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Sprach von Verschwörung © APA (epa)

Aus der großen sportlichen Rivalität zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona ist seit dem dritten direkten Duell binnen elf

Aus der großen sportlichen Rivalität zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona ist seit dem dritten direkten Duell binnen elf Tagen eine erbitterte Feindschaft geworden. Die Kommentare von Real-Trainer Jose Mourinho nach der 0:2-Heimniederlage am Mittwoch gegen die Katalanen im Semifinal-Hinspiel der Champions League haben nicht nur ein Disziplinar-Verfahren der UEFA zur Folge.

Auch Barcelona reichte bei der Europäischen Fußball-Union eine offizielle Beschwerde gegen den Portugiesen ein. Die Madrilenen antworteten wiederum mit einer Klage gegen Barca.

Mourinho hatte nach dem Spiel eine Verschwörung zwischen Barcelona, UEFA und dem Kinderhilfswerk Unicef geortet und über den Champions-League-Sieg von Lionel Messi und Co. 2009 gemeint, er hätte sich an der Stelle von Barca-Coach Josep Guardiola dafür geschämt.

Der Real-Betreuer, der im Vorjahr als Inter-Mailand-Trainer auch dank kontroversieller Schiedsrichter-Entscheidungen in beiden Spielen gegen Barcelona ins Finale aufgestiegen war, sprach in diesem Zusammenhang von einem "Skandal" im Semifinal-Rückspiel zwischen Barca und Chelsea vor zwei Jahren.

Dies wollten die Katalanen nicht mehr auf sich sitzen lassen. "Herr Mourinho hat eine Grenze überschritten und gegen den Disziplinar-Code der UEFA verstoßen. Es ist inakzeptabel, dass jemand unsere Titel oder unsere Verbindung mit Unicef infrage stellen kann. Trainer sollten über Fußball-spezifische Angelegenheiten sprechen und nicht über Dinge, die Gewalt erzeugen können", erklärte Barcelona-Sprecher Toni Freixa am Donnerstagabend nach einer außerordentlichen Sitzung der Clubführung.

Die Reaktion von Real folgte wenig später. In einer offiziellen Stellungnahme sagten die Madrilenen Mourinho ihre Unterstützung zu und kündigten an, der UEFA ein Dossier über das angebliche Simulantentum der Barcelona-Spieler zu übergeben. Mittlerweile warnte Barcelona-Vizepräsident Carles Vilarrubi vor einem "ernsthaften institutionellen Konflikt zwischen beiden Clubs".

Am kommenden Freitag steigen in der UEFA-Zentrale in Nyon die Hearings von Mourinho sowie von Real-Verteidiger Pepe und Barca-Ersatzgoalie Pinto, die am Mittwoch ausgeschlossen wurden. Real muss sich auch für die zahlreichen Wurfgeschoße, die in dem hasserfüllten Duell im Bernabeu-Stadion aufs Feld flogen, verantworten.

Unterdessen versagen Mourinho bei seinem Feldzug gegen Barcelona prominente Trainerkollegen die Unterstützung. Arsenal-Coach Arsene Wenger oder Chelsea-Betreuer Carlo Ancelotti verwiesen dessen Verschwörungstheorie ins Reich der Fantasie. Der Präsident des Spanischen Olympischen Komitees (COE), Alejandro Blanco, klagte: "Mourinho hat alle Werte des Vereins über Bord geworfen". Die Pressekonferenz des Trainers nach dem Spiel sei "grotesk" gewesen.

Angesichts der angespannten Situation tritt der Kampf um den spanischen Meistertitel in den Hintergrund. Real muss am Samstag daheim gegen Abstiegskandidat Real Saragossa unbedingt gewinnen, damit der Rückstand von acht Punkten nicht noch größer wird. Spitzenreiter Barcelona steht mit dem Auswärtsspiel gegen Real Sociedad vor der schwierigeren Aufgabe. Beide Spitzenclubs werden im Hinblick auf das Champions-League-Rückspiel am Dienstag im Camp Nou wohl nur mit einer B-Mannschaft antreten.

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