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Schalke sorgte für eine Sensation © APA (dpa)

Der FC Schalke 04 und Real Madrid haben am Mittwoch wie Manchester United und der FC Barcelona 24 Stunden zuvor verdient das

Der FC Schalke 04 und Real Madrid haben am Mittwoch wie Manchester United und der FC Barcelona 24 Stunden zuvor verdient das Semifinale der Champions League erreicht. Das Quartett kam jeweils mit zwei Siegen über die Runde der letzten acht hinweg, wobei die Deutschen gegen Inter Mailand für die Sensation sorgten. Sie ließen dem 5:2 von San Siro in Gelsenkirchen ein 2:1 (1:0) folgen.

Die "Knappen" zogen erstmals in ihrer Clubgeschichte ins Halbfinale der "Königsklasse" ein und bekommen es nun am 26. April (daheim) und am 4. Mai (auswärts) mit Manchester United zu tun, während Real und Barca am 27. April (h) und am 3. Mai (a) zu den Duellen in der spanischen Primera Division (Samstag) und dem nationalen Cup-Finale (20. April) zwei weitere "Clasicos" in dieser Saison bestreiten. Da CL-Endspiel steigt heuer am 28. Mai im Londoner Wembley-Stadion.

Die Gazetten nördlich und südlich der Alpen hatten für Schalke und Inter lobende bzw. weniger freundliche Kritiken parat. Das deutsche Fachmagazin "kicker" schrieb: "Reifezeugnis für Ralf Rangnicks Helden!" Die Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung meinte in Anspielung auf den spanischen Torschützen, der die 1:0-Führung mit seinem 73. Streich im Europacup fixiert hatte, über den "königsblauen Wahnsinn: Ganz Schalke tanzt den Rock 'n' Raul". "Der Westen" stellte mit Freude fest: "Das Herz des deutschen Fußball schlägt im Revier!"

In den italienischen Zeitungen wurde mit dem Titelverteidiger, dem ein Jahr nach dem Triumph wie bisher allen CL-Gewinner der Fluch des vorzeitigen K.o. ereilt hatte, und dessen brasilianischen Trainer Leonardo abgerechnet. "Game over - Endstation. Nach der Demütigung folgte die nächste Pleite. Das war das Ende einer Ära", befand "La Gazzetta dello Sport". "Tuttosport" ("Inter, die Geschichte ist vorbei"), "Corriere dello Sport" ("Inter ergibt sich") oder "La Repubblica" ("La Grande Inter ist am Ende") fanden ähnliche Überschriften.

Rangnick, dessen ManUnited-Kollege Alex Ferguson auf der Tribüne saß, bezeichnet die starke Defensive mit zwei "Sechsern" davor als Schlüssel zum neunten CL-Spiel in Serie ohne Niederlage und wagte auch schon einen Blick auf das Semifinale. "Das ist etwas Außergewöhnliches für uns. Gegen ManU beginnen wir wie gegen Inter bei Null - natürlich als klarer Außenseiter. Doch auch hier ist alles möglich, und wenn alles nach Plan läuft, können wir das Finale erreichen", meinte der Nachfolger von Felix Magath.

Inter-Coach Leonardo, der erst zur Jahreswende das Zepter der "Nerazzurri" übernommen hat, gab als großen Unterschied der zwei Teams die Chancen-Auswertung an. "Schalke hat die Möglichkeiten genützt, Inter nicht. Dazu haben bei uns viele Kleinigkeiten nicht gestimmt. Man verliert nicht wegen eines einzigen Fehlers", resümierte der Brasilianer. Es sei schade, dass Inter in der entscheidenden Phase der Saison ein paar Probleme habe. Im Vorjahr hatte Inter noch alles gewonnen, was es zu gewinnen gab.

Damals hießt der Feldherr Jose Mourinho, der heuer Real erstmals seit acht Jahren in die Vorschlussrunde der Champions League führte. Beim 1:0-Erfolg an der White Harte Lane saß der Portugiese zum 500. Mal in seiner Karriere auf der Trainerbank und sah wie Tottenhams Keeper Heurelho Gomes ihm und seinen Mannen nach dem 4:0 in Madrid ein Geschenk bereitete. Der Brasilianer ließ nach einen Weitschuss mitten aufs Tor den Ball zwischen seine Arme über die Linie springen.

Der Groll der "Heißsporne", die erstmals in der Geschichte der Champions League (seit 1992/93) das Viertelfinale erreicht hatten, hielt sich in Grenzen. "Es war eine ausgeglichene Partie, das Tor bitter. Aber Gomes hat uns schon oft ein Spiel gerettet", sagte Trainer Harry Redknapp und Flügelflitzer Gareth Bale sprach von "einer tollen Saison für den Verein". Man habe gesehen, dass Tottenham mit Großen mithalten zu könne, meinte der Waliser, der jetzt in der Premier mit Van der Vaart und Co. abermals den vierten Tabellenplatz anstrebt.

"Wir haben so gespielt, wie es die Situation erforderte. Aber das Finale des spanischen Cups und das Halbfinale der Champions League zu erreichen, ist definitiv noch keine erfolgreiche Saison", sagte Mourinho. Im Halbfinale könne alles passieren, daran zu denken, dafür habe man jetzt noch keine Zeit. Das Barca-Lager stichelte auch schon. "Einen Clasico, den in der Liga, kann Real ruhig gewinnen, weil wir acht Punkte Vorsprung haben. Wenn es aber um die Titel geht, dann schlagen wir zu", ließ Verteidiger Gerard Pique wissen.

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