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Am Boden liegende Madrilenen wollen alles geben © APA (epa)

Real Madrid hat vor dem scheinbar aussichtslosen Semifinal-Rückspiel am Dienstag in der Champions League gegen den FC Barcelona

Real Madrid hat vor dem scheinbar aussichtslosen Semifinal-Rückspiel am Dienstag in der Champions League gegen den FC Barcelona die Geister glorreicher Fußball-Zeiten vergangener Jahre beschworen. Die Website der Madrilenen zeigte im Vorfeld des 213. "Clasico" Bilder, wie Zinedine Zidane und Co am 23. April 2002 ihren 2:0-Sieg im Camp Nou feierten.

Damit hatten sie mit dem späteren 1:1 im Rückspiel am 1. Mai die Basis ins Endspiel und ihren neunten und bisher jüngsten Triumph in der "Königsklasse" gelegt. Im Finale in Glasgow triumphierten die Madrilenen gegen Bayer Leverkusen dann 2:1. Zwei Tore am Dienstag im Stadion des Erzrivalen wie einst im April wären nach dem hitzigen 0:2 vor einer Woche in Bernabeu, wo Hektik, Härte, Taktik und verbale Attacken die Atmosphäre zusätzlich anfachten, wo letztlich aber dank des Doppelpacks von Lionel Messi doch der Fußball des FC Barcelona siegte, diesmal aber zu wenig.

Um zum insgesamt 13. Mal ins Finale, das heuer am 28. Mai in London-Wembley stattfindet, einzuziehen, müssten drei Tore her. "Jedem ist klar, dass es schwer wird, aber keiner von uns gibt die Hoffnung auf", steht auf der Real-Homepage unter den historischen Bildern aus dem Jahre 2002. Seit damals gelang Real übrigens kein Auswärtssieg in der K.o.-Phase mit zumindest zwei Treffern Differenz. Barca hat aktuell die jüngsten neun CL-Partien vor eigenem Publikum (28:4 Tore) mit einer Ausnahme (1:0 im Semifinale 2010 gegen Inter Mailand mit Trainer Mourinho) mit mindestens zwei Treffern Unterschied gewonnen.

"Die zwei Finalisten stehen jetzt noch nicht fest. Keiner weiß, was in den Rückspielen noch passieren wird. Wir treten im Camp Nou an, um in einem Monat im Endspiel zu stehen", versicherte Kapitän und Reals Torhüter Iker Casillas vor dem achten Europacup-Duell mit den Katalanen, vor dem das Weiße Ballett knapp die Nase (3-2-2/12:9 Tore) vorne hat. Der Brasilianer Kaka, der mit Real die Generalprobe am Wochenende daheim gegen Real Saragossa 1:2 verloren hatte, meinte: "Wir wollen ein großes Spiel zeigen, Real gibt nie ein Spiel auf."

"Bis zum Umfallen kämpfen" versprach Gonzalo Higuain. "Was Barca bei uns geschafft hat, können auch wir in Barcelona erreichen. Wir sind so stark und werden alles versuchen, um dort zu gewinnen", kündigte der Stürmer an. "Wir befinden uns in einer schwierigen Lage, aber sind hoffnungsfroh, werden versuchen einen guten Job abzuliefern und streben einen Sieg an", sagte der ebenso wie Pepe gesperrte Verteidiger Sergio Ramos.

Reals Generaldirektor Jorge Valdano versprühte ebenfalls Zuversicht: "Madridismo glaubt immer an Comebacks. Wenn ein Club Heldentaten gesetzt hat, dann war es Real!" Trainer Jose Mourinho, der nach dem Hinspiel die Nerven verloren hatte und die Schuld bei allen anderen nur nicht bei sich selbst gesucht hatte, hielt sich mit Kommentaren und Prognosen zurück. Der 48-Jährige, gegen den die UEFA ermittelt, muss sich für das Rückspiel etwas anderes als eine Mauertaktik, die im Hinspiel nicht aufgegangen war, einfallen lassen.

Der spanische Cupsieger benötigt Tore und nochmals Tore, um ins Finale einzuziehen. Der "Special One" muss nach seiner Verbannung von der Trainerbank im Hinspiel am Dienstag auf der Tribüne Platz nehmen. Der 48-Jährige, über den erst am Freitag in Nyon gerichtet wird, darf nicht in den Innenraum. Sobald die Real-Delegation am Dienstag die Arena betritt, ist Mourinho jeglicher Kontakt zu Spielern und Betreuern untersagt.

Wenn Cristiano Ronaldo, Raul Albiol, Angel Di Maria und Emmanuel Adebayor eine weitere Gelbe Karte erhält, würden sie im Falle des Finaleinzugs gesperrt sein. Im Barca-Lager lauert eine solche Gelbsucht nicht, dafür hat Josep Guardiola andere Sorgen. Abgesehen davon, dass Ersatztorhüter Jose Manuel Pinto, der beim Abgang zur Pause im Hinspiel handgreiflich wurde, gesperrt ist, stehen Gabriel Milito, Bojan Krkic, Eric Abidal, Maxwell, Adriano (alle verletzt) und Verteidiger Martin Montoya, der sich am Wochenende in San Sebastian gegen Real Sociedad das Schlüsselbein gebrochen hat, nicht zur Verfügung.

Dafür sieht es bei Andres Iniesta gut aus. Der wichtige Mittelfeldspieler, der vor einer Woche wegen einer Wadenblessur kurzfristig ausgefallen war und wichtiger Bestandteil des gefürchteten Kurzpassspiels ist, nahm am Sonntag-Training teil. Barca-Präsident Sandro Rosell rief die Fans auf, am Dienstag gutes Benehmen an den Abend zu legen. "Unsere Anhänger zeichnet gutes Verhalten aus, das sollen sie am Dienstag zeigen, wenn alle Augen auf uns gerichtet sind. Die Fans sollen unsere Mannschaft unterstützten und alles andere vergessen", appellierte der Chef des dreifachen CL-Triumphators (zuletzt 2009), der vor dem sechsten Einzug ins Finale steht.

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