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Nach 1:1 fehlen vier Punkte auf Europacup-Platz © APA (Archiv/Leodolter)

Für Österreichs Fußball-Rekordmeister SK Rapid könnte innerhalb einer Woche die ganze Saison den Bach hinunter gegangen sein.

Für Österreichs Fußball-Rekordmeister SK Rapid könnte innerhalb einer Woche die ganze Saison den Bach hinunter gegangen sein. Nach dem 1:1 am Samstag in Kapfenberg fehlen den Hütteldorfern vier Runden vor Schluss schon vier Punkte auf einen Europacup-Platz, dennoch ließ Interimstrainer Zoran Barisic Durchhalteparolen vom Stapel.

"Vor dem Spiel haben wir gesagt, wir brauchen ein Unentschieden und vier Siege für die Europa League. Jetzt brauchen wir eben noch vier Siege", so Barisic. Noch vor einer Woche hatte sich Rapid insgeheim Chancen auf den Meistertitel ausgerechnet. Diese Hoffnungen wurden mit der 1:2-Heimniederlage gegen Red Bull Salzburg beendet, am Mittwoch folgte das bittere Cup-Aus in Ried und nun in Kapfenberg ein möglicherweise entscheidender Rückschlag im Europacup-Rennen. "Die Niederlage gegen Ried nagt noch an den Spielern, die Psyche spielt im Sport eine große Rolle", analysierte Barisic.

Ein Verbleib des 40-Jährigen als Cheftrainer über diese Saison hinaus dürfte spätestens seit der Partie im Franz-Fekete-Stadion passe sein. Sein Nachfolger, der wohl Peter Schöttel heißen wird, könnte schon in der kommenden Woche präsentiert werden. Als aussichtsreichste Anwärter auf den Sportdirektor-Posten gelten Josef Hickersberger und Carsten Jancker.

Auf dem Spielersektor ist in den kommenden Tagen weniger Bewegung zu erwarten. Rapids Wunschspieler Deni Alar hat angeblich ein Angebot des 1. FC Köln vorliegen, mit Guido Burgstaller wurde bisher nur ein Kicker für das kommende Spieljahr verpflichtet. Dafür ist die Zukunft einiger aktueller Kadermitglieder noch offen - etwa jene von Stefan Kulovits, der dem Match in Kapfenberg seinen Stempel aufdrückte.

Zunächst erzielte der Defensivspieler sein erstes Pflichtspiel-Tor seit dreieinhalb Jahren, dann musste er zehn Minuten vor Schluss gegen David Sencar die Notbremse ziehen. Die Folge waren die Rote Karte für Kulovits und das 1:1 durch einen von Matej Mavric verwandelten Strafstoß. "Diesen Elfmeter muss der Schiedsrichter geben", gab der 28-Jährige zu.

Dass es überhaupt zu dieser Situation kam, lag an einem schweren Stellungsfehler der Innenverteidigung. "Die Rückwärtsbewegung unserer Abwehr war zu langsam, dadurch ist es zu diesem Schnittball gekommen", ärgerte sich Kulovits. Auch Barisic war ob des Aussetzers zerknirscht. "Wir haben im ganzen Spiel nur einen Fehler gemacht, und der ist bestraft worden. Die Mannschaft bringt sich selbst um die Früchte ihrer Arbeit."

Nach drei Siegen zum Auftakt ist der Barisic-Schwung bei Rapid schon wieder vorbei, wie zwei Niederlagen und ein Remis aus den jüngsten drei Partien belegen. Bei Red Bull Salzburg hingegen scheint der Trainereffekt von längerer Dauer: Der 4:0-Heimsieg über Wiener Neustadt hielt die "Bullen" nicht nur im Titelrennen, sondern bedeutete nach Anfangsschwierigkeiten auch die Rückkehr zu alter Spielfreudigkeit. "Wir haben phasenweise den Fußball gespielt, den wir wollen", erklärte Trainer Ricardo Moniz, der schon am Montag als langfristige Lösung präsentiert werden könnte.

Der Niederländer ortete nicht nur Fortschritte im konditionellen und taktischen, sondern auch im zwischenmenschlichen Bereich. Letzteres machte er an der Reaktion seiner Kicker auf den Tod der Mutter von Ibrahim Sekagya fest. "Durch dieses Drama hat man gesehen, wie die Truppe zusammenwächst und auf so etwas reagiert."

Ob die neue Stärke zum Titelgewinn reichen wird, wagte Moniz jedoch nicht zu prophezeien. "Der Druck bleibt bei Sturm Graz, wir geben aber sicher nicht auf. Wir von Red Bull sind zumindest verpflichtet, europäisch zu spielen."

Wiener-Neustadt-Trainer Schöttel nahm die drückende Überlegenheit der Salzburger zähneknirschend zur Kenntnis. "Irgendwann musste bei ihnen der Knoten platzen. Sie haben ganz einfach die beste Mannschaft mit viel individueller Klasse", sagte der Wiener.

Zu seiner möglichen Zukunft bei Rapid wollte sich der Ex-Teamspieler nicht äußern, dafür brachte er seinen Unmut über den neuerlichen Austria-Protest gegen das 2:4 in Wiener Neustadt in der Vorwoche zum Ausdruck. "Ich verstehe das nicht, dass noch einmal protestiert wird und finde das auch unsportlich."

Keinen Grund zur Klage hatte Mattersburg-Trainer Franz Lederer. Nach dem 2:1-Heimsieg über Wacker Innsbruck liegen die Burgenländer vier Runden vor Schluss elf Punkte vor dem Schlusslicht LASK und weisen außerdem das weit bessere Torverhältnis auf. "Wir sind zu 99 Prozent durch", meinte Lederer.

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