vater geworden ist.

Der Mittelfeldspieler hatte mit seinem ersten Tor in der "Königsklasse" seit rund zwei Jahren den Trefferreigen nach 98 Sekunden eröffnet. "Das frühe 1:0 war wichtig und hat uns geholfen", sagte der stolze Papa einer Tochter. Der Goldtorschütze des WM-Endspiels 2010 in Südafrika sprach von einem fantastischen Resultat, mahnte aber vor dem Rückspiel in Donezk vor allzugroßer Euphorie: "Schachtjor hat hier etliche Torchancen herausgespielt, das sollte uns eine Warnung sein, uns nicht zu sicher zu fühlen."

Der Viertelfinal-Debütant steckte den frühen Rückstand durch Ineista weg, zeigte seine technischen wie spielerischen Qualitäten, war stets nach vorne orientiert, doch fehlte es im Abschluss an der Kaltschnäuzigkeit und letztlich in der Defensive an Konzentration und auch Klasse, um die Kreise von Messi und Co. zu stören. "Ich bin zufrieden und glücklich. Aber wir haben alle gesehen, was die Ukrainer drauf haben und es gibt noch ein Rückspiel. Wir müssen auf dem Boden bleiben", meinte Barca-Trainer Josep Guardiola resektvoll über den Gegner, der in seiner neuen Donbass Arena seit 15 CL-Spielen ungeschlagen ist.

Guardiola erinnerte an den nationalen Cup, als seine Mannen im Jänner im Viertelfinale Betis Sevilla 5:0 deklassierten und dann in Andalusien im Rückspiel nach zehn Minuten 0:2 zurücklagen und 1:3 verloren. Während sich der Barca-Trainer Gedanken über das Rückspiel machte, ärgert sich sein Kollege über das manchmal naive Defensiv-Verhalten seiner Elf. "Wir haben Fehler begangen wie eine Schülermannschaft, die schlugen sich im Resultat nieder. Mit diesem Rückstand ist die Sache schon entschieden", resümierte der Rumäne Mircea Lucescu, der mit einem 1:5 nicht gerechnet hatte.

Die meiste Spannung im Viertelfinale haben zur "Halbzeit" Chelsea FC und Manchester United aufgerecht erhalten. Dem Einzug in die Runde der letzten vier, wo voraussichtlich Inter-Bezwinger FC Schalke 04 warten würdem näher gekommen sind die "Red devils", die vor den Augen von Österreichs UEFA-Delegiertem Georg Pangl (Bundesliga-Vorstand) mit dem 1:0 den ersten Erfolg an der Stamford Bridge seit 2002 oder nach zehn Partien (0-4-6) feierten. Matchwinner im 159. Duell der Insel-Giganten war Wayne Rooney, der in der 24. Minute eine mustergültige Ryan-Giggs-Vorlage verwertete.

"Wayne ist in ausgezeichneter Form. Er hat uns mit seinem fantastischen Tor eine wirklich große Aufstiegschance eröffnet. Er musste Beschimpfungen und Attacken über sich ergehen lassen, hat alles weggesteckt und nur gespielt. Und das gut", lobte ManU-Coach Alex Ferguson seinen Stürmer, der sich diesmal als braver Musterknabe gezeigt hat. Der schottische Trainer ist überzeugt, dass es in Old Trafford nochmals ein "ganz enges Spiel" wird. Am Mittwoch gewannen die Gäste auch aufgrund ihres stärkeren Mittelfeldes, das die Gegner gut in Schach hielt.

Fernando Torres, der nur die Stange traf, Didier Drogba, Frank Lampard, der in seinem 500. Pflichtspiel für die "Blues" Patrice Evra auf der Linie anschoss, Michael Essien und Co. machten kaum einen einen Stich, sie wirkten in der Neuauflage des Moskauer CL-Finales von 2008 (6:5 im Elferschießen für ManU) zeitweise harm-, rat-, ideen-, systemlos. Fast gelähmt, so dass sich der russische Mäzen Roman Abramowitsch auf der Ehrentribüne seine Haare raufte. Nur kurz vor und nach der Pause sowie im Finish, als die Hausherren zur Schlussoffensive bliesen, keimte Hoffnung auf. Aber letztlich erwies sich alles als Strohfeuer.

Nach seinem 100. Spiel auf Chelseas Trainerbank haderte Carlo Ancelotti mit dem Schicksal und vor allem mit der Szene in der Nachspielzeit, als Evra im ManU-Strafraum Ramires regelwidrig gestoppt hatte. "Das war ein klarer Elfmeter, jeder hat das gesehen. Unser Nachteil war, dass das Foul in der letzten Minute passiert ist und da ist es für den Referee nicht immer leicht, auf den Punkt zu zeigen. Dazu benötigt man Mut und Persönlichkeit", meinte der enttäuschte Italiener und dachte schon an Old Trafford: "Es wird schwierig, wir müssen dort gewinnen. Wir haben aber genügend Selbstvertrauen, es zu schaffen. United hat eine Chance herausgespielt und daraus ein Tor gemacht. Das können wir auch. Es wird taktisch ganz anders aussehen."

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