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2005 war Ronaldinho der Held im "El Clasico" © APA (Archiv/epa)

Kaum ein Fußball-Duell hat mehr denkwürdige Geschichten geschrieben als jenes zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. In den

Kaum ein Fußball-Duell hat mehr denkwürdige Geschichten geschrieben als jenes zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. In den kommenden drei Wochen treffen die beiden Topclubs gleich viermal aufeinander. Nicht zu Unrecht trägt die Begegnung in Spanien den Beinamen "El Clasico".

Während Real als Symbol für den spanischen Nationalismus herhalten muss, gilt Barca seit den 1930er Jahren auch als Symbol für den katalanischen Widerstand gegen die Zentralmacht in Madrid - die legendärsten Aufeinandertreffen zweier Fußball-Ideologien:

Erstes Duell: Im spanischen Cup-Halbfinale treffen Real und Barcelona am 13. Mai 1902 erstmals aufeinander. Barca triumphiert 3:1, unterliegt aber in weiterer Folge im Endspiel einer Baskenland-Auswahl.

Diktierte Niederlage: Die Ressentiments der Franco-Diktatur spüren die Katalanen am 13. Juni 1943 auch auf dem Fußball-Platz. Die Barca-Spieler werden beim Cup-Rückspiel in Madrid in der Kabine von der Polizei bedroht, um absichtlich zu verlieren. Sie tun es - und wie. Nach dem unter offensichtlichem Protest zustande gekommenen 1:11 werden mehrere Barca-Akteure gesperrt.

Das Ende einer Ära: Fünf Meistercup-Siege in Serie hatte Real Madrid von 1956 bis 1960 geholt. Das erste Team, das das "Weiße Ballett" in Europa zu Fall bringt, ist ausgerechnet der Erzrivale. Nach einem 2:2 im Hinspiel triumphiert Barca im Rückspiel zu Hause 2:1. Der Titelverteidiger ist ausgeschieden - und das in Runde eins.

Magischer Cruyff: Barcelona durchbricht einmal mehr die Dominanz von Real. Inspiriert vom großen Niederländer Johan Cruyff, den auch die Königlichen gerne geholt hätten, siegt Barca am 17. Februar 1974 im Bernabeu-Stadion in Madrid 5:0 und bringt sich damit auf den Weg in Richtung Meisterschaft.

Der österreichische "Pichichi": Genau fünf Jahre später, am 17. Februar 1979, erzielt Hans Krankl als bisher einziger Österreicher einen Treffer in "El Clasico". Der Wiener besorgt beim 2:0-Heimsieg der Katalanen das 1:0 und holt sich in weiterer Folge mit 29 Treffern die Torjäger-Krone.

Madrid schlägt zurück: Cruyff ist längst Barcelona-Trainer, erleidet am 7. Jänner 1995 im Bernabeu aber eine seiner bittersten Niederlagen überhaupt - 0:5. Der Chilene Ivan Zamorano markiert vor der Pause einen Hattrick, Real holt sich beflügelt von dem Triumph seinen ersten Meistertitel seit 1990.

Champions League: Im Champions-League-Halbfinale 2002, von dem Medien zum "Duell des Jahrhunderts" hoch stilisiert, eliminiert Real mit französischen Superstar Zinedine Zidane den Erzrivalen 2:0 (a) und 1:1 (h). Das 2:0 im Hinspiel ist der ersten Sieg der Madrilenen in Barcelona seit 19 Jahren. Real gewinnt in weiterer Folge seine bis dato letzte Champions League.

Schweinskopf-Wurf: Der 23. November 2002 ist nicht wegen des Ergebnisses (0:0) in Erinnerung. Im Mittelpunkt steht Luis Figo, der zwei Jahre zuvor für die Rekordablöse von 56 Millionen Euro von Barcelona zu Real gewechselt ist. Der Portugiese wird im Camp Nou von den Barca-Fans mit zahlreichen Gegenständen beworfen, darunter - legendär - mit dem Kopf eines Spanferkels.

Stehende Ovationen: Eine besondere Ehre wird Barca-Star Ronaldinho zuteil, der sein Team am 19. November 2005 in Madrid mit zwei Toren zu einem 3:0-Sieg führt. Der Brasilianer wird dafür von den Real-Fans als erst zweiter Spieler des Erzrivalen nach Diego Maradona mit Standing Ovations gewürdigt.

Demütigungen am laufenden Band: In der jüngeren Vergangenheit hat Barcelona im "El Clasico" das Sagen. Die fünf vergangenen Duelle haben die Katalanen allesamt gewonnen. Real-Fans in traumatischer Erinnerung sind unter anderem eine meisterschaftsentscheidende 2:6-Heimpleite am 2. Mai 2009 sowie ein 0:5 am 29. November 2010 im ersten von nun fünf Saisonduellen.

Nun ist es wieder perfekt! Das Land des Welt- und Europameisters Spanien und mit ihm die ganze Fußball-Welt darf sich nach dem Aufstieg von Real Madrid und FC Barcelona ins Semifinale der Champions League auf insgesamt vier "Clasicos" innerhalb von 18 Tagen bis Anfang Mai freuen. In der ewigen Bilanz führt das Weiße Ballett nach 209 Duellen bei 42 Remis knapp mit 85:82 Siegen.

Die 210. Auflage steigt bereits am Samstag (22.00 Uhr/live laola1.tv) in der 32. Runde der Primera Division. Vor dem Spiel im Madrider Bernabeu-Stadion liegt der Titelverteidiger acht Punkte vor dem Hausherren. Am Mittwoch (21.30 Uhr/live ZDF) folgt dann im Mestalla von Valencia das nationale Cupfinale, ehe es am 27. April in Madrid und am 3. Mai (jeweils 20.45 Uhr) im Camp Nou um den Einzug ins Londoner Finale der Champions League (28. Mai) geht.

In der europäischen "Königsklasse" (3:2 Siege), in der Primera Division (68:63) und im nationalen Supercup (5:2) führen jeweils die Hauptstädter. Der große Rivale aus Katalonien liegt im spanischen Cup (14:9) und im nationalen Ligacup (2:0) vorne. Barca hat allerdings die vergangenen fünf Duelle gegen den Rekordmeister allesamt auf teils beeindruckende Art und Weise gewonnen. Die Madrilenen warten seit 7. Mai 2008 (4:1 daheim) auf einen vollen Erfolg.

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