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Vermummte stürmten das Spielfeld © APA (Oczeret)

Der spannende Titelkampf ist von Zuschauerausschreitungen im Hanappi-Stadion überschattet worden. Das Wiener Derby zwischen

Der spannende Titelkampf ist von Zuschauerausschreitungen im Hanappi-Stadion überschattet worden. Das Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria wurde nach 26 Minuten bei 0:2 abgebrochen. Zahlreiche, teilweise vermummte Anhänger von Rapid ließen ihrem Frust freien Lauf, stürmten nach dem zweiten Austria-Treffer den Rasen und zwangen damit Schiedsrichter Thomas Einwaller zu einem Abbruch.

Der Senat eins der Bundesliga will am Montag über die Wertung des Spiels und eventuell auch schon über (wohl drakonische) Strafen gegen Rapid entscheiden. Es ist davon auszugehen, dass die drei Punkte an die Austria gehen werden. Damit würde Sturm Graz vor der 36. und letzten Runde am Mittwoch weiter zwei Punkte Vorsprung auf die Austria aufweisen, Salzburg hat bei drei Punkten Rückstand nur noch eine rein mathematische Chance. Sturm empfängt Wacker Innsbruck, die Austria hat gegen Salzburg Heimrecht.

Die Rapid-Offiziellen zeigten sich nach den erschütternden Szenen bestürzt und beschämt. "Ich bin persönlich zutiefst betroffen, erschüttert und traurig. Solche Vorkommnisse haben auf dem Fußballplatz nichts verloren. Das ist die schwärzeste Stunde in meiner zehnjährigen Amtszeit bei Rapid. Ich schäme mich", stellte Rapid-Präsident Rudolf Edlinger zerknirscht fest. "Rapid ist immer emotionell. Aber Emotionalität und Brutalität sind zwei verschiedene Dinge", so Edlinger, der versprach: "Wir werden mit aller Schärfe gegen diese Personen vorgehen. Sie werden das Hanappi-Stadion sicher nicht mehr von innen sehen."

Die Stimmung rund ums Derby war passend zu den sommerlichen Temperaturen schon vor Anpfiff aufgeheizt gewesen. Rapid-Fans begrüßten den Mannschaftsbus des Erzrivalen mit Steinen, zwei Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Rapidler wollten unbedingt ihre verkorkste Saison ohne Europacup-Startplatz so gut wie möglich retten, indem sie die Titelchance der Austrianer zunichtemachen. Dieses Vorhaben unterstrich der Rapid-Anhang mit dem Plakat-Reim "Auch ein Sieg kann die verschissene Saison nicht retten, zerstört heute wenigstens die Titelträume der Violetten".

Doch die sehr lebhafte Anfangsphase im Westen Wiens beendete die Austria als Punktesieger. Florian Klein setzte sich auf der rechten Seite gegen Christopher Drazan durch, seine Flanke landete beim sträflich alleingelassenen Linz, der staubtrocken und flach ins linke Eck zum 1:0 traf (5.). Bereits nach diesem Tor waren zahlreiche Gegenstände auf den Platz geflogen, darunter dicke Trommel-Schlegel. Den Frust der Rapidler perfekt machte dann das 2:0 der Gäste durch Zlatko Junuzovic (26.) nach neuerlicher Klein-Vorarbeit.

Unmittelbar danach drangen die ersten Rapid-Anhänger auf den Rasen vor und attackierten teilweise auch die eigenen Akteure. Referee Einwaller unterbrach das Spiel sofort, beide Teams flüchteten in die Kabinen. Nach etwa halbstündigem Zuwarten entschied sich Einwaller für den Abbruch. Vor allem eventuelle weitere Austria-Tore sowie die zweite Spielhälfte mit Austria-Tormann Heinz Lindner vor dem Rapid-Fanblock wären ein unkalkulierbares Risiko gewesen.

"Beide Teams und die Schiedsrichter wollten weiterspielen. Die Aussagen der Sicherheitsbehörden waren aber entscheidend. Sie konnten die Sicherheit nicht mehr garantieren, dadurch gab es die Entscheidung Abbruch. Das tut mir sehr leid für den österreichischen Fußball. Das bisschen Image, das wir noch haben, wird somit zunichtegemacht", sagte Einwaller.

Auf dem Rasen zogen mehr als 300 Polizisten eine Sicherheitskette auf und verhinderten somit ein Vordringen der Rapid-Fans in Richtung der Osttribüne, wo 2.000 Austria-Anhänger standen. Ein Zusammenprall beider Fan-Fraktionen wurde vermieden, das Resümee der Exekutive fiel mit drei Festnahmen und zwei verletzten Polizisten relativ glimpflich aus. Aufgrund der zahlreichen TV-Bilder und Aufnahmen der Stadion-Kameras ist die Rapid-Spitze zuversichtlich, dass die Übeltäter ausgeforscht werden.

"Das sind frustrierte Leute. Natürlich kenne ich sie, ich arbeite täglich mit vielen von ihnen. Sie wollten zeigen, dass sie angefressen sind und dass es Änderungen geben muss", meinte ein schockierter Rapid-Clubservice-Leiter Andreas Marek. Eine der möglichen Konsequenzen könnte eine Verlegung zukünftiger Wiener Derbys ins Happel-Stadion sein. Dafür plädierte vor allem Rapid-Boss Edlinger, auch Austrias Sport-Vorstand Thomas Parits hält dies für möglich.

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