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Der Ex-Sturm-Präsident steht vor Gericht © APA (Archiv/Leodolter)

Am Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Hannes Kartnig und seine sieben Mitbeschuldigten aus dem Umfeld

Am Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen Hannes Kartnig und seine sieben Mitbeschuldigten aus dem Umfeld des Fußball-Bundesligisten Sturm Graz fortgesetzt worden. Dem Ex-Präsidenten des Clubs wird u.a. schwerer Betrug, betrügerische Krida und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Kartnig wurde von einem früheren Vorstandsmitglied bezüglich der Schwarzeinnnahmen schwer belastet.

Der Zeuge war von 1999 bis 2003 im Vorstand des Fußballvereins. "Warum haben Sie sich so engagiert für Sturm?", wollte Richter Karl Buchgraber wissen. "Ich war 1965 bei meinem ersten Spiel und seit damals Fußball- und Sturmbegeistert", schilderte der 55-Jährige. "Wollten Sie selbst Präsident werden?", interessierte den Richter weiter. "Nein, dafür muss man sehr viel Geld haben oder sehr viel Geld aufstellen können", so der Befragte.

Sein persönliches Verhältnis zu Kartnig sei "sehr korrekt und in Ordnung" gewesen, "man hat mit ihm viel Spaß haben können. Es war nur oft sehr unangenehm, wenn er Schmähs auf Kosten anderer gemacht hat". Das Verhältnis trübte sich jedoch merklich, als das Vorstandsmitglied Einblick in die Finanzen haben wollte. Für den Zeugen war vor allem der Einkauf von elf Spielern im Jahr 2001 nach größeren Einnahmen durch die Teilnahme an der Champions League um rund 14,5 Mio. Euro "die größte betriebswirtschaftliche Fehlleistung, die ich je erlebt habe." Im Vorstand hatte er allerdings wenig Rückhalt, wenn es darum ging, Einblick in die Bilanzen zu bekommen. Es sei schwer gewesen, gegen Kartnig anzukämpfen, so der Zeuge: "Er hat seine Macht bei den Medien ausgespielt, Kartnig war in Graz damals eine absolute Nummer eins."

"Sie waren immer ein Querulant und haben immer gegen Osim (damaliger Trainer, Anm.) und sportliche Entscheidungen geredet", sprang Kartnig bei diesen Ausführungen wieder einmal empört auf. "Sie haben von den Schwarzzahlungen gewusst und gehören genauso auf die Anklagebank", setzte der Ex-Präsident noch nach. Der Zeuge hatte ganz klar erklärt, er selbst habe von Schwarzeinnahmen oder -zahlungen damals nie etwas gehört. Ganz sicher habe es aber vor Kartnigs Eintritt in den Club kein Schwarzzahlungs-System gegeben.

"Wie führt man betriebswirtschaftlich richtig einen Fußballverein?", fragte Gutachter Fritz Kleiner, was zu Heiterkeitsausbrüchen bei den Zuschauern und den Verteidigern führte. "Sie müssen pro Saison einen Spieler lukrativ abgeben", antwortete der Zeuge. "Stellen die Spieler für Sie Werte dar?", wollte Kartnig-Verteidiger Michael Pacher vom Ex-Vorstandsmitglied wissen. "Die Spieler nicht, aber die Rechte an ihnen", lautete die Antwort.

Die Befragung des Zeugen wird am Mittwoch um 9.00 Uhr im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt.

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