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Messi entschied das Spiel mit individueller Klasse © APA (epa)

Schon zur Semifinal-"Halbzeit" der Champions League 2010/11 zeichnet sich für 28. Mai im Londoner Wembley eine Neuauflage des

Schon zur Semifinal-"Halbzeit" der Champions League 2010/11 zeichnet sich für 28. Mai im Londoner Wembley eine Neuauflage des Finales von 2009 zwischen Manchester United und dem FC Barcelona ab. Wie die Engländer AufSchalke setzten sich auch die Katalanen beim Erzrivalen Real Madrid 2:0 durch. Im 212. "Clasico" avancierte Lionel Messi mit seinem Doppelschlag (76., 87.) im Finish zum Matchwinner.

Der kleine Argentinier war vor über 71.000 Zuschauern der Größte in einer Partie, die nur wenig Fußball bot, aber von einer Menge Rivalität, Emotion, Provokation, Aggressivität und vor allem Taktik geprägt war. Nach dem 1:1 in der Primera Division und dem 1:0 für Real im nationalen Cup ging Barca als verdienter Sieger vom Platz, auf dem lange Zeit Rasenschach mit 77 Prozent Ballbesitz für die Gäste zu sehen gewesen war.

Am Ende siegte der Fußball über die Mauertaktik. Real-Coach Jose Mourinho suchte die Schuld für die Niederlage nicht bei sich selbst, sondern beim Schiedsrichter und anderen. "Gratulation an ein fantastisches Fußball-Team. Das Rückspiel wird sehr schwer. Es ist nicht nur eine sehr schwere, sondern eine unmögliche Mission. Barca wird ins Finale einziehen", meinte der enttäuschte Real-Trainer, der sich für das nächste Gipfeltreffen etwas einfallen lassen muss.

Sein Torhüter Iker Casillas schätzte die Ausgangslage für das Rückspiel etwas optimistischer ein. "Das Ding ist noch nicht entschieden. Natürlich wird es jetzt schwer, aber es ist noch nicht vorbei. Wir werden kämpfen und alles geben. Im Fußball gibt es immer wieder Überraschungen", glaubt der 29-jährige Real-Kapitän. Cristiano Ronaldo kritisierte die Taktik seiner Elf. "Die liegt mir nicht, aber ich muss mich anpassen", sagte der Star, der seine Mitspieler wiederholt aufforderte, nach vorne aufzurücken.

Der Portugiese klammert sich aber ebenfalls an einen Strohhalm. "Im Fußball kann alles passieren, aber wir wissen, dass es verdammt schwer wird", meinte Ronaldo. Die "Königlichen" haben im Europacup erst ein einziges Mal nach einer Heimniederlage in der K.o-Phase noch den Aufstieg geschafft. Das war 1970/71 in der zweiten Runde des Europacups der Cupsieger gegen Wacker Innsbruck. Einem 0:1 in Madrid folgten damals ein 2:0 auf dem Tivoli und ein Happy End.

Mourinho, der seinen Kollegen als Coach und Mensch respektiert, würde seinen Widerpart gerne sehen, wie er die Champions League ohne Skandal gewinnt. Pep Guardiola wollte auf die Kommentare des Portugiesen nicht eingehen. "Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht, vor allem in der zweiten Hälfte. Wir haben Fußball gespielt und sind mit dem Resultat natürlich zufrieden", resümierte der Barca-Trainer, und Xavi meinte: "Wir haben den Ausschluss genutzt, waren in allen Belangen richtig gut, deshalb haben wir auch verdient gewonnen."

Mourinho hatte im dritten "Clasico" innerhalb von 18 Tagen mit einer defensiven Variante versucht, den designierten Meister zu einem offensiven Stil einzuladen. Doch die Taktik ging nicht auf, die Katalanen spielten nicht mit, sondern ließen geschickt Ball und Gegner laufen. Torchancen waren hüben wie drüben Mangelware. Erst nach dem Pausenpfiff kam Farbe ins Spiel, Barcas Ersatzkeeper Jose Pinto sah nach Tumulten mit Handgreiflichkeiten beim Abgang Rot.

Nach dem Wechsel erhielt Ramos nach Foul an Messi Gelb und ist damit für das Rückspiel am Dienstag im Camp Nou gesperrt. Acht Minuten später flog Pepe nach einem Foul an Dani Alves vom Platz, wird somit ebenfalls ausfallen. Und weil sich Mourinho über den Ausschluss unmissverständlich gestikulierend aufgeregt hatte, musste der Trainer auf die Tribüne. Wieder einmal in Unterzahl war Real gegen den großen Rivalen aus dem Osten chancenlos. "Der Ausschluss war nicht der Schlüssel zum Erfolg. Vielmehr hat Real in den ersten 60 Minuten nicht versucht, Fußball zu spielen", befand Verteidiger Gerard Pique.

Real hatte an diesem Abend vor allem keinen Mann von der individuellen Klasse von Messi. Der Superstar, der vor seinem zweiten Streich ein 40-Meter-Solo hingelegt hatte, erhöhte sein Saisonkonto auf 52 Tore. Der 23-jährige "Floh" hat nun in der "Königsklasse" in elf Spielen elfmal getroffen und befindet sich auf bestem Weg zum dritten Titel eines Torschützenkönigs in Serie und zum nächsten Rekord. In der Champions League hält der Niederländer Ruud van Nistelrooy mit einem Dutzend Toren für Manchester United in einer Saison (2002/03) die Bestleistung. "Es ist ein Glücksfall, dass wir ihn haben, dass er einer von uns ist", lobte Guardiola seinen Matchwinner.

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