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Barisic mit seinem möglichen Nachfolger Schöttel © APA (Pfarrhofer)

Drei Spiele, drei Siege. Unter Interimscoach Zoran Barisic scheint Österreichs Fußball-Rekordmeister Rapid Wien wieder zu alter

Drei Spiele, drei Siege. Unter Interimscoach Zoran Barisic scheint Österreichs Fußball-Rekordmeister Rapid Wien wieder zu alter Stärke zu finden. Wenn dieser Höhenflug anhalten sollte, dann ist für die Hütteldorfer sogar noch das Double möglich. Doch solche Worte hört man derzeit nur von euphorischen Fans, für den Trainer und die Spieler sind sie noch tabu.

"Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft. Trotzdem schauen wir weiterhin nur von Spiel zu Spiel - und das nächste ist das gegen Salzburg daheim", betonte Barisic unmittelbar nach dem 4:1-Heimerfolg über Wiener Neustadt, dass die volle Konzentration nun bereits dem Schlagerspiel am kommenden Sonntag gegen den Titelverteidiger gelte.

Rapid-Kapitän Steffen Hofmann gab zwar zu Protokoll, dass sich der ganze Verein zwei Wochen nach der fristlosen Entlassung von Cheftrainer Peter Pacult "momentan in Aufschwung" befinde, "aber das ist normal, wenn man drei Spiele in Folge gewinnt". Der Rückstand auf Sturm betrage aber noch immer vier Punkte. Und sollte die Austria am Ostersonntag zum Abschluss der 30. Runde in Ried gewinnen, dann würden weiter fünf Zähler auf die Spitze fehlen. "Das ist eine ganze Menge", mahnte Hofmann.

Außerdem verwies der Spielmacher darauf, dass es bisher keiner der Titelanwärter geschafft habe, konstant gut zu spielen. "Wir haben so eine Saison noch nicht erlebt. In einer Woche gewinnt man und ist knapp an der Spitze dran, in der nächsten Woche verliert man und es wird einem nicht einmal mehr ein internationaler Startplatz zugetraut", erklärte Hofmann, der sein 15. Freistoßtor für Rapid markierte. Mit bereits 19 Saisontreffern aus Standardsituation ist Rapid die Nummer eins der Liga.

Wiener-Neustadt-Coach Peter Schöttel, der in der kommenden Saison Rapid-Trainer sein könnte, ist nicht zuletzt deshalb überzeugt, dass die Grün-Weißen bis zum Ende ganz vorne mitmischen werden. "Im Hanappi-Stadion werden viele Freistöße gegeben, und Steffen schießt sie auch hervorragend. Deshalb wird Rapid auch bis zum Ende im Titelrennen bleiben", lautete die Prognose von Schöttel, der damit auch Kritik an den Unparteiischen übte.

"Die 15.600 Fans haben nicht nur uns beeindruckt. Wir fühlen uns vom Schiedsrichter benachteiligt. Das 1:0 war ein Abseitstor. Vor dem 2:0 haben sich die Wege der Rapid-Spieler Patocka und Katzer gekreuzt und der Schiedsrichter auf Elfer entschieden. Und beim 3:0 gab es wieder eine Abseitsstellung, die nicht geahndet wurde", sprach Schöttel die drei umstrittenen Szenen an, die zur klaren Führung von Rapid und schlussendlich zur dritten Wiener-Neustadt-Niederlage in Serie geführt hatten.

Gleichzeitig kritisierte der 44-Jährige seine Mannschaft, die knapp 70 Minuten lang keine einzige Torchance kreiert hatte: "Wir haben uns zu brav präsentiert, das war zu wenig." Schöttel war jedoch nicht der einzige Coach, der an diesem Abend mit der Offensivleistung seines Teams unzufrieden war. "Wir haben noch viel Potenzial nach oben, vor allem im Offensivspiel", weiß Barisic, dass im spielerischen Bereich noch viel Arbeit auf ihn wartet.

In den knapp zwei Wochen unter seiner Führung hat es aber Rapid bereits geschafft, sich in der Defensive zu stabilisieren. Tormann Helge Payer war zwar "brennheiß" wegen des Gegentreffers im Finish, es ist aber der bisher einzige, den er unter dem neuen Cheftrainer hat hinnehmen müssen. "Wir müssen uns Schritt für Schritt verbessern. Der erste Schritt war der im Spiel gegen den Ball", erläuterte Barisic, dass sein Hauptaugenmerk zu Beginn dem Abwehrverhalten gegolten hatte.

Auffälligster Rapid-Akteur beim Sieg über Wr. Neustadt war jedoch kein Verteidiger oder Doppel-Torschütze Hamdi Salihi (vierter Saison-Doppelpack), sondern "Staubsauger" Stefan Kulovits, der schon beim 3:0-Erfolg vor einer Woche in Innsbruck und beim 2:0-Heimsieg am Mittwoch im Cup-Viertelfinale gegen Mattersburg positiv aufgefallen war. Eine Steigerung, die für Barisic nicht von ungefähr kommt: "Stefan Kulovits ist schon sehr lange bei Rapid. Er war zweimal Meister und ist für mich einer der meist unterschätzten Spieler. Er hat jetzt dreimal bewiesen, was in ihm steckt. Ich bin sehr zufrieden mit ihm, aber ich erwarte mir - wie von allen anderen Spielern auch - noch mehr."

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