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Daxbacher rätselt über unterschiedliche Hälften © APA (Hochmuth)

Innerhalb von nur 59 Sekunden ist die Wiener Austria am Samstag aus dem violetten Tal der Tränen getaucht. Treffer von Michael

Innerhalb von nur 59 Sekunden ist die Wiener Austria am Samstag aus dem violetten Tal der Tränen getaucht. Treffer von Michael Liendl und Roland Linz in der 53. und 54. Minute leiteten im Heimspiel der Fußball-Bundesliga gegen Schlusslicht LASK einen 5:0-(0:0)-Kantersieg ein, der nach völlig vermurksten ersten 45 Minuten kaum noch denkbar schien.

Der in den vergangenen Wochen oftmals ratlose Austria-Trainer Karl Daxbacher durfte aufatmen, wurde aus seinem Team aber neuerlich nicht schlau: "Es ist kaum zu erklären, wie man in einem Spiel zwei so unterschiedliche Hälften zeigen kann."

Die hässliche Fratze in der ersten, das strahlende Antlitz der Veilchen in der zweiten Hälfte: Daxbacher hatte dafür dann aber doch eine Erklärung parat. "In der Pause hat es die Forderung gegeben, aggressiver, näher am Mann zu sein. Und man hat gesehen, dass man auch durch Kampf und Laufbereitschaft wieder zurückkehren kann", sagte der Niederösterreicher, der freilich auch die taktische Ausrichtung als Grund sah.

"Wir haben auch für meine Begriffe mit einer sehr defensiven Aufstellung gespielt", meinte er zur Startelf, in der Linz als Solostürmer sowie die "Doppelsechs" Baumgartlinger/Hlinka aufgeboten worden war. "Es war notwendig, von totaler Offensive zu einem gesicherten Mittelfeld zurückzurudern." Dennoch: Der verletzungsbedingte Wechsel von Barazite für Stankovic (möglicher Muskelfaserriss im Unterschenkel) kurz vor, bzw. Liendls für Koch zur Pause trug Früchte. "Nach der schlechten Leistung in der ersten Hälfte war eine Umstellung einfach nötig", sagte Daxbacher, der im Tor erstmals seit 13. Februar 2010 in der Meisterschaft nicht auf Goalie Lindner, sondern Safar setzte: "Eine Bauchentscheidung, Routine war gefragt."

Wie schon vor dem Spiel, als er die Verunsicherung durch die unfreiwillig angenommene Favoritenrolle für die schwachen Leistungen der jüngsten Zeit ins Treffen geführt hatte, musste er auch diesmal die Psychologie bemühen. "Es ist die Bestätigung dafür, dass sich viel im Kopf abspielt." Ähnlich sah es etwa Mittelfeldmann Junuzovic: "Ein Schalter wurde umgelegt. Wir haben das Fußballspielen nicht verlernt. Es ist ein Glücksgefühl da." Dennoch mahnte er zu Besonnenheit: "Wir müssen am Boden bleiben. Es geht alles so schnell. Von Super-Fußball dürfen wir nicht reden. Denn nur die zweite Hälfte war gut."

Tatsächlich musste man sich auch auf Fortuna verlassen, hatten die Linzer vor dem Seitenwechsel doch die besseren Möglichkeiten. Und hätten durch Kragl gar einen Strafstoß herausholen können. Der LASK-Stürmer entschied sich aber gegen das Hinfallen und für den Abschluss. "Das wäre eine Rote Karte und ein Elfer gewesen", meinte LASK-Coach Walter Schachner. Auch er war vom verrückten Spiel gezeichnet: "Der Unterschied der beiden Spielhälften tut weh."

Das wiedergewonnene Selbstvertrauen wollen die "Veilchen" nun am Mittwoch in der wichtigen Partie bei Tabellenführer Sturm Graz nützen. "Es ist ein richtungsweisendes Spiel", sagte Doppeltorschütze Linz, mit 18 Treffern alleiniger Führender der Torschützenliste. "Einige Spieler waren total verunsichert, es war eine Erlösung." Daxbacher zog aus dem Auf und Ab im Hinblick auf den nächsten Auftritt nur einen Schluss: "Zum nächsten Spiel traue ich mir keine Prognose abzugeben.

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