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Rollen im Kampf um den Europacup klar verteilt © APA (dpa)

Die Rollen vor dem deutschen Fußball-Cup-Finale MSV Duisburg gegen FC Schalke 04 am Samstag (20.00 Uhr) in Berlin sind klar

Die Rollen vor dem deutschen Fußball-Cup-Finale MSV Duisburg gegen FC Schalke 04 am Samstag (20.00 Uhr) in Berlin sind klar verteilt. Die in der Meisterschaft enttäuschenden Schalker stehen gegen den Zweitliga-Tabellenachten stark unter Druck. "Duisburg hat nichts zu verlieren, wir haben alles zu verlieren", brachte Schalke-Manager Horst Heldt die Ausgangsposition treffend auf den Punkt.

Dem Sieger winkt ein Platz in der Europa League. Für die Schalker, die in der laufenden Saison überraschend bis ins Champions-League-Halbfinale vorgestoßen waren, wäre ein Verpassen des Europacups ein Desaster. "Wir dürfen uns die Saison nicht durch eine Niederlage kaputt machen lassen", forderte Heldt. Coach Ralf Rangnick kann nahezu aus dem Vollen schöpfen, er reiste bereits am Mittwoch mit seiner Truppe nach Berlin, um sich ideal auf die Partie vorbereiten zu können.

Die Gelsenkirchner haben zuletzt gleich sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge kassiert, vier in der Meisterschaft, zwei in der Champions League. Trotzdem wäre alles andere als der fünfte Cup-Sieg der Vereinsgeschichte nach 1937, 1972, 2001 und 2002 eine große Überraschung. "Ich weiß, dass meine Mannschaft gut genug ist und jeder den Pokal gewinnen will. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen", sagte ein optimistischer Coach Rangnick. Für ihn wäre es der erste Titelgewinn, während seiner ersten Amtszeit bei Schalke hatte er 2005 im Cup-Finale gegen die Bayern mit 1:2 verloren.

Im Mittelpunkt steht auch Manuel Neuer, der DFB-Teamgoalie wird vor seinem wahrscheinlichen Wechsel zu den Bayern seine letzte Partie im Schalke-Dress bestreiten. "Es wäre mein erster Titel als Profi mit Schalke. Das würde ich sicher mein Leben lang nicht vergessen. Wir wollen den Pott für uns und die Fans", betonte der Schalke-Kapitän.

Auch für Ex-Real-Stürmer Raul, mit dem über eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2012 gültigen Kontrakts gesprochen wird, wäre es ein besonderer Titel, hatte er es doch mit den "Königlichen" nie geschafft, die Copa del Rey zu gewinnen. "Ich bin froh, das Finale spielen zu können. Aber es wird schwer, auch wenn Duisburg Zweitligist ist", sagte der spanische Stürmer.

Die Duisburger haben beim vierten Anlauf (nach 1966, 1975 und 1998) auf den ersten Cupsieg mit großen personellen Problemen zu kämpfen. "Wir haben viele Probleme und eine sehr große Ungewissheit", ist sich Coach Milan Sasic bewusst. Srdjan Baljak, Julian Koch und Bruno Soares fallen genauso wie Jürgen Säumel fix aus. Der Einsatz von Ivica Grlic ("Wir haben die Riesenchance, Geschichte zu schreiben") ist mehr als fraglich, zudem ist Stefan Maierhofer nach seinem eben erst überstandenen Mittelfußknochenbruch für die Startformation kein Thema.

Trotzdem hat der MSV die Sensation voll im Visier. "Jeder Spieler wird alles geben, die Jungs sind bereit. Eine Europacup-Teilnahme wäre eine schöne Sache für den Verein", sagte der in letzter Minute wiedergenesene Maierhofer. Optimistisch war auch Säumel, der in Berlin nach seinem erlittenen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel nur als Daumendrücker fungiert. "Grundsätzlich ist alles möglich, immerhin haben wir zwei Erstligisten ausgeschaltet. Schalke bleibt aber klarer Favorit. Für sie ist es die einzige Möglichkeit, eine verkorkste Saison noch mit dem Pokal zu retten", sagte der Defensivspieler.

Vor allem für die Duisburger ist der DFB-Cup eine Goldgrube. Aus den Vermarktungsrechten nahm der Club mehr ein, als er für die gesamte Zweitliga-Saison an TV-Honorar bekam, errechnete das Fußball-Fachmagazin "kicker". Der Cupsieger darf sich über 2,5 Millionen Euro freuen, an den Verlierer werden auch noch 2 Millionen ausgeschüttet.

Die Sasic-Truppe wird unabhängig vom Ergebnis einen Tag nach dem Endspiel in Duisburg gebührend feiern. Am Sonntag ist ein Autokorso und ein Empfang in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena geplant.

Die Bilanz im direkten Duell ist mit je 24 Siegen und 19 Remis seit der Oberliga-Saison 1960/61 ausgeglichen. Im Cup sind die beiden Teams erst einmal aufeinandergetroffen, 1966 hatte sich der MSV im Achtelfinale im Ruhrpott-Derby gleich mit 6:0 durchgesetzt. Der MSV wäre erst der dritte Zweitligist, der einen Vertreter der höchsten Spielklasse im Finale überrascht. Dies gelang bisher nur den Kickers Offenbach (1970/2:1 gegen Köln) und Hannover 96 (1992/4:3 i.E. gegen Gladbach).

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