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Porto und Braga spielen in Dublin gegeneinander © APA (Archiv/epa)

Wirtschaftlich mag Portugal zu kämpfen haben, im Fußball steht das 11-Millionen-Einwohner-Land aber gut da. Bester Beweis: das

Wirtschaftlich mag Portugal zu kämpfen haben, im Fußball steht das 11-Millionen-Einwohner-Land aber gut da. Bester Beweis: das rein portugiesische Europa-League-Finale zwischen den "Nachbarn" FC Porto und Sporting Braga am Mittwoch in Dublin. Dabei ist für Porto auch das Triple möglich. Dazu muss neben der Meisterschaft auch noch das Cupfinale am 22. Mai gewonnen werden.

Es ist nicht nur der Ritterschlag für die portugiesische Liga, die zumeist als Exportmaschine für Europas Top-Clubs dient, sondern auch das Duell zweier junger Trainer: Portos Andre Villas Boas und Bragas Domingos Paciencia. Villas Boas ist 33, Domingos 42 - beide arbeiteten bei Nachzügler Academica Coimbra, dem Club des Salzburgers Markus Berger, bevor sie die Chefsessel bei ihren nunmehrigen Vereinen einnahmen. Und beide rufen Assoziationen mit ihrem Landsmann und Startrainer Jose Mourinho hervor, der bei seinem UEFA-Cup- und Champions-League-Triumphen mit dem FC Porto (2003 bzw. 2004) in einem ähnlichen Alter war - nämlich 40 bzw. 41 Jahre. Beide werden mit Wechseln zu größeren Clubs in Verbindung gebracht: Villas Boas mit Chelsea, Domingos mit Benfica Lissabon.

Nicht nur wegen den Chelsea-Gerüchten drängt sich gerade bei Villas Boas der Vergleich mit dem nunmehrigen Coach von Real Madrid förmlich auf. Wie Mourinho kann er auf keine namhafte Spielerkarriere verweisen, zudem werkte er beim FC Porto fünf Saisonen lang im Stab des streitbaren Strategen. Sollte Villas Boas den Titel holen, wäre er mit 32 Jahren und 213 Tagen der jüngste Trainer, der jemals einen Europacup gewinnen konnte. Zudem hat er die Chance, so wie Mourinho 2003 das Triple zu holen. Porto trifft im Cupfinale am 22. Mai auf Vitoria Guimaraes.

Nicht nur der Trainer, auch die Mannschaft wird bereits mit dem Erfolgsteam von 2003/2004 verglichen. Da standen die damals weitgehend unbekannten Ricardo Carvalho, Paulo Ferreira, Maniche oder Deco in den Reihen Portos, die später bei Chelsea, dem FC Barcelona sowie mit dem portugiesischen Nationalteam ihren Marktwert vervielfachten.

Über Akteure mit ähnlichem Potenzial verfügt auch Villas Boas. Der Kolumbier Falcao ist mit 16 Toren in 13 Spielen Rekord-Torschütze in der Europa League (bzw. UEFA-Cup). Auf dem Radar der Topvereine in Spanien, England und Italien sind auch Hulk, Fernando und Rolando längst aufgetaucht.

Weniger im Fokus steht Sporting Braga. Dem Team, das im Herbst in der Gruppenphase der Champions League gespielt hat, fällt nichts in den Schoß. Es baut seine Erfolge auf solide Organisation und defensive Stärke - sowie ein gefährliches Konterspiel. So genügten Braga in den acht Spielen der K.o.-Phase drei Siege und sechs Treffer für den Final-Einzug. In den Viertel- und Halbfinali setzte man sich nur dank der Auswärtstorregel durch.

Das Nachbar-Duell sorgt in einer Hinsicht jedenfalls für einen Rekord: Noch nie zuvor haben einander zwei Teams in einem Europacup-Finale duelliert, die derart nahe beieinander liegen. Nur 47 Kilometer trennen die beiden Städte. Bisher waren 84 Kilometer anlässlich des UEFA-Supercups zwischen KV Mechelen und PSV Eindhoven 1988 die diesbezügliche "Bestmarke".

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